Die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen in Hamburg ist hoch. Ohne einen gut aufgestellten sozialen Arbeitsmarkt haben Betroffene wenig Chancen auf Rückkehr in eine Beschäftigung. Doch nach dem drastischen Abbau von Plätzen für so genannte Arbeitsgelegenheiten (AGH) im vergangenen Jahr ist die Unsicherheit bei den Beschäftigungsträgern groß.
Die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen (länger als ein Jahr arbeitslos) steigt in Hamburg weiter an. Die Agentur für Arbeit meldete Ende September 95.223 Arbeitslose, darunter 30.370 langzeitarbeitslos gemeldete Personen (32 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind dies über 3.000 Betroffene mehr. Gleichzeitig sinken die Plätze in beschäftigungsschaffenden Maßnahmen. Dazu gehören die „Arbeitsgelegenheiten“ (§ 16d SGB II) und die „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ (§ 16i SGB II). Allein in 2024 mussten rund 30 AGH-Projekte schließen. „Von den 2.125 AGH-Plätzen im Februar 2020 sind nur 920 übriggeblieben. Hinzu kommen rund 1.300 Plätze für die Teilhabe am Arbeitsmarkt – ein Tropfen auf den heißen Stein“ meint Klaus Wicher, Vorsitzender des SoVD Hamburg. „Jeder gestrichene Platz bedeutet einen langzeitarbeitslosen Menschen mehr, der im Stich gelassen wird.“
Das Landesprogramm „Den sozialen Arbeitsmarkt stärken“ soll besonders arbeitsmarktfernen Menschen Perspektiven eröffnen. „ Dieses Ziel scheint Hamburg aus den Augen verloren zu haben, denn es werden zurzeit eher kurzfristige Maßnahmen wie Aktivierungs- und Bewerbungstrainings gefördert. Diese bringen langzeitarbeitslosen Menschen gar nichts“, meint Wicher. Laut LAG Arbeit fließen zudem Gelder, die Hamburg vom Bund für Eingliederungsleistungen in 2025 bekommt, in die Verwaltung, weil die vom Bund bewilligten Verwaltungskosten für die Jobcenter nicht reichen. Das geht, weil die Zweckbindung der Mittel seitens des Bundes bislang fehlt – nur fehlen diese dann im wichtigen Eingliederungstitel. „So geht das nicht“, sagt Wicher. „Das Geld muss bei den Menschen ankommen.“
Wenn Projekte der Beschäftigungsträger entfallen, trifft es nicht nur die dort arbeitenden Menschen selbst. Viele sind wichtige soziale Infrastruktur: Stadtteilcafés, Second-Hand-Läden, Kleiderkammern oder kulturelle Angebote. Besonders in sozial benachteiligten Vierteln mit hoher Arbeitslosigkeit sind sie unverzichtbar. Ein Beispiel ist das Café Osborn53, dessen Schließung im September vom Bezirk Altona kurz vor knapp verhindert wurde – allerdings zunächst nur befristet für drei Jahre. „Das Café ist ein Anlaufpunkt für Senior:innen, Familien mit wenig Einkommen und Alleinerziehende. Wenn es geschlossen hätte, wäre eine große Lücke entstanden“, erklärt Wicher. „Wichtige Projekte im Quartier dürfen nicht still und leise verschwinden. Wir brauchen langfristig mehr solcher Orte, an denen Menschen mit kleinen Einkommen zusammenkommen können und Einsamkeit kein Thema ist.“
Auch das Sozialkaufhaus Cappello kämpft mit großen finanziellen Problemen. „Der SoVD Hamburg trägt die Defizite, das kann aber nicht dauerhaft funktionieren“, sagt Wicher. „Auch Cappello braucht dringend Unterstützung vom Bezirk Altona oder der Stadt!“
