Wenn auf dem Schild am Fahrstuhl der U-Bahn „Außer Betrieb“ steht, ist das für viele Fahrgäste ein Ärgernis. Für Menschen mit Behinderungen kann es jedoch bedeuten, dass sie ihr Ziel ohne Hilfe gar nicht erreichen. Mobilität entscheidet darüber, ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, zum Arzt oder zu Freund:innen und Familie.
Klaus Wicher, SoVD-Landesvorsitzender, hat dazu genaue Vorstellungen: „Unsere Stadt braucht ein Verkehrssystem, das niemanden ausschließt. Mobilität darf kein Privileg sein. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir müssen dranbleiben. Daher setzen wir uns für einen bezahlbaren, barrierefreien Nahverkehr ein, der für alle zugänglich und verlässlich ist – unabhängig von Einkommen, Alter oder Einschränkungen.“
Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr
Für Menschen mit Gehbeeinträchtigung
Wer nicht gut zu Fuß ist, einen Rollator nutzt oder im Rollstuhl unterwegs ist, ist auf stufenlose Einstiege, Aufzüge und Rampen angewiesen. Zwar sind inzwischen fast alle U- und S-Bahnhöfe mit Aufzügen ausgestattet – doch technische Störungen sorgen immer wieder dafür, dass wichtige Wege versperrt sind. Fehlende Verlässlichkeit bedeutet für viele Betroffene Stress und Unsicherheit bei jeder Fahrt.
Für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen
Blinde und sehbehinderte Menschen orientieren sich an Leitsystemen am Boden oder an Brailleschrift in Aufzügen. Diese Orientierung funktioniert nur, wenn Wege frei bleiben und Markierungen nicht durch Fahrräder oder E-Roller blockiert werden.
Hörbehinderte und gehörlose Menschen sind auf aktuelle visuelle Anzeigen angewiesen. Verspätungen oder Gleisänderungen werden jedoch häufig nur per Durchsage kommuniziert. Damit alle Fahrgäste selbstständig unterwegs sein können, sollten Informationen grundsätzlich mit mindestens zwei Sinnen wahrnehmbar sein – visuell und akustisch zugleich.
Bezahlbare Mobilität für alle
Mobilität darf nicht am Geldbeutel scheitern. Deshalb gibt es in Hamburg einen Sozialrabatt und ein Seniorenticket.
- Sozialrabatt: Menschen, die Grundsicherung beziehen, zahlen für das HVV-Deutschlandticket deutlich weniger und erhalten damit Zugang zu günstiger Mobilität. Eine bedürftige Person zahlt statt 63 Euro nur 27,50 Euro.
- Seniorenticket: Ab Mai 2026 können Menschen ab 67 Jahren ein vergünstigtes Deutschlandticket für 49 Euro nutzen. Langfristig setzt sich der SoVD für weitere Entlastungen ein – insbesondere für ältere Menschen mit niedriger Rente.
Bezahlbare Fahrkarten sind ein zentraler Baustein sozialer Teilhabe und helfen, Isolation zu verhindern.
Mobilität auf Hamburgs Straßen
Nicht alle Wege lassen sich mit Bus und Bahn zurücklegen. Deshalb muss Verkehrsplanung auch den Individualverkehr barrierefrei gestalten. In Hamburg sind Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad, E-Roller oder Auto unterwegs – mit unterschiedlichen Anforderungen:
- Fußgänger:innen brauchen breite, sichere Gehwege und gut gestaltete Kreuzungen.
- Radfahrende sind auf sichere Radwege, übersichtliche Verkehrsführung und ausreichend Abstellmöglichkeiten angewiesen.
- Autofahrende benötigen klare Verkehrsführung, gut ausgebaute Straßen und ein Baustellenmanagement, das alle Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt.
- E-Roller-Nutzer:innen sorgen zunehmend für Konflikte im Straßenraum. Achtlos abgestellte Fahrzeuge blockieren häufig Gehwege und stellen ein Risiko für ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderungen dar. Der SoVD fordert feste Abstellflächen und eine konsequente 0,0-Promille-Regel.


