SoVD-Podcast: Verbraucherschutz und -beratung
Wie können Bürger:innen im Alltag finanziell, energetisch und rechtlich besser unterstützt werden?
Verbraucherschutz und -beratung in Hamburg: Fragen und Inhalte
00:58 Verbraucherzentrale Hamburg: Beratung und Unterstützung im Alltag
02:50 Finanzielle Sorgen im Alter: Dispokredite, Schuldenfallen und faire Beratung
08:49 Energie sparen und klimafreundlich heizen: Beratung mit den Hamburger Energielotsen
14:15 Lebensmittelpreise, Mogelpackungen und Ernährungsarmut: Wie man trotz steigender Kosten gut einkauft
19:46 Quartiersberatung der Verbraucherzentrale: Vor Ort für die Menschen in Hamburg
21:56 Verbraucherrechte: Telekommunikationsfallen und rechtlicher Schutz
Verbraucherschutz heißt für uns vor allen Dingen Verbraucherberatung. Verbraucherberatung ist quasi das Herz und der Kern von all unseren Tätigkeiten und da haben wir Jahr für Jahr gut 100.000 Kontakte zu Verbrauchern über alle möglichen Wege. Sei es persönliche Beratung, telefonisch, per Video oder auch schriftlich. Die Menschen finden den Weg zu uns und wir versuchen, ihnen zu helfen.
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Zu Gast ist Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg. In dieser Folge sprechen wir über die vielfältigen Aufgaben der Verbraucherzentrale – von der Finanzberatung im Alter, über Dispokredite und Schuldenfallen, hin zur Energieeinsparung mit den Hamburger Energielotsen. Wir zeigen auf, wie Menschen trotz steigender Lebensmittelpreise, versteckter Kostenfallen und Mogelpackungen gut und gesund einkaufen können, was die Quartiersberatung der Verbraucherzentrale vor Ort für die Menschen leistet und wie Verbraucherrechte, insbesondere bei Telekommunikationsverträgen, durchgesetzt und gestärkt werden.

Verbraucherschutz und -beratung in Hamburg: Der SoVD-Podcast zum Lesen
SR: Susanne Rahlf
KW: Klaus Wicher
MK: Michael Knobloch
SR: “Sozial? Geht immer!” – Der Podcast des SoVD Hamburg mit Klaus Wicher und Susanne Rahlf. Einmal im Monat diskutieren wir soziale Fragen und Problemlagen, haken nach und geben Antworten. Immer im Blick: Soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Chancengleichheit. Sie wollen keine Folge mehr verpassen. Dann abonnieren Sie uns auf den gängigen Podcast-Plattformen. Herzlich willkommen zu unserem Podcast “Sozial? Geht immer!” vom Sozialverband SoVD hier in Hamburg. Mein Name ist Susanne Rahlf.
KW: Mein Name ist Klaus Wicher. Ich bin Landesvorsitzender des SoVD.
SR: Heute begrüßen wir ganz herzlich Michael Knobloch. Er ist der Vorstand der Verbraucherzentrale hier in Hamburg. Herzlich willkommen, Herr Knobloch!
MK: Danke, dass ich hier sein kann.
00:58 Verbraucherzentrale Hamburg: Beratung und Unterstützung im Alltag
SR: Sie sind Volljurist und seit 2016 der Vorstand in der Verbraucherzentrale. Dort gibt es 100 Mitarbeitende. Sie beraten im Prinzip zu allen Themen des täglichen Lebens. Das geht von Finanzen, Schulden über Urlaub, Telefon, Internet bis zu Lebensmitteln und Ernährung. Wofür steht die Verbraucherzentrale eigentlich genau?
MK: Die Verbraucherzentrale in Hamburg gibt es seit 1957. Das ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein und nach unserer Satzung beschäftigen wir uns tatsächlich mit allen Fragen, die so zwischen Verbrauchern auf der einen Seite und den Anbietern auf der anderen Seite auftauchen können. Verbraucherschutz heißt für uns vor allen Dingen Verbraucherberatung. Verbraucherberatung ist quasi das Herz und der Kern von all unseren Tätigkeiten und da haben wir Jahr für Jahr gut 100.000 Kontakte zu Verbrauchern über alle möglichen Wege. Sei es persönliche Beratung, telefonisch, per Video oder auch schriftlich. Die Menschen finden den Weg zu uns und wir versuchen, ihnen zu helfen.
