In Hamburg boomen die E-Roller: „Im vergangenen Jahr waren rund 19.000 Fahrzeuge unterwegs, inzwischen sind es rund 22.000, die von fünf Sharing-Unternehmen betrieben werden. Bisher herrscht die Praxis vor, genutzte Fahrzeuge irgendwo wild abzustellen, zum Leidwesen der Menschen, die auf den Fußwegen unterwegs sind. Die Stadt hatte digitale Abstellflächen versprochen, dieses Versprechen wurde bisher mehr als halbherzig eingelöst“, kritisiert Dr. Sally Peters, Vorständin Sozialverband SoVD in Hamburg. Sie fordert außerdem, die Anbieter:innen stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Da viele der Fahrer:innen von E-Rollern offenbar immer noch nicht das Bewusstsein dafür hätten, welche Hindernisse wild abgestellt Fahrzeuge für andere darstellten, müsse die Stadt an dieser Stelle stärker reglementieren: „Eine einfache Lösung sind digitale Abstellflächen. Die hatte die Stadt auch versprochen, allerdings sind seit März dieses Jahres gerade mal 370 Plätze an 100 Haltestellen entstanden. Das ist bei einem Bestand von 22.000 so gut wie nicht wahrnehmbar für die Menschen, die jeden Tag mit den Rollern konfrontiert sind. Hamburg braucht deutlich mehr Abstellmöglichkeiten - sowohl an den Haltestellen und in den Quartieren, wo viele die Roller für kurze Strecken nutzen!“
Sollte sich die Lage nicht schnell verbessern, könnte dies das Miteinander auf Hamburgs Straßen empfindlich beeinträchtigen, warnt Peters. „Vor allem auf den Fußwegen ist die Lage angespannt. Familien mit Kinderwagen müssen dort um herumliegende Roller herumkurven und zusehen, dass sie dabei nicht von Fahrradfahrer:innen bedrängt werden. Menschen, die mit Mobilitätseinschränkungen, seh- oder hörbehindert sind, laufen Gefahr, zu stürzen. Viele Senior:innen fühlen sich gerade jetzt in der dunkler werdenden Jahreszeit unsicherer und empfinden die Roller-Nutzer:innen als besonders rücksichtslos.“
Peters begrüßt ausdrücklich den Vorstoß von Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks, auf der derzeit tagenden Verkehrsministerkonferenz eine Überarbeitung der Verkehrsregeln für E-Roller und andere Elektrokleinstfahrzeuge anzustoßen, aber: „Dabei verkennt der Senator allerdings, dass auch die Stadt selbst mehr zu einer Entspannung auf der Straße beitragen könnte - indem sie konsequent die Abstellflächen ausbaut und ebenso konsequent die Anbieter:innen bei falsch abgestellten Fahrzeugen der Nutzer:innen haftbar macht.“ An sich seien E-Scooter eine gute Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs: „Dennoch, moderne Mobilität darf nicht auf Kosten derjenigen gehen, die ohnehin mit Barrieren im Alltag zu kämpfen haben.“
