Die geplanten Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende stoßen auch in Hamburg auf Widerstand:
„Statt mehr Geld von säumigen Elternteilen zurückzuholen, wird in Hamburg jede vierte Familie künftig weniger Mittel zur Verfügung haben. Das trifft diejenigen, die sowieso schon benachteiligt sind: beruflich, finanziell und bei der Bewältigung der Erziehungsarbeit.“
Dr. Sally Peters, Vorstandssprecherin Sozialverband SoVD Hamburg
Rund 27.000 Kinder und Jugendliche wachsen zumeist mit der Mutter auf, ohne dass sich der andere Elternteil finanziell daran beteiligt. Für Alleinerziehende ist das eine belastende Situation: „Kinder allein großzuziehen und das alles ohne dass der andere Elternteil sich daran beteiligt, ist schon hart. Es bedeutet oft, dass man eher in Teilzeit arbeiten muss, ein kleines Einkommen hat und ohne den staatlichen Unterhaltsvorschuss nicht über die Runden kommt. Die geplante Kürzung der Bezugsdauer bis zum 16. Lebensjahr ist für die Eltern faktisch eine Einkommenskürzung – wie soll das angesichts der hohen Preisen für Miete, Lebensmittel und Energie gehen?“, fragt Peters.
Statt bei den Betroffenen den Rotstift anzulegen, sollten zahlungsunwillige Elternteile deutlich stärker zur Verantwortung gezogen werden. „Die Stadt holt Aussagen von Finanzsenator Dressel zufolge derzeit gerade einmal 11 Prozent der ausgezahlten Leistungen von säumigen Elternteilen zurück. Hier muss viel konsequenter angesetzt werden. Es ist gut, dass es eben kein Kavaliersdelikt ist, sich der finanziellen Verantwortung für die eigenen Kinder zu entziehen. Der Nachwuchs kann nichts dafür, wenn Erzeuger sich nicht verantwortlich fühlen. Frau Prien bestraft mit ihrer Reform nicht die Verursacher, sondern diejenigen, die mit den Folgen leben und aufwachsen müssen!“
Laut Statistikamt Nord gibt es in der Hansestadt rund 50.000 alleinerziehende Haushalte, in denen rund 73.000 minderjährige Kinder leben. Der Frauenanteil liegt bei knapp 90 Prozent.
