Direkt zum Inhalt springen

Verkehrssicherheit: Ein pauschaler Test der Fahrtüchtigkeit diskriminiert Ältere

„Wenn manche ebenso vehement und medienwirksam sichere Verkehrswege und sichere Fahrzeuge (E-Roller!) eintreten würden wie für eine Fahrtüchtigkeitsprüfung für Ältere, wären wir in puncto Verkehrssicherheit vielleicht schon über den Berg“, sagt Klaus Wicher. Der Hamburger SoVD-Landeschef kritisiert Ideen, Ältere zum Fahr- bzw. Gesundheits-TÜV zu schicken: „Das stellt Senior:innen unter Generalverdacht der Fahruntüchtigkeit.“

Wicher bezieht sich auf einen Unfall in der Waitzstraße. Hier verursachen häufiger Senior:innen zumeist Sachschäden. „Keiner verlangt von allen Jüngeren einen Test, weil sich einige dieses Alters auf der Wandsbeker Chaussee Autorennen lieferten. Kaum ein Medienbericht über Unfälle erwähnt das Handy am Steuer. Die Nutzung wird individuell bestraft, nicht kollektiv.“ Wicher verweist auf den Automobilclub Mobil in Deutschland e.V., der schreibt: „Waren bisher ‚zu schnelles Fahren‘ oder ‚Alkohol am Steuer‘ die Hauptunfallursachen, ist es heute die Ablenkung – besonders das Smartphone – am Steuer.“ Wicher relativiert: „Da derweil viele Fahrer:innen aus der Generation Babyboomer kommen, steigt auch die Gefahr, dass diese in einen Unfall verwickelt sind.“ Wicher kritisiert, Einzelfälle heranzuziehen, um generelle Sanktionen auszurufen. „Fakten sind gefragt, um nicht eine ganze Altersgruppe zu diskriminieren.

Ein Blick in die Statistik für Hamburg zeige, so Wicher, dass die Zahl der Verkehrsunfälle zwischen 2016 (64 963) und 2021 (56 373) deutlich sank. Das gilt auch für die Zahl der Verunglückten und Getöteten. Bei den Hauptverursachern von Verkehrsunfällen dominieren Jüngere: Die Alterskohorte der 25-30-Jährigen führt mit 660 Hauptbeteiligten vor 40-45-Jährigen mit 522. Die 65-70-Jährigen folgen mit Abstand (219) und bei den über 75-Jährigen sind es 406. Wicher: „Eine präzise Darstellung des Sachverhaltes müsste ausweisen, mit wieviel Prozent die jeweiligen Gruppen beteiligt sind. Wir müssen nach signifikanten Zusammenhängen etwa zwischen Kilometerleistung, Personen- und Sachschaden oder Fahrzeug-Typ und Alter fragen. Pauschal, das hilft nicht.“ Auch der ADAC lenkt ein: „Ältere sind eher Gefährdete als Gefährder:innen“.

Das Statistische Bundesamt: „2015 wurden 210.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden von Autofahrern verursacht. Jeder fünfte Pkw-Fahrer, der einen Unfall verschuldet hatte, war […] zwischen 18 und 24 Jahren alt. Lediglich jeder dreizehnte Unfallverursacher zählte in die Kategorie der Senioren von 65 bis 74 Jahren, […] jeder dreizehnte Unfallverursacher war 75 Jahre oder älter.“

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
Top bewertet bei Google
4,1 von 5 ★★★★★
246 Bewertungen