Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge sind in der Hansestadt derzeit etwa 24.000 Menschen seit mindestens sechs Jahren nicht berufstätig. „Wer sehr lange nicht mehr im Job ist, braucht konstruktive Förderung und keine Verteufelung“. Dr. Sally Peters, Vorständin des Hamburger Sozialverbands SoVD, wünscht sich mehr Unterstützung für die Betroffenen.
Die Augustzahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Hamburg lag mit 97.787 Arbeitslosen knapp unter der 100.000er-Marke: „Davon beziehen etwa 60.000 Menschen Grundsicherung, etwa ein Drittel von ihnen gilt als über viele Jahre langzeitarbeitslos. Mit dem Teilhabechancengesetz bestehen bereits Möglichkeiten, langzeitarbeitslosen Menschen neue Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen. Dennoch brauchen wir eine Arbeitsmarktpolitik, die nicht nur auf schnelle Vermittlung setzt, sondern individuelle Unterstützung, passende Qualifizierung und verlässliche Begleitung ermöglicht. Auch Arbeitgeber müssen sich stärker dazu verpflichtet fühlen, angepasste Beschäftigungsmöglichkeiten für die Betroffenen zu schaffen. Ohne die konstruktive Begleitung und ein gutes Coaching haben die Menschen sonst so gut wie keine Chancen, ihrer Lage zu entkommen“, mahnt Peters. Vor allem eine niedrige Qualifikation und gesundheitliche Hemmnisse führten häufig dazu, dass Menschen lange arbeitslos blieben.
Die SoVD-Vorständin appelliert an das Hamburger Jobcenter, nicht nachzulassen: „Zwar ist die Stadt ein prosperierender Wirtschaftsstandort, trotzdem werden auch hier die Rahmenbedingungen schwieriger. Das könnte dazu führen, dass weniger Betriebe bereit sind, Menschen, die sehr lange arbeitslos waren, zu begleiten und passgenaue Arbeitsplätze anzubieten.“
Solch passgenauen Jobs ließen sich nicht allein auf dem regulären Arbeitsmarkt bereitstellen: „Umso wichtiger wäre es, wieder mehr integrative Arbeitsgelegenheiten zu entwickeln. Ich denke da an Sozialkaufhäuser, die Gastronomie oder auch Repair-Cafés. Solche Angebote können Menschen ermöglichen, schrittweise wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen, ihre Fähigkeiten einzubringen und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Entscheidend ist, dass daraus möglichst langfristige und fair bezahlte Beschäftigung entsteht und auch die Quartiere würden profitieren!“
Dies gelte gleichermaßen auch für Menschen mit Schwerbehinderung: Von den rund 4.000, die in Hamburg in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, hätten im vergangenen Jahr nur 25 den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft.
Peters warnt zudem vor den möglichen Folgen eines fehlenden gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalts: „Wer sich nicht gesehen fühlt, jeden Tag mit Armut konfrontiert ist, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt, könnte langfristig das Vertrauen in die Politik verlieren. In einer demokratischen Gesellschaft sollte aber jede:r Mensch die Chance haben, sich einzubringen.“
