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PFLEGEN & WOHNEN

Die Stadt hat sich aus der Verantwortung gestohlen: Eine kurze und traurige Geschichte darüber, wie es dazu kam, dass Hamburgs größte Pflegeeinrichtung in die Hände einer Heuschrecke fiel.

Trotz großer Bedenken und Mahnungen ist der private und größte Hamburger Pflegeheimbetreiber PFLEGEN & WOHNEN an die amerikanische Oaktree-Gruppe verkauft worden. PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG ist der größte private Anbieter von stationärer Pflege in der Hansestadt. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter und bietet in den 13 Hamburger Einrichtungen Plätze für 2.691 pflegebedürftige Menschen. 

Die Stadt hatte bei dem Deal nur wenig Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Denn schon vor zehn Jahren entschied der damals CDU geführte Senat, die staatliche Einrichtung zu privatisieren und für 65 Millionen Euro an den Pflegeheim-Betreiber Vitanas sowie die Hamburger Andreas Franke Unternehmensgruppe zu verkaufen. 

Schon damals schwante der SPD-Fraktion nichts Gutes. Sie hielt den Verkauf für falsch. Der damalige sozialpolitische Sprecher Dirk Kienscherf beklagte, dass sich die Stadt, wie schon beim Verkauf des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) auch aus der Pflege vollständig zurückziehe und damit ihren Einfluss darauf verspiele, dass es langfristig genügend bezahlbare und dabei hochwertige stationäre Pflegeplätze in Hamburg gäbe: „Senatorin Schnieber-Jastram und Finanzsenator Peiner setzen mit dem Verkauf ihre Politik des sozialen Kahlschlags unvermindert fort“, sagte er im August 2006. Die Bedenken der in der Opposition agierenden SPD waren berechtigt – weiß man heute. 

Denn zehn Jahre später, mit dem Ende einer damals festgelegten Verkaufssperre, hatten es die Besitzer eilig, PFLEGEN & WOHNEN abzustoßen und Kasse zu machen. Immer wieder appellierte Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender des SoVD Hamburg, an den Senat und die Bürgerschaftsfraktionen, über einen Rückkauf von PFLEGEN & WOHNEN nachzudenken. Wenigstens für den Hamburger Teil des Konzerns ein rückkauffähiges Angebot vorzulegen.


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SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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