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Offene Seniorenarbeit in Hamburg: SoVD fordert Strukturreform

Die Ankündigung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, den Seniorentreffs in Hamburg mehr Geld für die Ehrenamtlichen zu Verfügung zu stellen, ist aus Sicht von Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg, mehr als sinnvoll. Trotzdem sollte Senatorin Prüfer-Storcks stärker auf hauptamtliche Mitarbeiter setzen und die Seniorenarbeit grundsätzlich überarbeiten.

164.000 Euro zusätzlich für die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der offenen Seniorenarbeit sind für Klaus Wicher eine Maßnahme, die Sinn macht: „Ohne Ehrenamtliche könnten die Seniorentreffs in ihrer heutigen Struktur sofort zumachen. Eine Vergütung für den eigenen Einsatz wird dieses Engagement nun stärker würdigen und könnte motivieren, mitzumachen.“

Dennoch hält er es für dringend geboten, die Organisation der Seniorenarbeit in Hamburg zu überarbeiten: „Aus eigener Erfahrung in den SoVD-Treffs weiß ich, dass wir heute die Angebote für die älteren Menschen nicht mehr allein auf die Schultern der Ehrenamtlichen laden können. Junge Menschen sind dafür nicht mehr so offen, bei den Älteren wird das Engagement immer weniger, weil Alter und Gesundheit ihren Tribut fordern.“

Wicher sieht grundsätzlichen Handlungsbedarf bei der Struktur der offenen Seniorenarbeit: Pro Seniorentreff müsste wenigstens eine halbe hauptamtliche Mitarbeiterstelle eingerichtet werden. Auch die Bedeutung der Treffs in den Quartieren wird sich verändern: „Angesichts der geburtenstarken Jahrgänge mit mehr Seniorinnen und Senioren, die völlig andere Ansprüche haben, muss das Konzept der Seniorenarbeit grundsätzlich überdacht und weiterentwickelt werden.

Ein neuer Ansatz ist der Hamburger Hausbesuch, der noch in diesem Jahr auf alle Stadtteile ausgeweitet wird: „Hier geht man auf die Menschen zu, denn alle Seniorinnen und Senioren, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, werden auf Wunsch besucht. Allerdings richten sich viele Angebote der Stadt auch an Menschen, die jünger sind. Sie werden nicht direkt angesprochen, wissen deshalb auch oft nicht, welche Hilfen sie erhalten könnten.“

Der SoVD-Landesvorsitzende setzt deshalb auf mehr kleinteilige Vernetzung im näheren Lebensumfeld: „Die Altenhilfe darf nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern als  Bestandteil des Quartiers. Es müsste Zentren in den Stadtteilen geben, die alle Angebote für Jung und Alt bündeln und vernetzen. Wir hätten dadurch nicht nur mehr Teilhabe der Älteren an der Gesellschaft, sondern schaffen auch mehr Nähe zu den Jüngeren.“

Der SoVD Hamburg hat dazu ein Konzept für eine integrierte Altenhilfe in den Stadtteilen entwickelt. Klaus Wicher und Prof. Dr. Timm Kunstreich stellen ihre Arbeit „QuartierAngebote“ am 1. August in der Barmbeker SoVD-Landesgeschäftsstelle, Pestalozzistraße 38, vor.

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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