SoVD-Podcast: Inklusive Pflege in Hamburg
Wie gelingt die dauerhafte Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt und welche Unterstützung braucht inklusive Pflege in Hamburg?
Inklusive Pflege in Hamburg: Fragen und Inhalte
00:47 KoALApflegt: Der erste inklusive ambulante Pflegedienst in Deutschland
03:20 Pflegebedarf, Fachkräftemangel und Herausforderungen auf dem Hamburger Pflegemarkt
05:29 Fördermittel, Bürokratie und Probleme bei der Finanzierung inklusiver Arbeit
08:40 Mitarbeitende mit Behinderung im Pflegealltag und Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt
11:49 Ambulante Pflege, soziale Teilhabe und Unterstützung im Alltag
15:07 Wachstum, Zukunftspläne und politische Verantwortung für inklusive Pflegeangebote
Wir beschäftigen Menschen mit Beeinträchtigungen zu 40 Prozent in unserem ambulanten Pflegedienst. Das gibt es deutschlandweit bis dato nicht.
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Zu Gast ist Oliver Schulze, Geschäftsführer von KoALApflegt, dem ersten inklusiven ambulanten Pflegedienst Deutschlands. In dieser Folge geht es um den wachsenden Pflegebedarf in Hamburg, die Chancen inklusiver Beschäftigung und die Herausforderungen beim Aufbau eines sozialen Unternehmens. Oliver Schulze berichtet über Fachkräftemangel, fehlende Unterstützung durch die Stadt, komplizierte Förderverfahren und die Schwierigkeiten, sich auf dem Pflegemarkt zu etablieren. Gleichzeitig wird deutlich, welche Bedeutung ambulante Pflege, soziale Teilhabe und faire Arbeitsbedingungen für Menschen mit Behinderung haben.

Inklusive Pflege in Hamburg: Der SoVD-Podcast zum Lesen
SR: Susanne Rahlf
KW: Klaus Wicher
OS: Oliver Schulze
SR: “Sozial? Geht immer!” – Der Podcast des SoVD Hamburg mit Klaus Wicher und Susanne Rahlf. Einmal im Monat diskutieren wir soziale Fragen und Problemlagen, haken nach und geben Antworten. Immer im Blick: Soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Chancengleichheit. Sie wollen keine Folge mehr verpassen? Dann abonnieren Sie uns auf den gängigen Podcast-Plattformen. Herzlich willkommen zu unserem Podcast “Sozial? Geht immer!” vom Sozialverband SoVD hier in Hamburg. Mein Name ist Susanne Rahlf.
KW: Mein Name ist Klaus Wicher. Ich bin Landesvorsitzender des SoVD.
SR: Heute zu Gast haben wir Oliver Schulze. Herr Schulze ist Geschäftsführer und Pflegedienstleister von KoALApflegt, dem ersten inklusive Pflegeunternehmen in Deutschland. Im Prinzip sind Sie seit einem Vierteljahrhundert im ambulanten Bereich tätig, immer in Leitungsfunktion. In dem Bereich kennen Sie sich schon sehr gut aus.
KW: Herzlich willkommen von meiner Seite.
00:47 KoALApflegt: Der erste inklusive ambulante Pflegedienst in Deutschland
SR: Herr Schulze, KoALApflegt ist ein Pflegedienst der besonderen Art. Können Sie einmal erklären, was bei Ihnen genau angeboten wird?
OS: KoALApflegt ist der Ambulante Pflege KoALA gGmbH. KoALApflegt ist ein bisschen die Abkürzung oder der gängige Begriff und wir bieten alle Leistungen an aus dem SGB XI an, also Grundpflege, Hauswirtschaft und die Entlastungsleistung, die Betreuungsleistung. Was wir nicht anbieten, sind Krankenpflegeleistungen.
SR: Sie machen das im Pflegedienst, was alle anderen machen. Sie haben noch eine Besonderheit.