SR: Was sind denn so die wichtigsten Themen für die Menschen, die sich an sie wenden und von ihnen Rat und Unterstützung haben möchten?
MK: Wir decken fast alle Konsumbereiche in unserer Beratung ab, die man sich so vorstellen kann: Finanzdienstleistungen, Konsumenten-Ratenkredite, Girokonten, Baufinanzierung, Verbraucher-, Reise-, Versicherungs- oder Telekommunikationsverträge. Dann haben wir einen großen Bereich, auch noch mal eine Schuldner- und Insolvenzberatung bei uns im Haus. Wir haben eine Abteilung, die sich um Gesundheit und Patientenschutz kümmert. Dann haben wir noch eine Abteilung, die sich um Ernährungs- und Lebensmittelthemen kümmert.
02:50 Finanzielle Sorgen im Alter: Dispokredite, Schuldenfallen und faire Beratung
KW: Ihr Gründungsjahr 1957 war auch der Wendepunkt in der Deutschen Rentenversicherung. Eigentlich ein guter Wendepunkt, ein guter Start in eine neue Möglichkeit, die Renten zu sichern. Heute ist es so, dass ganz viele mit ihrer Rente nicht mehr auskommen. In Hamburg steigt die Zahl derjenigen, die Rentner sind, aber Grundsicherung beantragen müssen, weil ihr Einkommen nicht mehr ausreicht. Sie kommen zu ihnen und möchten beraten werden. Was raten Sie diesen Menschen?
MK: Es kommen tatsächlich sehr viele ältere Menschen zu uns, das muss ich sagen. Es kommen auch wirklich viele Menschen zu uns, für die auch geringe Beratungsentgelte tatsächlich schwierig sind. Das geht da nicht nur um Ältere, sondern auch um Familiengründer. Menschen, die in der Trennung sind und viele andere Gruppen.
KW: Da helfen und beraten Sie auch. Schulden zum Beispiel ist ein Thema.Rentner können schlecht Schulden machen, weil sie gar kein Geld mehr von der Bank kriegen.
MK: Ist nicht ganz so, also auch ältere Leute können Kredite aufnehmen und es gibt auch ganz viele unseriöse Angebote da draußen, wo schufafreie Kredite angeboten werden, die dann aber gekoppelt werden mit anderen Produkten, wo dann gleich verschiedene Sachen beantragt werden, ohne dass die Menschen überhaupt richtig verstehen, was sie da abschließen und wo dann teilweise eher schlechte Sparverträge übrig bleiben und dann trotzdem kein Kredit gegeben wird. So was kommt regelmäßig vor. Mit solchen Problemen kommen die Leute zu uns.
KW: Über welche Zinssätze reden wir da? Was wird den Menschen da vorgelegt?
MK: Bei den Zinssätzen geht es schon bei den Dispo Krediten los. Die Zinsen waren lange Jahre sehr niedrig. Eigentlich in ganz vielen Produkten. Nur für die Dispo Kredite kann man es nicht sagen, die waren trotzdem immer noch im zweistelligen Bereich.
KW: Zwölf bis 13 Prozent erinnere ich auch jetzt.
MK: Die Dispo Kredite haben dadurch, das sagen die Banker auch ganz offen, durch die Margen wurden dann andere kostenlose Angebote oder günstige Angebote quersubventioniert. Das ist natürlich umso schlechter, als das die Leute sind, die sowieso wenig Geld haben, die dann einfach im Verhältnis noch mehr bezahlen müssen als Besserverdienende und den Besserverdienenden dann im Prinzip deren günstige Verträge quersubventionieren. Das ist allgemein bekannt. Da versuchen wir als Verbraucherzentralen, es gibt 16 Verbraucherzentralen, auch im Lobbying natürlich, was zu erreichen, sodass die Dispozinsen niedriger sind. Das ist natürlich ein sehr schwerer und steiniger Weg, weil wir natürlich auf der anderen Seite auch ganz starke wirtschaftliche Interessen haben, die auch gutes Lobbying machen können.
