Klaus Wicher, Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg e.V., begrüßt ausdrücklich die neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung zu Bürgergeld und Arbeiten zum Mindestlohn: „Jetzt gibt es handfeste Zahlen die belegen, dass Bürgergeldempfänger:innen keineswegs besser aufgestellt sind als diejenigen, die Vollzeit arbeiten gehen. Die neue Studie widerspricht der weit verbreiteten Vorstellung, dass man mit Bürgergeld in Saus und Braus lebt. Sie zeigt vielmehr, dass gerade große Städte wie Hamburg oder München selbst dazu beitragen, dass das mühsam erarbeitete Gehalt im Vergleich zum Mindestlohn nur ein wenig mehr Möglichkeiten bietet als der Bürgergeldbezug! Wohnen und Leben in der Stadt sind sehr teuer!“
Der Vergleich zwischen den Einkommen werfe außerdem ein Licht auf die unterschiedlichen beruflichen Herausforderungen für bestimmt Personengruppen: „Alleinerziehende werden zwar durch Kindergeld, Wohngeld und Kinderzuschläge gestützt, damit sie nicht in den Bürgergeldbezug geraten. Viele arbeiten aber in Teilzeit, das schmälert das Einkommen natürlich spürbar. Trotz staatlicher Hilfe gibt es also viele, die trotz Job auf Bürgergeld angewiesen sind. Die Stadt müsse vor allem Frauen, die beruflich kürzertreten müssen, um Angehörige zu pflegen oder Kinder zu betreuen, durch mehr Unterstützungsangebote entlasten: „Wenn man weiß, dass die pflegebedürftige Mutter oder der eigene Nachwuchs in guten Händen sind, kann man auch unbesorgt Vollzeit arbeiten gehen. Das muss gerade in Hamburg das Ziel der Politik sein!“
Als weitere und existenzielle Ursache für kleinere Einkommensunterschiede in Hamburg sieht Wicher die grassierende Wohnungsnot: „Die Mieten sind hoch, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt, weiß jedes Kind. Wer bis zur Hälfte des eigenen Gehalts in die Miete investieren muss und gleichzeitig sieht, dass Bürgergeldempfänger:innen das Wohnen und Heizen bezahlt wird, fühlt sich zurückgesetzt. Hamburg kann diese Ungleichheiten verringern – die Stadt muss darum sehr viel neue Sozialwohnungen bauen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA kann dies aber nicht alleine schaffen, auch Baugenossenschaften sollte es so leicht wie möglich gemacht werden, mehr Wohnungen zu entwickeln. Der neue Hamburg Standard ist schon mal ein gutes Signal dafür.“ Außerdem müsse die Mietpreisbindung für günstigen Wohnraum auf 50 Jahre verlängert werden.
Die Wohnungsnot ist auch eines der Kernthemen des Hamburger Armutsgipfels, zu dem der SoVD Hamburg gemeinsam mit dem Mieterverein zu Hamburg, dem DGB und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband am 15. Oktober 2025 einlädt.