OS: Die Besonderheit unseres Unternehmens ist, dass wir der erste inklusive Pflegedienst deutschlandweit sind. Wir beschäftigen Menschen mit Beeinträchtigungen zu 40 Prozent in unserem ambulanten Pflegedienst. Das gibt es deutschlandweit bis dato nicht.
SR: Wie gestaltet sich das genau? Arbeiten die Menschen bei Ihnen im Büro? Oder wo setzen Sie die Menschen ein?
OS: Die Menschen werden in der Pflege eingesetzt, im Büro gibt es seitens der Kassen, von seitens der Pflegekassen Voraussetzungen. Die Menschen mit Inklusion, die wir beschäftigen, sind tatsächlich die Pflegekräfte, die dann draußen arbeiten.
SR: Sie sind also unterwegs, kommen zu den Klienten. Welche Arbeiten absolvieren sie? Betreuen sie jemanden, der schwer pflegebedürftig ist?
OS: Hochkomplexe Pflegesituationen betreuen wir derzeit noch nicht. Die Mitarbeiter, die wir haben, sind natürlich ganz eng eingearbeitet, ganz eng begleitet und das schließt eine hochkomplexe Pflegesituation aus. Es beschränkt sich eher auf Hauswirtschaft, Grundpflege und Betreuung.
SR: Da kommt jemand vorbei und hilft mir mal, die Gardinen aufzuhängen, geht dann mit mir einkaufen oder spielt mit mir ein Spiel. Das sind dann eher die Dienstleistungen, die nah am Haushalt dran sind. Ist das richtig?
OS: Das ist zum Teil richtig. Wir bieten auch die ganz normalen Unterstützungsleistungen an, beim Waschen, beim Einkaufen. Das sind typisch die Leistungen der Pflegeversicherung.
03:20 Pflegebedarf, Fachkräftemangel und Herausforderungen auf dem Hamburger Pflegemarkt
KW: Herr Schulze, es ist so, dass der Bedarf an Pflege in der Zukunft steigen wird. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente. Typischerweise ist bei den älteren Menschen dann ein Bedarf, der im Laufe der Zeit entsteht. Wie kommen Sie jetzt in den Pflegemarkt hinein? Es müsste doch, wenn man das so sieht, relativ einfach sein.
OS: Der Bedarf bei den Menschen ist sicherlich gegeben. Trotzdem ist es relativ schwierig, sich auf dem Markt zu etablieren, auf einem Markt mit vielen 100 Anbietern in Hamburg. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir mit unseren Leistungen immer noch etwas eingeschränkt tätig sind. Das ist das, was ich eben erläutert habe. Hochkomplexe Pflegesituation oder Krankenpflege Leistungen können wir derzeit noch nicht erbringen.
KW: Sie haben Mitarbeiter, die Unterstützung der Stadt benötigen. Kann man erkennen, dass die Stadt sich da bei Ihnen besonders engagiert?
OS: Die Stadt selbst engagiert sich bei uns in keiner Weise. Die Stadt hat gar nichts getan und da passiert nichts. Da hoffen wir auch gar nicht auf Unterstützung.
KW: Wir werden die Grundforderung, die für alle diese Betriebe gilt, auch noch mal an die Stadt herantragen. Es geht im Wesentlichen darum, dass eine Grundfinanzierung sozusagen erfolgt, damit es überhaupt eine Chance gibt, einen solchen Betrieb, den sie aufbauen, zu etablieren. Wir kommen auf das Thema Jobcenter. Da gibt es Mitarbeiter, die über das Jobcenter Lohnkostenzuschüsse bekommen können. Das klingt ganz einfach, so was herzustellen. Wie ist das aus Ihrer Sicht?