KW: Der Sozialverband Deutschland ist da ganz auf Ihrer Seite. Wir finden das auch unanständig, Dispokredite in dieser Höhe zu geben. Es ist üblich und man muss den Menschen auch deutlich sagen: Mit Dispokrediten zwölf bis 13 Prozent kommst du eher mehr in Schwierigkeiten.
MK: Gerade bei den Dispozinsen bleibt es da nicht stehen. Was wir auch ganz oft sehen, sind Menschen, die wenig Geld haben und trotzdem auch gerne etwas für ihre Altersvorsorge machen wollen. Ein bisschen sparen wollen, die dann aber teilweise bei den gleichen Banken Sparverträge haben und aus ihrem Dispokredit sparen. Das ist natürlich unterm Strich ganz schlecht, weil natürlich ganz viel Zinsen verloren gehen. Da sagen die Banken aber auch nicht Bescheid, dass es sinnlos ist. Dafür gibt es uns dann halt, dass wir sagen: Solange ihr einen Kredit laufen habt, sollt ihr nicht gleichzeitig sparen. Ihr sollt das Geld, was ihr in einem Sparvertrag macht, lieber dafür nutzen, den Kredit zurückzuzahlen. Was wir auch sehen, ist, dass Menschen Ratenkredite aufnehmen, also auch Konsumenten-Ratenkredite, dass die Raten für die Ratenkredite teilweise auch aus dem Dispo bezahlt werden und teilweise auch aus einer Überschreitung des Dispo. Dann sind die Zinsen noch höher als die Dispozinsen. Dann spricht man von sogenannten Überschreitungszinsen. Das heißt also, aus einem Kredit wird die Rate für einen anderen Kredit finanziert, teilweise auch bei derselben Bank. Auch da finden wir, dass das mit verantwortlicher Kreditvergabe relativ wenig zu tun hat.
KW: Da kann man nur auf die Verliererstraße kommen. Es ist gut, dass Sie das ansprechen, dass die Menschen auch durch diesen Podcast hier noch mal davor geschützt werden. Macht so was nicht. Man muss auch den Banken und Sparkassen sagen, seriöse Beratung sieht anders aus.
MK: Genau letzteres: Wir wollen den Leuten nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Wir wollen ihnen aber helfen, möglichst gute und informierte Entscheidungen für ihren Konsum zu treffen und dazu gehören auch die Finanzdienstleistungen. Gerade für Menschen, die wenig Einkommen haben, sind Kredite eigentlich ein gutes Mittel, um temporäre Engpässe zu überbrücken. Wir leben in einer Geldgesellschaft und in einer Kreditgesellschaft. Kredite per se sind nichts Schlechtes, sondern können sogar helfen, Haushalte voranzubringen. Menschen voranzubringen.
08:49 Energie sparen und klimafreundlich heizen: Beratung mit den Hamburger Energielotsen
KW: Nur Dispokredite sind eben einfach so teuer, dass das für den Normalverbraucher eigentlich aus unserer Sicht keine Lösung ist.
Wir haben in der Zeitung gelesen, die Fernwärme wird 30 Prozent teurer. Die Investitionskosten, die heute angegeben werden, werden auf die Verbraucher umgelegt. Jetzt mal unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet. Wir finden das nicht in Ordnung, das muss der Senat übernehmen. Jetzt kommt aber jemand zu ihnen und sagt: Ich steige aus der Fernwärme aus, ich will eine Wärmepumpe kaufen und habe aber nicht genug Geld. Wie raten Sie diesen Menschen?
