Der SoVD Hamburg stellte drei Fragen an Karen Risse, Geschäftsführerin einfal – Ideen für Hamburg.
Frau Risse, Sie sehen die öffentlich geförderte Beschäftigung in Hamburg durch drohende Mittelkürzungen, zu geringe Verwaltungskostenbudgets und späte Mittelzuteilungen in Gefahr. Deshalb haben Sie im Juli über das Hamburger Bündnis für öffentlich geförderte Beschäftigung erneut einen dringenden Appell an die Politik gerichtet. Was ist seitdem passiert?
Zwar sind die Mittel für 2025 beschlossen, aber zu spät im Jahr. Deswegen werden kurzfristige Maßnahmen wie Aktivierungs- und Bewerbungstrainings priorisiert. Und das Geld wird weiter in die Verwaltung verschoben. Arbeitslose mit hohem Förderbedarf fallen zurück. Noch schlimmer in 2026: Das Jobcenter plant, die sozialpädagogische Unterstützung in den Arbeitsgelegenheiten (AGH) zu kürzen. Das wäre ein Rückschritt für Integration und Teilhabe.
Bewilligte Gelder kommen nicht bei den besonders benachteiligten Zielgruppen an. Der Fehler scheint im System zu liegen. Was muss sich ändern?
Es braucht eine Zweckbindung der Fördermittel. Wenn das Geld in Verwaltung statt in die Förderung von Menschen fließt, verlieren gerade die mit den größten Hürden jede Chance. Steuergelder gehören nicht in Aktenberge. Wir müssen Arbeit finanzieren, nicht Arbeitslosigkeit. Nur so ist echte Integration möglich.
Welche Folgen hat es für Betroffene und für die Gesellschaft, wenn Menschen keinen geförderten Arbeitsplatz bekommen, weil Arbeitsgelegenheiten abgebaut werden?
Weniger AGHs heißt: Menschen mit Hilfebedarf werden ausgebremst, warten jahrelang, verlieren Perspektive, werden krank. Statt Unterstützung erleben sie Ausgrenzung und Stigmatisierung. Das gefährdet sozialen Zusammenhalt und kostet uns viel mehr als die Maßnahmen. Wer gefördert wird, wächst. Die Menschen in unseren Projekten arbeiten aber nicht nur an sich selbst, sondern sie geben der Gesellschaft etwas zurück. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die soziale Infrastruktur. Für jede:n lohnt es sich zu kämpfen – wir brauchen alle.