OS: Das sind natürlich Mitarbeiter, auf die wir angewiesen sind. Mitarbeiter, die dann auch eine Beeinträchtigung in Form eines Grades der Behinderung mitbringen und diesen Lohnkostenzuschuss. Das ist genau das, was wir versuchen, uns auf die Fahne zu schreiben und auch als Mitarbeiter zu beschäftigen. Es ist aber leider nicht so einfach, wie Sie es darstellen. Es ist unglaublich komplex, diese Anträge zu stellen und dann dauert es zum Teil Monate, bis man dann die Zahlungen vom Arbeitsamt bekommt. Wir sind natürlich auf genau diese Gelder angewiesen, um bei uns die Liquidität zu halten.
05:29 Fördermittel, Bürokratie und Probleme bei der Finanzierung inklusiver Arbeit
KW: Wie stellen Sie die Liquidität denn sicher, wenn die Gelder nicht gleich fließen, was eigentlich nicht geht?
OS: Derzeit haben wir noch Fördermittel von der Aktion Mensch, die wir auch für die nächsten vier Jahre zugesichert bekommen haben. Wir haben eine Anschubfinanzierung der Hapag-Lloyd Stiftung bekommen und mittlerweile ist es so, dass wir natürlich auch eigene Mittel erwirtschaften. Wir sind jetzt tätig und wir versorgen ca. 20 Kunden, unregelmäßig sogar mehr. Da erwirtschaften wir selber Erträge, die auch für die Vergütung der Mitarbeiter zum Teil schon ausreichen.
KW: Das ist trotzdem ein Problem. Das schildern Sie. Jobcenter, aber auch andere können und dürfen Vorschüsse zahlen. Darauf müssen wir jetzt nicht eingehen. Das soll nur gesagt sein, um deutlich zu machen: Denjenigen, die jetzt zuhören, dass da was nicht funktioniert. Sie haben diesen einmaligen Pflegedienst gegründet. War das einfach? Hat man Sie mit offenen Händen empfangen oder wie ist das gegangen?
OS: Die Gründung dieses Pflegedienstes ist genauso vonstatten gegangen wie die Gründung eines jeden anderen Pflegedienstes. Wir mussten genau alle Formalien erfüllen, die jeder andere Pflegedienst auch erfüllt. Wir mussten Leitbilder, Versicherungsunterlagen und Personalqualifikationen vorlegen wie jeder andere Pflegedienst in Hamburg bzw. Deutschland auch.
KW: Der Senat und andere haben deutlich gemacht, dass sie die Bürokratie entschlacken wollen. Haben Sie das Gefühl, dass das bei Ihnen in Ihrem Bereich schon angekommen ist?
OS: Nein, absolut nicht. Eher im Gegenteil.
KW: Was wären denn die Dinge, die man dort erleichtern könnte aus Ihrer Sicht? Wir wollen den Senat in seiner Arbeit beraten.
OS: Im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren war es unglaublich kompliziert, die entsprechenden Unterlagen vorzubringen. Die Unterlagen mussten dann auch in beglaubigter Form vorgelegt werden, was es schwierig macht, weil ich meine beglaubigten Unterlagen zum Beispiel schon 700.000 Mal in Hamburg vorgelegt habe. Ich bin recht bekannt in den Institutionen. Wenn wir auf das Arbeitsamt Jobcenter zu sprechen kommen wollen, ist es unglaublich komplex, eine kleine Adressänderung zu hinterlegen. Da weiß das Arbeitsamt zum Teil selber nicht, wie es funktioniert.
KW: Das sind alles Dinge, die man immer wieder hört. Trotzdem gibt es jetzt diesen Anschub des Senats, aber auch der anderen Bundesministerien und Landesministerien, die Bürokratie zu entlasten, um genau den Betrieben wie ihren zu helfen, in den Markt zu kommen. Was wäre denn das, was wir jetzt schneller machen könnten im Bereich der Bürokratie? Was hätte ihnen sehr geholfen?