MK: Das kommt eigentlich nicht so häufig vor, dass Menschen zu uns kommen, die eine Wärmepumpe einbauen wollen, die Probleme haben, das zu finanzieren. Wir haben viele Anfragen zu Wärmepumpen, gerade in der Energieeinsparberatung. Wir machen auch so einen Wärmepumpen-Angebotsvergleichscheck. Da gucken wir uns natürlich auch die Preise an, also das machen wir schon von der Preisseite, aber vor allen Dingen auch von der Qualitätsseite der Angebote. Da versuchen wir zu helfen, dass wenn also die Entscheidung getroffen ist, dass dann zumindest auch ein guter Vertrag abgeschlossen wird.
KW: Energieeinsparung ist ein wichtiges Thema. Wenn da jetzt jemand zu Ihnen kommt. Wohin geht eine solche Beratung? Kommt jemand sagt: Ich möchte gerne weniger Energieverbrauch haben, vor allen Dingen weniger Geld bezahlen für Heizung, für Strom. Gibt es da Tipps?
MK: Ja, wir haben viele Angebote im Schwerpunkt für Menschen, die Eigenheimbesitzer sind. Für die haben wir ganz verschiedene Formate. Wir gehen zu den Leuten kostenfrei nach Hause. Das ist ein Projekt oder eine Beratung, die wir seit Jahrzehnten auch schon anbieten und die wir seit einiger Zeit in Hamburg unter dem Dach der Hamburger Energielotsen machen. Das ist eine Kooperation mit anderen Partnern zusammen. Wir machen dabei die Beratung von Privathaushalten.
KW: Wie muss man sich das vorstellen? Da kommt jemand von Ihnen und guckt sich die Räumlichkeiten, zum Beispiel die Fenster an.
MK: Ja, ganz genau. Es gibt verschiedene Themen und es ist alles auch nicht gerade profan. Deswegen kann es eventuell auch mal mehrere Beratungen geben. Es geht zum Beispiel um die Gebäudehülle. Das ist auch ein politisches Ziel. Wir haben eine viel zu geringe Sanierungsquote in Hamburg, die liegt bei unter einem Prozent. Die müsste eigentlich bei unter zwei Prozent sein, damit wir überhaupt mit den Klimazielen vorankommen, sodass wir uns zum Beispiel die Gebäudehülle angucken. Das sind Ingenieure, die sich dann tatsächlich das Gebäude angucken. Es geht aber auch sehr viel, und das sprachen Sie schon an mit der Wärmepumpe, um die Heiztechnik. Da geht es zum einen um die schon genannte Wärmepumpe, da geht es zum anderen aber auch um Fotovoltaik auf dem Dach.
KW: Da gibt es viele Unsicherheiten. Man möchte das gerne, dann holt man sich vielleicht auch noch ein paar Angebote ein. Gibt es da eine Förderung vom Staat?
MK: Da bin ich kein Experte. Und mal ganz allgemein, wie man den Weg zu uns findet und überhaupt mal rauskriegt, was für Themen wir beraten. Wir haben eine Internetseite, wo wir ganz zentral praktisch einen Bereich haben, wo man aussuchen kann, zu welchem Thema man Beratungsbedarf hat. Es ist ziemlich leicht, sich da zurechtzufinden. Da wird am Ende des Tages dann angezeigt: Haben wir eine persönliche Beratung, sollen die Leute irgendwo anrufen? Kommen wir zu den Leuten nach Hause oder, oder oder oder. Durch die Kooperation zum Beispiel im Rahmen der Hamburger Energielotsen sind jetzt alle unsere Energieeinsparberatungen kostenlos.
KW: Das ist doch toll.
MK: Hamburg übernimmt da sozusagen die Eigenanteile, die ansonsten gezahlt werden müssten. Das ist ganz toll, dass es das gibt.
KW: Das ist auch ein soziales Vorgehen des Senats. Das muss man einfach mal betonen.
