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Pflege gemeinsam neu denken

Wie Hamburg Pflege im Quartier stärken und Angehörige entlasten kann

Eine Gruppe älterer Menschen geht spazieren, umgeben von grünen Bäumen und einer mit Efeu bewachsenen Wand. Eine Person sitzt in einem Rollstuhl, während eine andere einen Gehwagen benutzt. Alle lächeln.

Immer mehr Menschen in Hamburg sind pflegebedürftig. Im Jahr 2023 waren es rund 96.600 Personen. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl bis zum Jahr 2055 auf 132.000 steigen wird. Etwa drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Damit übernehmen Angehörige einen großen Teil der Pflegeverantwortung.

Diese Entwicklung stellt sowohl betroffene Familien als auch die Stadt vor neue Herausforderungen. Wer Pflege übernimmt, braucht verlässliche Beratung, Entlastung und Unterstützung im Alltag. Für Hamburg bedeutet das: Die Stadt muss heute die Strukturen schaffen, die morgen gebraucht werden. Dazu gehören ausreichend Pflegekräfte und ambulante Angebote ebenso wie barrierearmer Wohnraum und eine gute Infrastruktur, die ältere Menschen im Alltag unterstützt.

Pflege muss im Quartier gedacht werden

Damit Menschen auch bei steigendem Unterstützungsbedarf möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt leben können, braucht es ein Wohnumfeld, das sie dabei unterstützt. Dazu zählen gut erreichbare Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegedienste, Einkaufsmöglichkeiten, Begegnungsorte und eine gute Verkehrsanbindung. Auch kleine Hilfen aus der Nachbarschaft können den Alltag erleichtern und soziale Kontakte fördern.

Hamburg geht mit dem Modellprojekt „Wohnen bleiben im Quartier“ neue Wege. Seit Mai 2026 werden in sechs Stadtteilen verschiedene Konzepte erprobt. Ziel ist es, Pflege, Beratung, Gesundheit und soziale Angebote stärker miteinander zu verknüpfen. Quartierspflegedienste sollen als zentrale Anlaufstellen dienen, Community Health Nurses ältere Menschen niedrigschwellig beraten und begleiten. Gemeinschaftsräume und nachbarschaftliche Angebote ermöglichen zusätzlich Begegnungen und gegenseitige Unterstützung.

Ein Beispiel für die Verbindung von Wohnen, Pflege und Nachbarschaft ist „LeNa – Lebendige Nachbarschaft“. In den von der SAGA entwickelten Projekten leben ältere und pflegebedürftige Menschen in barrierearmen Wohnungen. Gemeinschaftsräume, Pflegeangebote und nachbarschaftliche Unterstützung schaffen zusätzliche Sicherheit und fördern soziale Kontakte.

Digitalisierung kann Pflege unterstützen

Auch technische Innovationen leisten einen Beitrag, Pflege neu zu organisieren und Menschen im Alltag zu entlasten. Pflege-Apps erleichtern die Organisation von Medikamenten, Terminen und Pflegeeinsätzen. Telepflege und Videosprechstunden ermöglichen Beratung und medizinische Betreuung, wenn Wege für Pflegebedürftige schwierig sind. Smarte Assistenzsysteme können beispielsweise an die Medikamenteneinnahme erinnern, Stürze erkennen oder Angehörige informieren, wenn ungewöhnliche Situationen auftreten.

Darüber hinaus kann die digitale Dokumentation Pflegekräfte entlasten und den Informationsaustausch zwischen Pflegediensten, Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen verbessern. Perspektivisch können Robotik und weitere Assistenzsysteme körperlich belastende Tätigkeiten unterstützen. Entscheidend ist, dass Technik den Menschen unterstützt, nicht ersetzt. Sie muss einfach zu bedienen, barrierefrei und datenschutzkonform sein sowie vor allem dazu beitragen, Pflegekräfte zu entlasten und Zeit für persönliche Zuwendung zu schaffen.

Pflege braucht politische Antworten

„Hamburg darf sich nicht darauf verlassen, dass Pflegeaufgaben auch künftig im gleichen Umfang von Angehörigen übernommen werden können. Auf zusätzlichen  Pflegebedarf muss die Stadt schon heute reagieren“, sagt Dr. Sally Peters, Vorstandssprecherin des SoVD Hamburg. des Hamburg braucht langfristige Strategien für die Pflege. Dazu gehören bessere Arbeitsbedingungen und neue Wege zur Gewinnung von Fachkräften ebenso wie verlässliche Entlastungsangebote für pflegende Angehörige. Gleichzeitig müssen neue Wohn- und Versorgungsformen dauerhaft ermöglicht und erfolgreiche Quartiersmodelle weiterentwickelt werden. Die Pflege der Zukunft sollte nicht allein danach fragen, wer einen Menschen versorgt, sondern auch danach, wie Menschen mit Unterstützungsbedarf möglichst selbstbestimmt, sozial eingebunden und im vertrauten Umfeld leben können. Betroffene Familien, die ihre Angehörigen pflegen brauchen verlässliche Beratung, Entlastung und Unterstützung im Alltag. 

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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