OS: Ein schlankeres Antragsverfahren, die Möglichkeit, Unterlagen online einzureichen, das Zurückgreifen auf Unterlagen, die sowieso schon vorliegen in diversen Institutionen.
KW: Die Digitalisierung scheint da noch nicht so besonders gut angekommen zu sein. Kann man das so sagen?
OS: Das kann man definitiv so sagen.
KW: Das sind alles Dinge, die der Senat und andere auf ihre Fahnen geschrieben haben, die offenbar nicht so voran gehen, wie wir uns das wünschen.
OS: Haben Sie uneingeschränkt Recht.
08:40 Mitarbeitende mit Behinderung im Pflegealltag und Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt
KW: Mitarbeiter zu finden ist in der heutigen Zeit nicht so ganz einfach. Alle klagen über Facharbeitermangel. Wie ist das bei Ihnen? Ist das mit der gleichen Schwierigkeit zu sehen oder ist das durch die Zusammenarbeit zum Beispiel mit dem Jobcenter einfacher?
OS: Nein, es ist überhaupt nicht einfacher, weil wir sind als Inklusionsunternehmen angehalten und das ist auch unser Ziel, Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Die Schnittmenge, das kann sich jeder vorstellen, von Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen, die in die Häuslichkeit der Kunden, also in die Versorgung, nach Hause gehen, ist relativ gering. Da sind wir darauf angewiesen, genau diese Mitarbeiter anzusprechen, die das dann wollen und bestimmte empathische Fähigkeiten und auch aktuelle Fähigkeiten mitbringen.
KW: Vielleicht können wir darüber sprechen, was die Vorteile sind für Ihre Kunden, gerade von diesen Menschen, die Sie eben beschrieben haben, gepflegt zu werden?
OS: Der große Vorteil ist, dass wir Leistungen erbringen, die andere Pflegedienste gar nicht mehr erbringen. Gerade diese niedrigschwelligen Betreuungsleistungen, aber auch Hauswirtschaftsleistungen, die dann über das Sozialamt finanziert werden, erbringen viele Pflegedienste gar nicht mehr, weil es einfach nicht lukrativ ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir eine ganz enge Bindung der einzelnen Mitarbeiter zu den einzelnen Kunden voraussetzen, weil nur so kann es funktionieren, dass wir auch diese Mitarbeiter, die wir beschäftigen, auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert kriegen. Das ist auch für den Kunden von großem Vorteil.
KW: Im Grunde genommen schaffen sie die Voraussetzung dafür, dass die Menschen mit diesen Benachteiligungen auf den ersten Arbeitsmarkt kommen. Eigentlich müsste man sie doch mit offenen Händen empfangen und sagen: Hier sind die Mitarbeiter und nun sehen Sie mal zu, dass sie richtig gut bei Ihnen qualifiziert werden, damit Sie dann nachher auf dem ersten Arbeitsmarkt ankommen.
OS: Wir stellen die Mitarbeiter tatsächlich schon auf dem ersten Arbeitsmarkt an, sie werden bei uns tariflich vergütet. Wir sind tariflich gebunden wie jeder andere Pflegedienst auch. Wir zahlen wirklich gute Gehälter für diese Mitarbeiter, ohne dass diese Mitarbeiter weiter auf Transferleistungen angewiesen sind. Sie finanzieren ihr Leben von heute auf morgen selbstständig mit dem Einkommen.
KW: Finde das gut, was sie sagen. Eigentlich sind sie ein Betrieb wie auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es gibt gar keinen Unterschied. Die Anforderungen an Ihre Mitarbeiter sind die gleichen. Das, finde ich, ist wichtig, auch deutlich zu machen, dass das ein wichtiges Sprungbrett ist, um dauerhaft in Arbeit zu kommen. Die müssen in den Markt hineinkommen, das heißt, Sie müssen Kunden gewinnen. Vielleicht können Sie ein bisschen darüber sprechen, wie das bei Ihnen läuft. Sie haben nicht so sehr viele Mitarbeiter, müssten eigentlich Marketing und ähnliche Dinge machen.
