„Die aktuellen Zahlen, die das Statistikamt Nord am Dienstag zur stationären Pflege in Hamburg herausgegeben hat, zeigen einmal mehr, welch wertvolle Betreuungsarbeit die Angehörigen Tag für Tag in der Hansestadt leisten“, ist Dr. Sally Peters, Vorständin des SoVD Hamburg überzeugt. Trotzdem müsse die Stadt vorausschauend für die kommenden Jahrzehnte planen: „Hamburg darf sich nicht darauf verlassen, dass Angehörige diese Aufgabe auch in Zukunft in diesem Umfang übernehmen können. Darauf muss die Stadt schon heute reagieren.“
Die Pflege eines alten Menschen ist nach wie vor Familiensache. Rund drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen in Hamburg wurden Ende 2025 zu Hause versorgt: „Für die Angehörigen bedeutet das eine enorme Verantwortung und geht oft mit beruflichen Einschränkungen einher. Umso wichtiger ist, dass der neue Gesundheitsminister Linnemann diese Care-Arbeit zu schätzen weiß und Kürzungen bei Rentenansprüchen verhindern will“, sagt Peters.
Gleichzeitig wäre es aus ihrer Sicht fahrlässig, davon auszugehen, dass häusliche Pflege in diesem hohen Maße selbstverständlich bleibt: „Diese Sorgearbeit muss noch besser wertgeschätzt werden. Schon heute ist die Belastung für viele pflegende Angehörige enorm. Hamburg muss deshalb ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote vorausschauend ausbauen.“
Der Vorstoß des Gesundheitsministers sei ein gutes Signal: „Wer Angehörige pflegt, darf dadurch nicht auch noch finanzielle Nachteile im Alter haben. Deshalb ist der Vorstoß des Gesundheitsministers ein wichtiges Signal. Gleichzeitig werden stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste in den kommenden Jahrzehnten deutlich mehr Menschen versorgen. Darauf muss sich Hamburg vorbereiten.“
Sally Peters appelliert, jetzt Weichen zu stellen: „Pflegeplätze und Fachkräfte entstehen nicht von heute auf morgen. Wenn Hamburg erst reagiert, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in großer Zahl pflegebedürftig werden, ist es zu spät. Deshalb braucht die Stadt schon heute eine langfristige Pflegeplanung, die ambulante Angebote, Tages- und Kurzzeitpflege sowie stationäre Kapazitäten gemeinsam in den Blick nimmt.“ Pflege sei ein Zukunftsthema: „Es wird die kommenden Jahrzehnte prägen, denn mit dem Altwerden der Boomer-Generation werden deutlich mehr Menschen Unterstützung und Betreuung brauchen.“
