Zum Start des Winternotprogramms fordert der Hamburger SoVD erneut mehr und bessere Unterstützung für die Menschen auf der Straße: „Priorität hat für mich, dass die Notunterkünfte auch am Tag geöffnet bleiben. Außerdem bezweifle ich, dass die verpflichtende Sozialberatung dafür sorgen wird, dass sich die Zahl der Obdachlosen verringert. Sie brauchen konstruktive Angebote, die ihnen Chancen auf ein neues Leben ermöglichen, durch Housing First und spezielle Angebote für Frauen, Menschen mit psychischen Erkrankungen und weitere vulnerable Gruppen“, zählt SoVD-Vorständin Dr. Sally Peters auf.
Auf die mehr als 4.000 Obdachlosen in Hamburg kommen in den nächsten Monaten harte Zeiten zu: „Wenn der Winter wieder sehr kalt wird, brauchen Menschen, die auf der Straße leben, mehr Schutz.“ Viele riskierten aber eher, dass sie im Freien erfrieren, als in einer Notunterkunft zu übernachten: „Das sagt mir, dass das Angebot nicht genügend auf den Bedarf abgestimmt ist. Wir müssen besser verstehen, warum Menschen trotz eisiger Temperaturen draußen bleiben“, fordert die SoVD Vorständin.
Peters kritisiert zudem die neue Zählweise, in der die Sozialbehörde in Zukunft nur noch die Menschen in die Statistik aufnimmt, die auf der Straße, nicht aber in Krankenhäusern oder Notunterkünften verstorben sind: „Aus meiner Perspektive wird hier versucht, das Problem kleinzurechnen, anstatt realistische Daten zu erheben.“
Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres seien 27 Menschen an den Folgen der Kälte auf der Straße gestorben: „Es fehlt ganz offensichtlich an Angeboten, die zur Lebenssituation von Menschen passen, die obdachlos sind“, sagt Peters. Die Unterbringung in den Notunterkünften schrecke zu viele ab: „Betroffene berichten immer wieder von Diebstahl und Gewalt unter den Gästen.“ Dies sei, trotz Eis und Schnee, für viele keine Option.
Angebote, dies sich in der Vergangenheit bewährt hätten, müssten ausgeweitet werden: „Das Konzept von Housing First funktioniert und ist die beste Hilfe auf dem Weg zu mehr stabilen Lebensstrukturen. Hier könnte man den Menschen mit einer guten Sozialberatung wirklich helfen. In den Notunterkünften wird dies nur abschrecken, weil Beratung auf Vertrauen und Freiwilligkeit basiert und nicht Voraussetzung für einen Schlafplatz im Warmen sein darf. Wir brauchen ein Hilfesystem, das Vertrauen schafft und Menschen nicht alleinlässt!“