OS: Das tun wir auch. Wir sind erst mal nur im Bezirk Altona tätig, was einfach daran liegt, dass unsere Mitarbeiter keine Führerscheine haben. Das beschränkt natürlich den Radius. Wir sind sowohl in den sozialen Medien als auch in allen Netzwerken gerade aus dem Bereich Bildung und Beeinträchtigung Behinderung aktiv auf der Suche nach Kunden, aber oft auch Mitarbeiter.
11:49 Ambulante Pflege, soziale Teilhabe und Unterstützung im Alltag
KW: Politisch ist es so, dass der Weg weggehen soll von stationären Einrichtungen, in denen gepflegt werden soll, hin zur Ambulantisierung. Eigentlich sind sie doch da in dem zukunftstragenden Feld. Merken Sie das?
OS: Ich weiß das natürlich, aber ob ich das merke? Nein, eher nicht. Es ist natürlich so, dass der SGB XI, also das, was die Pflegeversicherung schon immer gesagt hat: ambulant vor stationär. Wir wissen, dass die stationäre Versorgung mittlerweile mit Eigenanteilen von weit über 3.000 Euro von Nöten ist. Das merken wir derzeit nicht, denn auf der anderen Seite muss man tatsächlich auch sagen, dass viele Menschen das Pflegegeld nehmen. Da mache ich mir jetzt vielleicht etwas unbeliebt, um damit ihre Renten zu subventionieren. Das ist tatsächlich der Fall.
KW: Das ist ein anderes Problem, dass die Renten so niedrig sind, dass man auch im Alter noch dazuverdienen muss und das über den Weg, den sie beschrieben haben. Das ist nicht der normale Weg, sondern der normale Weg ist, man will jemandem helfen. Ich bin entweder Angehöriger oder guter Freund oder gute Freundin und will dem, der jetzt in dieser Lage ist, Pflege zu beantragen, auch unterstützen und macht das in der Häuslichkeit und da sind sie sozusagen spezialisiert, da helfen sie und das, was sie jetzt aufgenommen haben, Sie machen das in einer sehr breiten Art und Weise, also alles, was im Haushalt anfällt, machen Sie, was andere Pflegedienste nicht so machen.
OS: Genau. Wir erbringen gerade diese Leistungen, die von anderen Pflegediensten ungewollt sind, weil sie nicht lukrativ sind. Wir erbringen aber natürlich auch die Körperpflege Leistungen. Das ist der Bereich dann, da müssen wir uns noch weiter etablieren auf dem Markt. Das ist das, was Sie ansprachen.
KW: Die sogenannte körperliche Pflege, nicht das, was Sie ansprechen, das Waschen und Anziehen usw. Das sind alles Dinge, die andere auch können, aber sie sind spezialisiert im häuslichen Bereich zu helfen, also Wohnung sauber zu machen, Menschen mit auf die Straße zu helfen usw. oder ist das nicht richtig?
OS: Das ist zum Teil richtig. Im Moment ist es so, dass unsere Mitarbeiter, die bei uns beschäftigt sind, das bedingen. Die sind natürlich zum Teil in diesen Bereichen ausgebildet und geschult und erbringen genau diese Leistung. Unser Ziel ist es aber auch, uns jetzt in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr auf dem Hamburger Markt zu etablieren. Als Pflegedienst, der, wie Sie richtig sagten, ein ganz normaler Arbeitgeber ist und dann auch Leistungen, wie der Krankenpflege, erbringt. Es ist sicher denkbar auch für Sie, dass Menschen, die einen Pflegedienst beauftragen, zur Unterstützung beim Waschen nicht einen zweiten Pflegedienst haben wollen, der kommt und die Medikamente verabreicht. Von daher: Unser Ziel ist es auch, diesen Vertrag dieses Jahr spätestens im nächsten Jahr zu bekommen.
