Hamburgs Produktionsschulen leiden unter unsicherer Finanzierung und zunehmender Bürokratisierung, obwohl die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss und berufliche Perspektive steigt.
Hamburg hat vor 15 Jahren sein Übergangssystem zwischen Schule und Ausbildung/Beruf neu aufgestellt – mit dem Ziel, jungen Menschen früher und erfolgreicher Perspektiven aufzuzeigen und weniger von ihnen ohne Aussicht auf eine Zukunft aus der Schule zu entlassen. Dennoch steigt seit Jahren die Zahl der Jugendlichen, die in das sogenannte „Übergangssystem“ einmünden: Dieses Ziel wurde eindeutig verfehlt!
Die Hamburger Produktionsschulen sind ein erfolgreiches Angebot, das genau diesen jungen Menschen realistische Perspektiven gibt: Jugendliche ohne Schulabschluss, häufig mit Migrationsgeschichte, mit Jugendhilfebedarf und aus Armutsfamilien erhalten hier praxisnahe Qualifizierung, Unterricht, Bewerbungstraining und machen echte betriebliche Erfahrungen. Sie lernen in Betriebsstätten, haben täglichen Kundenkontakt und holen, oft zum ersten Mal überhaupt, schulisches Basiswissen nach.
Statt aber dieses Angebot bedarfsgerecht auszubauen, wurden bereits seit 2008 die bereits geplanten Plätze in Produktionsschulen reduziert und offenbar den Betreiber:innen zu verstehen gegeben, dass ein Schulabschluss nicht Schwerpunkt der beruflichen Förderung sein solle.
Der Zugang zu den Maßnahmen wurde erschwert und bürokratisiert. Die Finanzierung ist bis heute nicht planbar und ohne verlässliche Basis, obwohl durch sie sehr erfolgreich Jugendliche mit besonders schwierigen Lernausgangslagen beschult werden konnten.
Klaus Wicher, Landesvorsitzender Sozialverband SoVD Hamburg: „Wer es ernst meint mit Chancengleichheit, muss in die Zukunft benachteiligter junger Menschen investieren. Dazu gehört, Produktionsschulen strukturell abzusichern und Schulabschlüsse ausdrücklich zu ermöglichen. Junge Menschen dürfen nach neun oder zehn erfolglosen und oft frustrierenden Schuljahren nicht in ein fragiles System der „letzten Chance“ entlassen werden. Sie brauchen vielmehr Stabilität, Zeit und echte Perspektiven auf Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe!“
Am 19. Februar steht das Thema auf der Tagesordnung des Schulausschusses. Klaus Wicher fordert: „Wir erwarten von allen Fraktionen, dass sie gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. Es geht um Menschen – es geht um die Zukunft junger Hamburger:innen, die bisher zu oft durchs Raster fallen. Hamburg leidet unter einem großen Fachkräftemangel, deswegen müssen junge, benachteiligte Menschen echte Chancen auf eine bessere Zukunft bekommen. Produktionsschulen gehören dazu und sollten gestützt werden! Es braucht:
- Eine verlässliche und auskömmliche Basisfinanzierung für Produktionsschulen statt projektabhängiger Unsicherheit.
- Einen Abbau bürokratischer Zugangshürden und bedarfsgerechten Ausbau der Plätze.
- Die klare politische Rückendeckung für den Erwerb des Schulabschlusses als integralen Bestandteil der Arbeit.
