Klaus Wicher, SoVD-Landesvorsitzender, kritisiert, dass es in der Hansestadt viel zu wenig barrierefreie und senior:innengerechte Wohnungen gibt: „Wir stehen vor einer großen Zahl von Menschen aus der Boomer Generation, die langsam aber sicher auf mehr Barrierefreiheit beim Wohnen angewiesen sind. Statt darauf konstruktiv zu reagieren, sieht es so aus, als ob die Politik dies ausblendet. Das könnte das Vertrauen in die Kompetenz des Senats untergraben und wäre ein unheilvoller Fehler seitens der rotgrünen Regierung!“
Diese Tatsache ist unverrückbar: Die Generation der Babyboomer hat die Altersgrenze erreicht: „All die, die dazugehören, mussten immer damit leben, dass sie sehr viele sind, die zur gleichen Zeit die gleichen Bedarfe hatten. Jetzt gehen diese Vielen in Rente – das bringt neue Anforderungen mit sich“, erläutert Wicher. Gerade beim barrierefreien Wohnen werde sich die Nachfrage in den kommenden Jahren sichtbar steigern: „2035 wird etwa ein Drittel aller Senior:innen 80 Jahre und älter sein – da wird Barrierefreiheit geradezu existenziell. Wenn Hamburg nicht darauf reagiert, werden im Jahr 2035 mindestens 70.000 barrierefreie Wohnungen fehlen“, prognostiziert Wicher.
Schon jetzt sei das barrierefreie Wohnen in der Stadt nichts für Menschen mit wenig Einkommen. So zeigt der aktuelle Wohnungsmarkt gerade 42 barrierefreie Wohnungen in Hamburg Mitte an, die Preisspanne liegt zwischen 713 und 3.934 Euro: „Nicht nur, dass das Angebot übersichtlich ist, sondern auch, dass in Hamburg eine altersgerechte Wohnung im Schnitt 5,35 Euro pro Quadratmeter mehr kostet, ist ein Skandal“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzender. Dies bedeute bei einer Wohnung mit 50 Quadratmetern einen Unterschied von monatlich 267,50 Euro: „In Stuttgart ist so eine Wohnung gerade mal um 37 Cent pro Quadratmeter teurer!“
Wicher mahnt den Senat, dieser Entwicklung konstruktiv zu begegnen: „Die Förderung des Baus von barrierefreien Wohnungen muss ausgeweitet werden! Das Bauen in Modulen könnte Wohnungen individueller auf sich ändernde Bedarfe anpassen. Dann muss es bei Modernisierungen selbstverständlich sein, so viele räumliche Behinderungen wie möglich abzubauen. Und, Barrierefreiheit endet nicht an der Haustür, sie muss überall mitgedacht werden – auch im Quartier in dem man lebt!“
