Die neuste vom Sozialverband SoVD initiierte Chivey Umfrage, sollte die Stadt Hamburg sehr ernst nehmen, meint Klaus Wicher; „Das Vertrauen in professionelle Pflege fehlt, das liegt nicht an den Mitarbeitenden, sondern an den Bedingungen und einem anhaltend großen Fachkräftemangel. Der Bedarf wird noch steigen, weil die Boomer in Rente gehen. Darum: Hamburg muss im Bund auf die Pflegevollversicherung bestehen. Und in städtischen Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen.“
Schon jetzt sind in Hamburg rund 90.000 Menschen auf Pflege angewiesen. Etwa 80 Prozent werden zuhause von Angehörigen, Nachbarn oder Freund:innen betreut, meist unterstützt durch ambulante Pflegedienste. Nur etwa 20 Prozent der Hamburger:innen werden stationär gepflegt. Denn der Platz in einem Heim ist teuer. In Hamburg kostet er rund 3100 Euro im Monat. Das größte Problem dort ist der Fachkräftemangel, der dazu führt, dass das Personal es nicht schaffen kann, allen Pflegeansprüchen gerecht zu werden. Das hat Folgen für die Branche, so Wicher: „Pflege bedeutet, Vertrauen in die Kompetenzen anderer zu haben. Wer sich für den Beruf entscheidet, tut dies aus Überzeugung. Wer aber ständig für erkrankte Kolleg:innen einspringen muss, im Schichtdienst arbeitet und zu wenig Zeit für die Betroffenen hat, wird ganz sicher irgendwann abspringen.“
Die Stadt habe es in der Hand, Pflege einen besseren Ruf zu verleihen: „Auch vor dem Hintergrund, dass zwischen 2025 und 2040 die Generation der Boomer in Rente gehen wird, muss sich Hamburg in Berlin vehement für die Pflegevollversicherung einsetzen. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf!“ Ohne eine Pflegevollversicherung werde das Problem nur vertagt, aber nicht gelöst. Es fehle zudem nach wie vor an Anerkennung und einer Bezahlung, die angemessen ist: „Hamburg hat verstanden, dass Pflege eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist und darum das Unternehmen Pflegen und Wohnen zurückgekauft. Damit verhindert die Stadt, dass Pflege von kommerziellen Unternehmen missbraucht und allein die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht. Dennoch sind die Kosten zu hoch. Die Stadt muss deshalb die Investitionskosten für den Pflegeplatz, immerhin sind das fast 600 Euro, übernehmen und besonders für hart Getroffene die einkommensabhängige Einzelfallförderung wiedereinführen.“
