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Teil­zeit­falle über­winden, Gleich­stellung voran­bringen!

Eine Familie läuft lachend am Strand entlang. Ein Mann trägt ein Kind auf den Schultern, neben ihm gehen eine Frau und ein weiteres Kind. Im Hintergrund sind Meer, Wellen und ein Hügel zu sehen, die Sonne scheint.

Frauen arbeiten in Deutschland weiterhin deutlich häufiger in Teilzeit als Männer. Das zeigt die aktuelle Studie „Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland: Fokus Sorgearbeit“ von Svenja Pfahl, Eugen Unrau und Yvonne Lott der Hans-Böckler-Stiftung (WSI Report Nr. 109, Februar 2026). Die Ergebnisse machen deutlich: Gleichstellung im Erwerbsleben ist noch längst nicht erreicht – und Teilzeit spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der sogenannte Gender Working Time Gap, also der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Erwerbsarbeitszeiten von Frauen und Männern, beträgt derzeit noch 7,5 Stunden pro Woche. Zwar ist dieser Abstand in den vergangenen 15 Jahren leicht gesunken, doch das liegt vor allem daran, dass Männer etwas weniger arbeiten – nicht daran, dass Frauen häufiger Vollzeit arbeiten.

Ein zentraler Grund für den Unterschied ist der hohe Anteil von Frauen in Teilzeit: Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet weniger als 32 Stunden pro Woche, während es bei Männern nur etwa jeder Achte ist. Auch bei Minijobs zeigt sich eine klare Schieflage: Rund 60 Prozent der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind Frauen.

Besonders deutlich wird die Ungleichheit im Zusammenhang mit Familie und Sorgearbeit. Laut Studie sind Frauen mit Kindern 1,7-mal häufiger in Teilzeit tätig als Frauen ohne Kinder. Bei Männern zeigt sich das Gegenteil: Männer mit Kindern arbeiten sogar seltener in Teilzeit als Männer ohne Kinder. Die Gründe unterscheiden sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Für Frauen ist die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen ein wesentlich häufigerer Grund, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Männer arbeiten dagegen eher in Teilzeit, weil ihnen keine Vollzeitstelle angeboten wird oder weil sie sich in Aus- oder Weiterbildung befinden.

Für den Sozialverband SoVD Hamburg zeigen diese Zahlen, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind, um echte Gleichstellung zu erreichen. Teilzeit darf nicht zur Falle für Einkommen, Karrierechancen und spätere Renten werden.

Der SoVD Hamburg fordert deshalb:

  • Mehr und verlässliche Kinderbetreuungsangebote, die auch mit Vollzeitbeschäftigung und besonderen Arbeitszeiten, wie Schichtarbeit, vereinbar sind.
  • Eine partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit, etwa durch bessere Rahmenbedingungen für Väter, Arbeitszeit zu reduzieren
  • Gute Arbeit auch in Teilzeit, mit fairer Bezahlung, Aufstiegs- und Rückkehrmöglichkeiten in Vollzeit
  • Mehr reguläre Beschäftigung statt Minijobs sowie eine bessere Absicherung für Minijober:innen
  • Gleichstellungspolitik, die Erwerbsarbeit und Sorgearbeit zusammen denkt

Die Zahlen zeigen klar: Solange Frauen den Großteil der Sorgearbeit tragen, bleibt echte Gleichstellung im Arbeitsleben auf der Strecke. Wir brauchen bessere Betreuungsangebote, faire Arbeitszeiten und sichere Jobs – sonst zahlen Frauen den Preis mit geringeren Einkommen und Renten.

Klaus Wicher, Landesvorsitzender SoVD Hamburg
SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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