KW: Das ist auch etwas ganz Besonderes, was sie stellen. Sie sagen, sie machen so eine eins zu eins Beziehung. Einer, der bei Ihnen angestellt ist, pflegt immer denselben Pflegebedürftigen. Das ist für die Menschen wichtig, dass so eine Beziehung auch entsteht.
OS: Ja, das stimmt, da sind wir wirklich ganz weit vorne, weil wir erst mal gar nicht die Anzahl an Mitarbeitern in der Betreuung haben. Die Mitarbeiter selber sind natürlich auch darauf angewiesen, sich bei dem Kunden auszukennen. Die Kunden haben dadurch eine ganz enge Bindung zu den Mitarbeitern, weil sie regelmäßig nahezu täglich zu den Kunden kommen.
15:07 Wachstum, Zukunftspläne und politische Verantwortung für inklusive Pflegeangebote
KW: Wir haben jetzt verstanden, es gibt Anlaufschwierigkeiten, es gibt Finanzierungsschwierigkeiten und es gibt Schwierigkeiten, sozusagen auch die Menschen zu finden, die bei ihnen arbeiten. Das ist eine ganze Palette, eine Herausforderung für Sie. Wie muss man sich jetzt vorstellen: Wie gehen sie die nächsten Schritte bei Ihnen an? Was ist Ihre Planung, damit man mal sieht, wie sich Ihr Pflegedienst, der ganz groß vonnöten ist, etablieren kann?
OS: Unser nächstes Ziel ist es erst mal, uns zu verfestigen und zu verstetigen, auf dem Markt weitere Mitarbeiter einzustellen, um dann auch weitere Kunden aufnehmen zu können. Um unser Leistungsspektrum auszuweiten. Das nächste Ziel, was dann mittelfristig auf der Agenda steht, ist das, was ich eben gerade schon ansprach, nämlich der weitere Vertrag. Der Vertrag mit den Krankenkassen, um dann tatsächlich komplett alle Leistungen auch abdecken zu können, die benötigt werden.
KW: Ich finde, es klingt alles gut und was wir brauchen ist Unterstützung von der Stadt, Unterstützung der Kranken- und Pflegekassen, aber auch der Jobcenter und der Arbeitsagentur. Ist auch dran gedacht, sich da mal zusammenzusetzen und zu sagen so was bedeutet es für die Partner, einen solchen Pflegedienst zu etablieren. Das sind Menschen, die nicht so ohne Weiteres den Zugang zum Ersten Arbeitsmarkt haben.
OS: Na ja, das wird schon gesehen. Wir stoßen da zum Teil offene Türen ein. Die Politik hat großes Interesse, Sie haben großes Interesse, sind auf uns aufmerksam geworden. Die Presse, wir haben einen Artikel im Abendblatt gehabt, haben jetzt irgendwas in der Tina. Das ist nicht so, dass wir da nicht auf Interesse stoßen. Von außen. Wir müssen dann auch die nötige Unterstützung bekommen. Das ist es nicht. Das ist nicht miteinander verbunden.
KW: Das sind schöne Worte, aber es fehlen die Taten. Sie haben gesagt, Sie haben ungefähr 20 Kunden. Wie viele Kunden bräuchten Sie, damit ein solcher Pflegedienst sich eigentlich trägt? Was stellen Sie sich also vor?
OS: Ist natürlich schwer zu beantworten, weil jeder Kunde unterschiedliche Leistungen in Anspruch nimmt und somit zu unterschiedlichen Erträgen führt. Ich sage mal, so vernünftig wären schon so 80 bis 90 Kunden, die regelmäßig versorgt werden aus dem Bereich des SGB XI, also der Grundpflege und nicht der Hauswirtschaft. Das wäre dann noch ergänzend.
