Heute, am 28. Mai, findet auch in Hamburg erneut der sogenannte „DUOday“ statt. Unternehmen öffnen dabei ihre Türen für Menschen mit Behinderungen und ermöglichen Einblicke in den Arbeitsalltag. Der Sozialverband SoVD Hamburg begrüßt diese Initiative, sieht aber gleichzeitig Nachholbedarf bei der beruflichen Inklusion in der Hansestadt.
„Echte Teilhabe beginnt auf dem Arbeitsmarkt. Wer arbeiten möchte, muss auch die Chance bekommen, sein Können unter Beweis zu stellen“, sagt Klaus Wicher, Landesvorsitzender. „Viele Unternehmen zahlen lieber die Ausgleichsabgabe, statt Arbeitsplätze inklusiv zu gestalten.“ Vor allem in Zeiten höherer Arbeitslosigkeit hätten Menschen mit Behinderungen deutlich schlechtere Chancen auf Ausbildung und Beschäftigung als Menschen ohne Einschränkungen.
In vielen Betrieben herrscht nach wie vor große Unsicherheit beim Thema Inklusion. Viele Arbeitgeber:innen haben Sorge vor zusätzlichem Aufwand, bürokratischen Hürden oder hohen Kosten. „Hier sind auch Handels- und Handwerkskammer sowie Unternehmensverbände gefragt, um Vorbehalte abzubauen, über konkrete Unterstützungsmöglichkeiten aufzuklären und Inklusion im Arbeitsmarkt stärker in der betrieblichen Praxis zu verankern“ fordert Wicher.
Es existieren zahlreiche Hilfs- und Förderangebote, die Unternehmen entlasten. Integrationsamt, Arbeitsagentur und spezialisierte Fachdienste unterstützen Betriebe beispielsweise bei der Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze oder durch finanzielle Zuschüsse. Zudem können so genannte Jobcoaches Beschäftigte und Unternehmen langfristig begleiten und dabei helfen, Arbeitsverhältnisse stabil aufzubauen. „Praktika, begleitete Einstiegsmodelle oder geförderte Beschäftigung, zum Beispiel über die Hamburger Arbeitsassistenz, können helfen, Berührungsängste abzubauen und positive Erfahrungen zu sammeln“, weiß Wicher.
Nach Auffassung des SoVD Hamburg liegt das Problem deshalb häufig weniger bei fehlenden Möglichkeiten als vielmehr bei fehlender Offenheit. „Es braucht mehr Mut, Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben. Wer einmal erlebt hat, wie engagiert und motiviert viele Beschäftigte arbeiten, erkennt schnell, welches Potenzial hier verschenkt wird“, sagt Wicher.
Aus Sicht des SoVD Hamburg sind verbindliche politische Rahmenbedingungen, bessere Beratung für Unternehmen und stärkere Förderung inklusiver Betriebe notwendig. Gleichzeitig muss sich auch die Haltung in der Arbeitswelt verändern. „Inklusion ist kein soziales Extra, sondern ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft und für die Unternehmen selbst“, betont Wicher. „Hamburg braucht mehr Arbeitgeber:innen, welche die Chancen sehen und bereit sind, Verantwortung für echte Teilhabe zu übernehmen.“