MK: Ja, Sie haben recht. Wir haben auch eine Energielotsen Hotline. Das ist eine Telefonnummer. Hamburger Nummer 040 / 248 32 250 für Privatpersonen. Dort können die Leute erst mal im ersten Schritt anrufen und sagen, das ist das Problem. Wie könnt ihr mir da weiterhelfen? Da sitzen schon an der Hotline qualifizierte Energieberatungskräfte von uns. Das heißt, das könnte sogar auch, und das passiert auch teilweise, längere Beratungen bereits ad hoc am Telefon stattfinden, was ich ganz toll finde. Wenn es aber darum geht, da müssten wir uns schon das Haus noch mal angucken oder wir bräuchten Unterlagen oder so, dann wird vereinbart entweder, dass die Menschen zu uns in die Kirchenallee 22 kommen, am Hauptbahnhof und da vor Ort bei uns beraten werden mit ihren Unterlagen. Über die Hotline könnten dann auch andere Beratungen vergeben und vereinbart werden, dass Menschen nach Hause kommen.
14:15 Lebensmittelpreise, Mogelpackungen und Ernährungsarmut: Wie man trotz steigender Kosten gut einkauft
KW: Was viele Menschen auch berührt, vor allen Dingen die, die nicht so viel Geld haben, ist die Frage der Lebensmittel. Da gibt es Steigerungsraten, die man gar nicht so wahrnimmt. Es wird immer gesagt, die Preise steigen um 2,2 Prozent. Das ist nicht die Wahrheit. Wenn man sich zum Beispiel Kaffee ansieht, ist eine ganz hohe Preissteigerung und die Menschen müssen mit wenig Geld über die Runden kommen.Was raten Sie da?
MK: In dem Bereich sind wir vor allen Dingen aufklärerisch tätig, sage ich mal, weil der Markt so verdorben ist, dass praktisch Preissteigerungen gar nicht mehr öffentlich gemacht werden. Das heißt, wenn Sie sich den Markt angucken, dann sehen Sie so gut wie nie Preissteigerungen. Das ist natürlich nicht die Wahrheit, aber es wird einfach nicht kundgetan. Es läuft so, dass es die sogenannten Mogelpackungen gibt, so wie wir das nennen.
KW: Diese versteckten Preiserhöhungen, die man gar nicht so mitbekommt. Können Sie da ein Beispiel nennen?
MK: Es gibt einmal im Jahr eine Umfrage auch zu Mogelpackungen des Jahres. Wir haben uns in Hamburg auch so ein bisschen den Ruf als Verbraucherzentrale erarbeitet, die sich ganz besonders um dieses Problem kümmern. Gucken Sie sich das an: Wir haben da im Internet sehr viele Beispiele. Bei den Mogelpackungen ging es lange Zeit vor allen Dingen um den Preis, also Verpackungen und Inhalte, um schrumpfende Verpackungen teilweise nicht. Das ist dann auch noch ein Umweltproblem, weil immer mehr Plastikmüll fabriziert wird. Da ist in einer gleich großen Packung weniger drin. Man sieht es von außen nicht und der Preis bleibt gleich. Das heißt aber, der Preis pro 100 Gramm steigt und die Leute gucken aber seltener auf diesen Preis pro 100 Gramm, sondern sie gucken eher auf den Endpreis.
KW: Wie sollte man da vorgehen als Verbraucher? Ich geh jetzt in einen Supermarkt und will jetzt versuchen, günstig einzukaufen. Worauf achte ich?
MK: Erstmal gibt es die Grundannahme. Wollen Sie hoch verarbeitete Lebensmittel kaufen, die aus verschiedenen anderen Sachen zusammengesetzt sind, oder wollen Sie selbst Grundnahrungsmittel kaufen?
KW: Selbst dann gibt es noch das Thema Bio. Ist Bio denn wirklich so sehr viel teurer als die anderen Lebensmittel, die ganz konventionell angebaut werden.
MK: Im Bereich der Lebensmittel Einkäufe, auch gerade was Gemüse Obst betrifft, da sagen wir einfach immer saisonal und regional. Das ist noch nicht bio, aber wenn Sie saisonal und regional beachten, dann finden Sie auch auf Wochenmärkten zum Beispiel günstige Angebote, selbst auch günstige Bioangebote.
KW: Es geht um gesunde Ernährung und das ist für Menschen, die wenig Geld haben, natürlich ein Thema, vor allen Dingen für die Kinder. Möchte gerne, dass sie gesund aufwachsen und gut in der Schule mitkommen. Da ist ihr Tipp, guck auf regionale Produkte, also keinen Spargel im Winter einkaufen.