KW: Das wäre also das 4 bis 5-fache. Sie müssten auch die Mitarbeiterschaft entsprechend aufbauen. Das ist eine ganz schöne Herausforderung. Da muss eigentlich die Stadt ein größeres Interesse haben, sie zu unterstützen, also mit eigenen Mitteln. So eine Grundfinanzierung über mehrere Jahre, bis sie dann im Markt drin sind.
OS: Da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht.
KW: Genau. Das fordern wir jetzt über diesen Weg, dass wir sagen: Das muss sein. Wie geht es weiter? Wie kommen Sie auf die 80 bis 90 Kunden, die Sie brauchen, damit sich dieser Pflegedienst wirklich trägt?
OS: Wir sind dabei, tatsächlich mehr Mitarbeiter einzustellen. Das ist unglaublich schwierig.
KW: Und das kostet mehr Geld.
OS: Das kostet mehr Geld. Wir müssen eine Kröte schlucken. Wir müssen versuchen, die Mitarbeiterschaft parallel zur Kundschaft aufzubauen. Das ist völlig normal. Da sind wir genauso gefordert wie alle anderen Unternehmen auch.
KW: Wenn man Unternehmensgründungen vor Augen hat, dann gibt es dort eine ganze Menge Fördermöglichkeiten. Damit brüstet sich auch der Senat und sagt: Wir wollen das voranbringen. Warum funktioniert das bei Ihnen eigentlich nicht? Das ist doch im Grunde genommen um die Zeit vom Beginn bis zur Etablierung im Markt zu überbrücken.
OS: Sagen Sie es mir, ich weiß es nicht. Wir haben keine Fördermittel seitens der Stadt.
KW: Da müssten wir noch mal insgesamt, vielleicht auch zusammen auf die Stadt zugehen und sagen auch für so etwas, was eine besondere soziale Bedeutung hat in unserer Gesellschaft. Sie brauchen natürlich Anschub, Fördermittel und die sind nicht zwei Monate oder drei Monate, sondern ein paar Jahre.
SR: Ich nehme jetzt aus diesem Gespräch auf jeden Fall mit, dass KoALApflegt auf jeden Fall eine kleine Perle in Altona ist, von der viel mehr Menschen wissen sollten. Es braucht auf jeden Fall auch ein Stück weit Überzeugung, um sich an sie zu wenden, auch ein Stück weit den Willen und den Wunsch zu haben, auch Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren und auch, sich betreuen zu lassen. Das ist auch eine Entscheidung und ich finde das sehr wichtig, dass es so ein Angebot gibt. Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg und Glück dabei, dass Sie sich wirklich am Markt etablieren können. Die Idee, die dahinter steht, hinter Ihrem Unternehmen, das wird auf jeden Fall weitergetragen und dass mehr Menschen auch die Möglichkeit haben werden, in den Arbeitsmarkt zu kommen. Auch das ist ein großes Problem: Der soziale Arbeitsmarkt wird zurückgefahren, Menschen mit Behinderung sollen auf den ersten Arbeitsmarkt. Das ist eine große Herausforderung und ich finde das ganz toll, dass sie diesen Menschen auch eine Möglichkeit geben, dort reinzukommen. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schulze.
KW: Auch von meiner Seite vielen herzlichen Dank, dass Sie gekommen sind und wir wünschen Ihnen für die nächste Zeit richtig viel Erfolg. Danke schön. Vielen Dank!
SR: Das war “Sozial? Geht immer!” – Der Podcast des SoVD Hamburg. Abonnieren Sie uns auf den gängigen Plattformen und wenn es Ihnen gefallen hat, geben Sie uns dort gerne eine gute Bewertung ab. Oder Sie schicken uns Ihr Feedback an info@sovd-hh.de. Wir freuen uns, wenn Sie auch das nächste Mal wieder reinhören. Bis dahin halten wir Sie auf unseren Social Media Kanälen auf dem Laufenden oder besuchen Sie unsere Webseite sovd-hh.de.









