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Seniorengerechte Quartiersentwicklung in Hamburg

Die Ankündigung von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, in den kommenden Jahren verstärkt in den seniorengrechten Ausbau der Quartiere zu investieren, stößt beim Hamburger SoVD-Landeschef Klaus Wicher auf große Zustimmung. Allerdings erwecken die Pläne bei ihm den Eindruck, die Senatorin mache hier nur halbe Sachen.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg, begrüßt die neue Stoßrichtung der Gesundheitssenatorin, die die Seniorenpolitik stärker auf die Quartiere ausrichten will. In ihrer gestrigen Pressemitteilung hatte Prüfer-Storcks zunächst auf die Erfolge des Senats und ihrer Behörde bei der Seniorenpolitik hingewiesen. Weiterhin kündigte sie unter anderem mehr Mittel für die Seniorentreffs, die Ausweitung des Hamburger Hausbesuchs, mehr Teilhabe von Senioren an den Planungen für die Zukunft und vor allem die Förderung des Programms „Wohnen bleiben im Quartier“, durch das 20 Einrichtungen für Pflegebedürftige entstehen sollen, an.

„Zunächst einmal muss man die Bemühungen von Frau Prüfer-Storcks natürlich würdigen. Allerdings stellt sich die Seniorenpolitik lange nicht so glänzend dar, wie die Senatorin uns weismachen will“, meint Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender SoVD Hamburg. „Die Hausbesuche wenden sich direkt nur an Seniorinnen und Senioren, die 80 Jahre alt sind. Es gibt aber genügend Jüngere, die den Hausbesuch ebenfalls gut gebrauchen könnten. Wenn sie sich nicht selbst melden, bleiben sie unbeachtet und bekommen keine Hilfe.“ Auch die Zusage zu mehr finanzieller Unterstützung der Seniorentreffs machen Wicher nicht gänzlich froh: „In den Treffs arbeiten hauptsächlich Ehrenamtliche, hier bräuchten wir eine verlässliche Finanzierung für festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das wird wahrscheinlich deutlich mehr Geld kosten als das, was Frau Prüfer-Storcks investieren möchte.“

Wicher befürchtet, dass sich, nur allein durch das Bauen von Pflegeinrichtungen, den Hausbesuch und etwas mehr Geld für die Seniorentreffs, die Lage, vor allem für bedürftige und armutsgefährdete Senioren, nicht wirklich verbessert: „Senatorin Prüfer-Storcks propagiert ein zerstückeltes Konzept. Aber wo bleiben all diejenigen, die auch gute Angebote für die Älteren machen? Die hat die Senatorin offensichtlich gar nicht auf dem Schirm!“

Für Wicher ist das städtische Programm für ein besseres Leben für Senioren in den Quartieren deutlich zu kurz gedacht. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Senatorin unser Konzept „Quartier Angebote“ besser gelesen hätte. Der Hamburger SoVD plädiert schon seit Jahren für die Entwicklung der Quartiere. Uns geht es vor allem um die Einrichtung von Kunden- oder Servicezentren im Stadtteil, die alle Angebote, nicht nur die der Stadt, sondern auch von Initiativen und Organisationen, bündeln.“

In München arbeitet man seit langem erfolgreich so, auch in Dortmund wird dieses Konzept in den Begegnungszentren umgesetzt: „Dort profitieren alle Seniorinnen und Senioren davon.“ München und Dortmund seien zwei herausragende Beispiele, die zeigten, wie man eine gute Seniorenpolitik machen könne, an der alle Älteren niedrigschwellig partizipieren: „Wenn Frau Prüfer-Storcks es nicht schafft, die Menschen und diejenigen, die Angebote machen, und zwar alle, im Quartier zusammen zu bringen, werden vor allem die Seniorinnen und Senioren, die armutsgefährdet sind oder von Grundsicherung leben müssen, auch weiterhin nicht am Leben und an der Gesellschaft teilhaben können.“ Wicher befürwortet deshalb zusätzlich auch eine Aufstockung der Grundsicherung, ein kostenloses HVV Ticket für alle bedürftigen Hamburger und vor allem deutlich mehr sozialen Wohnungsbau, der es den Älteren einfach macht, in ihrem Stadtteil so lange wie möglich zu bleiben.

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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