Der Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg e.V. kritisiert die von der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) gestern einstimmig beschlossene Schließung der KVH-eigenen Kinderarztpraxis in Hamburg-Rahlstedt scharf. Die Praxis war Anfang 2024 von der KVH eingerichtet worden, um die angespannte kinderärztliche Versorgung im Hamburger Osten zu entlasten.
„Die KVH hat einen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag für die ambulante Versorgung. Gerade bei Kindern und Jugendlichen muss dieser Auftrag verlässlich erfüllt werden – unabhängig davon, ob sich ein Standort wirtschaftlich rechnet oder nicht“, fordert Klaus Wicher, Landesvorsitzender SoVD Hamburg. „Es ist das falsche Signal, aus finanziellen Gründen ein Angebot zurückzuziehen, das viele Familien dringend brauchen.“
Aus Sicht des Hamburger SoVD zeigt die Entwicklung ein grundsätzliches Problem im Gesundheitssystem: Gerade in sozial benachteiligten Stadtteilen stoßen rein wirtschaftlich orientierte Strukturen an ihre Grenzen. Wo viele Familien von Armut betroffen sind, weniger Privatversicherte leben und Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten, verschlechtert sich häufig auch die medizinische Versorgung.
„Wir sehen die Politik in der Verantwortung, endlich die Rahmenbedingungen für eine gerechte und solidarische Finanzierung der Gesundheitsversorgung zu schaffen“, mahnt Wicher. Langfristig kann aus Sicht des SoVD Hamburg die wohnortnahe Versorgung insbesondere in einkommensschwächeren Stadtteilen nur durch eine solidarische Bürgerversicherung gesichert werden, in die alle Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit einzahlen. „Gesundheitsversorgung ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht vom Einkommen oder Wohnort abhängen“, so Wicher weiter. „Kinder brauchen kurze Wege, erreichbare Praxen und verlässliche medizinische Betreuung. Eine solidarische Bürgerversicherung würde dazu beitragen, die Finanzierung gerechter zu verteilen und die Versorgung in sozial benachteiligten Stadtteilen dauerhaft zu stabilisieren.“
Der SoVD Hamburg fordert die KV Hamburg auf, das Vorhaben entsprechend ihres Sicherstellungsauftrages zurückzunehmen und gemeinsam mit dem Senat tragfähige, dauerhafte Lösungen für die kinderärztliche Versorgung im Hamburger Osten zu entwickeln. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes finanzielle Anreize für Praxen in sozial benachteiligten Quartieren sowie der Ausbau niedrigschwelliger Versorgungsangebote für Familien und eine gerechtere Verteilung von Arztsitzen über das Stadtgebiet.