MK: Oder Erdbeeren im Winter. Die sind natürlich viel teurer, ist klar. Es gibt viele regionale und saisonale Alternativen. Ich meine, gerade jetzt im September. Zu anderen Jahreszeiten ist es dann vielleicht ein bisschen schwieriger. Wir haben auch ein Projekt, wo wir viel informieren. Da geht es um Ernährungsarmut, tatsächlich auch, wo wir viel unterwegs sind und auch entsprechende Vorträge halten und Informationen rausgeben, was man machen kann, sich gut und gesund und auch nachhaltig zu ernähren und einzukaufen und trotzdem nicht so viel Geld ausgeben zu müssen.
SR: Die Pizza, die ein Kind zum Mittag bekommt. Ist die tatsächlich so viel günstiger?
MK: Es ist überhaupt nicht günstiger. Es ist vielleicht ein bisschen einfacher und das wissen Sie wahrscheinlich auch aus Ihrer Arbeit, dass gerade die Menschen mit wenig Geld in sehr komplizierten und auch vollen Alltag haben sehr häufig auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanzen müssen, vielleicht mehrere Jobs haben, gleichzeitig noch kleine Kinder zu Hause, vielleicht auch noch in einer Trennungssituation leben. Oder aber auch die Älteren. Da ist das Umfeld vielleicht ein bisschen anders. Die sind vielleicht auch besonders, das kann ich schlecht sagen. Es gibt auch Werbung, die uns auch als Verbraucherschützer ein Dorn im Auge ist, die sich auch gerade an Kinder und Jugendliche wendet und wo dann auch so ein gefühltes Bedürfnis besteht, das dann auch haben zu wollen. Auch gerade diese hoch verarbeiteten Lebensmittel. Was ich noch sagen wollte, ist noch mal zurück zu den Mogelpackungen. Was wir in den letzten Jahren neben diesen versteckten Preiserhöhungen auch sehen, sind versteckte Qualitätseinbußen. Das heißt also, in diesen hoch verarbeiteten Lebensmitteln Süßigkeiten, Fastfood, was auch immer sind auch sehr günstige Grundstoffe mit drin, wie zum Beispiel Zucker, der nichts kostet oder bestimmte Fette, die günstiger, aber schlechter sind als andere Fette.
KW: Zucker ist doch gefährlich eigentlich. Muss man da nicht auch Aufklärung?
MK: Ganz genau. Das machen wir auch zum Beispiel in solchen Projekten wie diesem Projekt zur Ernährungsarmut und versuchen das natürlich auch über Social Media und viele andere Kanäle zu machen.
19:46 Quartiersberatung der Verbraucherzentrale: Vor Ort für die Menschen in Hamburg
KW: Was wir ganz toll finden, ist, dass sie in die Quartiere gehen. Sie beraten vor Ort, vielleicht können Sie noch mal sagen, wie das geschieht. Sind Sie da den ganzen Tag oder in einer bestimmten Zeit? Muss man sich da vorher erkundigen: Wann sind Öffnungszeiten, wann sind Gesprächszeiten, wie läuft das?
MK: Das wäre schön, wenn wir den ganzen Tag, jeden Tag, in allen Quartieren mit Entwicklungspotenzial sein könnten. Ganz so ist es leider nicht. Wir sind immerhin in Harburg, Billstedt, Bergedorf, Lurup, und Osdorfer Born. Da kommen wir dann immer unter, zum Beispiel im Haus für alle, aber auch in anderen Einrichtungen, wo dann verschiedene Initiativen und Organisationen beratend tätig sind. Das ist oft auch sehr schön, weil man dann auch bei Menschen mit Sprachschwierigkeit nebenan jemanden sitzen hat, der vielleicht helfen kann. Da haben wir in allen Quartieren zumindest einmal pro Woche eine kostenlose Sprechstunde, die sehr gut besucht ist. Das habe ich auch in den letzten Jahren beobachtet, dass es immer mehr Leute geworden sind, weil sich das immer mehr rumgesprochen hat. Die ganzen Quartiersberatungen sind kostenlos, Anders als die Beratung in der Zentrale an der Kirchenallee. Das sind Generalisten, die da sitzen, die aber auch geschult sind im Umgang mit den Leuten vor Ort.
