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Woody Allen zum Jubiläum

Die Theaterfreunde „Chamäleon“ zeigten anlässlich des 100-jährigen Bestehens des SoVD die bitterböse Parabel „Tod“ im Luruper Stadtteilhaus

Woody Allen ist in seinen Filmen ja immer ein Garant für absurde Komik. Was viele gar nicht wissen, Woody Allen hat nicht nur unzählige Filme ins Kino gebracht, sondern auch viele Theaterstücke für die Bühne geschrieben. Eins davon, die Gesellschaftssatire „Tod“, zeigte die Theaterformation „Chamäleon“ am vergangenen Freitag im Luruper Stadtteilhaus. Rund 70 Zuschauer füllten den kleinen Theatersaal und beglückwünschten sich hinterher, dass sie sich auf dem Weg gemacht hatten, um sich die Vorstellung anzusehen. Denn die Akteure auf der Bühne waren nicht nur handwerklich überzeugend, sondern sorgten auch für viele Lacher.

Allerdings ist Woody Allen‘s Einakter nur auf den ersten Blick eine leichte Parabel. Dahinter versteckt sich Tiefgang der nachhallt. Die Persiflage auf das spießige Bürgertum, in dem jeder nur seine Ruhe haben will und wo man Recht und Gesetz selbst in die Hand nimmt, ist nämlich nur auf den ersten Blick lustig. So manches Mal will einem das Lachen dann doch im Halse stecken bleiben, wenn die Gutbürger, organisiert in der eigenen Bürgerwehr, Jagd auf einen verschwundenen Mörder machen. Jeder der nicht ins Schema passt, macht sich verdächtig und wird mit aller Brutalität verfolgt. Marie-Luise Rohland spielt die Hauptfigur Kleinman nicht nur, sie ist Kleinman. Sie zeichnet ihn als naiven Zauderer, als Mann, der zu lieb ist für diese Welt und deshalb lieber den Weg des geringsten Widerstands geht – doch der wird ihn ins Verderben führen. Die Katastrophe erahnt der Zuschauer schon früh und auch, dass am Ende der unschuldige Kleinman zum Opfer wird. Seine Gebrochenheit, seine Feigheit, fein durchsetzt mit Ironie und anarchischem Witz – alle Facetten ihrer Figur hat Rohland überzeugend im Griff.

Obwohl die freie Theatergruppe von „Chamäleon“ das Stück eigentlich schon zu den Akten gelegt hatten, holten sie für diesen Abend noch einmal ihre Kostüme heraus. Denn die Aufführung stand ganz im Zeichen des Sozialverbands Deutschland (SoVD), der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Grund genug für die Schauspieler, eine Benefizvorstellung zu geben. Der Eintritt war für die Zuschauer frei, wer wollte, konnte sich mit einer Spende bei der Theatergruppe bedanken. Das Publikum war durchaus spendabel, am Ende des Abends waren die aufgestellten Sparschweine dick und rund und gut gefüllt. 

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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