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Tafeln nicht zu Bettelstationen machen

Die Hamburger CDU hat vom Senat gefordert, sich finanziell an den Hamburger Tafeln zu beteiligen, damit der Betrieb über den Winter gesichert ist: „Das ist definitiv der falsche Weg. Statt die Armut der Menschen zu verwalten, täte der Senat gut daran, die Betroffenen gezielt finanziell zu unterstützen, beispielsweise durch eine direkte Zuzahlung. Das würde deutlich mehr Sinn machen“, sagt Klaus Wicher, Hamburger Vorsitzender Sozialverband SoVD.

Rund 370.000 Menschen in Hamburg sind arm oder akut von Armut bedroht. Dies zeigt sich auch in den immer länger werdenden Warteschlangen vor den Ausgabestellen der Tafeln in der Stadt. „Seitdem Corona unser aller Leben verändert hat, hat sich die Lage dort langsam, aber durchaus absehbar verschlechtert. Schon damals wurde deutlich, dass sich Teile des Mittelstands nicht mehr gut selbstversorgen konnten und sich immer mehr zusätzlich zu denen, die sowieso schon seit Jahren kommen, bei den Tafeln anstellen mussten“, berichtet Wicher. Der Ausbruch des Ukrainekriegs verschärfte die Situation, Inflation und Energiekrise taten ihr übriges: „Immer mehr Menschen haben heute nichts mehr im Portmonee und sind auf Lebensmittelspenden angewiesen.“

Trotzdem hat Wicher für den jüngsten CDU-Vorschlag, den Tafelbetrieb bis zum März zu finanzieren, wenig Verständnis: „Er zeigt, dass die Christdemokraten zu weit von den Menschen entfernt sind. Statt Geld in Lebensmittelausgaben, manche sagen auch Bettelstationen, zu stecken, wäre die direkte Unterstützung deutlich sinnvoller. Wer zur Tafel gehen muss, fühlt sich gedemütigt, denn es zeigt, dass man es nicht schafft, sich aus eigener Kraft zu versorgen. Wenn aber Alleinerziehende, Senior:innen mit ganz kleiner Rente, Studierende, Langzeitarbeitslose, Soloselbständige oder auch Menschen mit Behinderung gezielt gefördert würden, wären die Warteschlange bei den Tafeln deutlich kürzer.“

Besonders ärgerlich findet Wicher, dass die Not der Tafeln lange Zeit bei der CDU Hamburg gar kein Thema war: „Ich bin überrascht über die Vorschläge, denn bisher hat sie sich nicht hervorgetan für die zu sprechen, die in unserer reichen Stadt am wenigsten haben. Die CDU sollte sich jetzt nicht als Retterin der Armen aufspielen, dafür hat für sie viel zu wenig getan“

Dennoch weist der Vorstoß auf eine Problematik, derer sich der regierende Senat unbedingt annehmen muss: „Umfänglich für die Ärmsten zu sorgen, das können die ehrenamtlich arbeitenden Tafeln nicht auffangen und leisten. Hier ist und bleibt der Senat in der Verantwortung!“

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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