KW: Warum können sie nicht mehr Quartiersberatung machen? Wir haben doch eine ganze Menge Quartiere, in denen Menschen wohnen, denen es nicht so gut geht. Da würde das doch helfen.
MK: Ja, da sind wir dran. Es ist schon stetig immer mehr geworden mit den Quartieren. Bergedorf ist das Neueste zum Beispiel. Wir versuchen natürlich, wo wir momentan noch so ein bisschen einen blinden Fleck haben, ist im Hamburger Norden zum Beispiel Steilshoop oder so, könnte man überlegen, dass es sich auch anbieten würde. Es gibt viele Quartiere, denke ich, die sich freuen würden, wenn wir noch kommen würden. Wir haben auch entsprechende Anfragen.
KW: Fehlt's an Geld? Wer muss denn das Geld rausgeben?
MK: Das würde über die Justiz- und Verbraucherschutzbehörde laufen und wird auch über die jetzt schon finanziert. Es ist eine gute Sache und wir arbeiten stetig daran, dass wir da auch noch mehr machen können.
21:56 Verbraucherrechte: Telekommunikationsfallen und rechtlicher Schutz
SR: Sie sagten jetzt gerade schon, dass der Zulauf stark zugenommen hat in den letzten Jahren, also dass die Leute wissen, bei Ihnen bekommen Sie Antworten auf Ihre Fragen. Was ist denn so das Thema? Bei denen ist es so, wie wir vorhin schon drüber gesprochen haben, hauptsächlich Finanzen, Schulden oder was treibt die Menschen in den Quartieren hier in Hamburg um?
MK: Das ist eigentlich in den Quartieren ähnlich wie die Menschen, die zu uns in die Zentrale kommen. Ganz großes Thema: Telekommunikationsverträge. Da haben wir auch übrigens ganz viele Ältere, die einfach in die Telefonshops gehen mit ihrem Mobiltelefon und Probleme haben, technisch oder ein neues Telefon haben und Hilfestellung haben wollen, wie ihre Daten auf das neue Telefon kommen. Dann müssen wir da in der Branche tatsächlich leider sagen, dass auch sehr viel mit untergeschobenen und betrügerischen Verträgen gearbeitet wird. Das muss man leider so feststellen.
KW: Da muss man trotzdem aufpassen. Auf jeden Fall. Wichtig ist, dass wir das jetzt sagen.
MK: Auf jeden Fall. Das sind Vertriebssysteme sozusagen. Das sind also eigentlich eigenständige Unternehmungen, die diese Shops betreiben und die arbeiten auf Provisionsbasis, das heißt, die kriegen nur dann Geld, wenn sie Verträge vermitteln.
KW: Man muss eigentlich sagen, die sind an den Verbrauchern nicht so interessiert, sondern mehr daran, Verträge abzuschließen, weil sie daran Geld verdienen.
MK: Ja, es ist einfach ein fehlgeleitetes Anreizsystem. Das könnte sicherlich auch besser gemacht werden. Es müsste auch besser gemacht werden, damit nachhaltige Kundenbeziehung sich auch für sie lohnt und die Einzelverträge nicht mehr so wichtig sind. Für sie ist das aber leider nicht so. Wir haben eine Rentnerin gehabt, die mit einem technischen Problem reingegangen ist und mit drei neuen Telekommunikationsverträgen wieder rausgekommen ist. Die braucht das natürlich nicht. Da würden wir uns natürlich auch wünschen, dass es Gesetze gibt, die die Beweislast auch noch mal umkehren.
KW: Sie können doch auch klagen, als Verbraucherzentrale ist das in solchen Fällen möglich, oder in welchen Fällen machen Sie es?
MK: Wir versuchen natürlich, rechtlich zu helfen, auch individuell rechtlich zu helfen. Das dürfen wir auch als Verbraucherzentrale. Dann versuchen wir natürlich viel, auch wenn wir sehen, das ist ein strukturelles Problem. Das ist zum Beispiel eine Vertragsklausel, die so nicht geht. Dann haben wir die Möglichkeit, als sogenannte qualifizierte Einrichtung im Interesse aller Verbraucher zu klagen. Wenn wir dann zum Beispiel Recht bekommen, dass ein Anbieter im Kleingedruckten eine verbraucherschutzwidrige Klausel benutzt hat zur Preisanpassung zum Beispiel in der Fernwärme oder andere Verträge wie Telekommunikationsverträge, dann klagen wir dagegen. Wenn wir damit durchkommen, dann wird diesem Anbieter die Verwendung solcher verbraucherschutzwidriger Klauseln verboten.
SR: Sie sind ja ein Verein, wenn ich das richtig sehe. Man muss bei Ihnen auch Mitglied werden, so wie bei uns beim Sozialverband und kann dann das nutzen. Oder wie funktioniert das bei Ihnen?
MK: Nein, das ist bei uns ein bisschen anders. Wir sind kein klassischer Mitgliederverein, so wie Sie, sondern wir sind ein Verbändeverein. Das heißt also, unter anderem auch der SoVD, ist bei uns Mitglied. Wichtige Hamburger Verbände, die auch mit Verbraucherschutz Berührung haben, sind bei uns Mitglied.
KW: Unser Grund ist natürlich, wir wollen das auch unterstützen.
MK: Klar, auf jeden Fall. Und Umgekehrt auch. Wir kooperieren auch an der einen oder anderen Stelle. Wir sind praktisch für alle Hamburger und darüber hinaus da und jeder kann sich an uns wenden und wir finanzieren uns durch staatliche Gelder, durch Zuwendungen, aber auch durch Projekte. Wir sind auch angewiesen auf Eigeneinnahmen. Wir gucken natürlich, dass wir vor allen Dingen da Eigeneinnahmen erzielen, wo wir glauben, dass die Leute auch was bezahlen können. Wenn jemand zum Beispiel eine Baufinanzierungsberatung bei uns macht, dann muss er das nicht kostenlos bekommen, sondern das kostet dann Geld. Andere Sachen sind dann total kostenlos, wie zum Beispiel die gesamte Quartiersberatung, aber auch worüber wir vorhin sprachen, die Energieeinsparberatung. Bei einigen Sachen haben wir Sozialtarife. Telekommunikationsberatung kostet bei uns normalerweise 25 Euro. Im Sozialtarif für Menschen mit wenig Geld elf Euro. Das ist immer noch viel, aber wir sind darauf angewiesen.
SR: Herr Knoblauch, vielen Dank, dass Sie da waren. Wir haben heute sehr interessante Informationen bekommen. Viele Dinge, an denen wir so vorbeirauschen, die wir im Alltag aber gar nicht wahrnehmen, aber doch mal drauf gucken könnten und sollten. Ein bisschen mehr Skepsis an der einen oder anderen Stelle schadet auf jeden Fall nicht. Ich finde es auch sehr wichtig, nochmal zu sagen, dass jeder zu ihnen kommen kann, erst mal den Rat sucht und erst mal bei ihnen aufgenommen wird und dann auch eine Beratung bekommt, je nachdem. Vielen Dank, dass Sie da waren und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.
KW: Herzlichen Dank für das sehr informative und interessante Gespräch. Dankeschön und alles Gute!
MK: Danke, dass ich hier sein konnte.
SR: Das war “Sozial? Geht immer!” – Der Podcast des SoVD Hamburg. Abonnieren Sie uns auf den gängigen Plattformen und wenn es Ihnen gefallen hat, geben Sie uns dort gerne eine gute Bewertung ab. Oder Sie schicken uns Ihr Feedback an info@sovd-hh.de. Wir freuen uns, wenn Sie auch das nächste Mal wieder reinhören. Bis dahin halten wir Sie auf unseren Social Media Kanälen auf dem Laufenden oder besuchen Sie unsere Webseite sovd-hh.de.











