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Kinder­rechte-Index 2025

Senat feiert Kinder­rechte, während Kinder­armut wächst

Auf dem Bild sind sechs fröhliche Kinder zu sehen, die eng beieinander stehen und in die Kamera lächeln. Sie befinden sich auf einem Spielplatz im Freien. Die Kinder tragen verschiedene farbenfrohe Kleidung. Im Hintergrund ist eine Holzkonstruktion zu erkennen.

Der Hamburger Senat feierte im Januar eine angebliche Spitzenposition im Kinderrechte-Index 2025. Doch ein genauer Blick in den Bericht des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt vor allem eines: erhebliche Missstände, strukturelle Lücken und politischen Stillstand beim Kampf gegen Kinder- und Familienarmut.

Im bundesweiten Vergleich zeigt der Kinderrechte-Index die Stadt Hamburg in einigen Bereichen – etwa Beteiligung, Bildung und Freizeit – in der Spitzengruppe, doch die Realität zahlreicher Kinder und Familien in der Stadt sieht anders aus. „Das Label ‚Spitzenposition‘ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in Hamburg eine der höchsten Armutsgefährdungsquoten von Kindern und Jugendlichen im Ländervergleich haben“, stellt SoVD-Landesvorsitzender Klaus Wicher fest. „Eine Quote von 24,9 Prozent im Jahr 2024, also fast jedes vierte Kind, ist kein Grund zu jubeln – besonders wenn sie 5,4 Prozentpunkte über der Armutsgefährdung der Gesamtbevölkerung liegt und zu den größten Unterschieden zwischen Kindern und Erwachsenen zählt. Im Gegenteil: Das ist ein echtes Armutszeugnis.“

Der Kinderrechte-Index benennt klar, dass es in Hamburg keine öffentlich dargelegte und umfassende Landesstrategie zur Prävention von Kinder- und Familienarmut gibt. Ebenso fehlt ein Landesprogramm, das gezielt kommunale Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut aufbaut, verstetigt und weiterentwickelt. Diese Lücken bleiben unbeantwortet – trotz seit Jahren bekannter Armutsrisiken für Kinder in unserer Stadt. „Solange es keine klare Strategie und verbindliche Programme zur Armutsbekämpfung gibt, sind wir weit davon entfernt, die UN-Kinderrechtskonvention ernsthaft umzusetzen“, so Wicher.

Der Index stellt außerdem fest, dass Hamburg im Jahr 2023 rund 3,4 Angebote der offenen Jugendarbeit pro 1.000 Kinder und Jugendliche hatte, was über dem Bundesdurchschnitt liegt. Doch dieser statistische Wert darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass genau diese Angebote aktuell gefährdet sind: Der SoVD Hamburg sowie mehrere Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Familienförderung in Hamburg warnen seit Längerem vor mittelfristigen Kürzungen und dem drohenden Zusammenbruch sozialer Infrastruktur, weil die Finanzierung nicht bedarfsgerecht gesichert wird.

Für junge Menschen sind diese Treffpunkte nicht nur Freizeitangebote, sondern wichtige Orte sozialer Teilhabe, Beratung und persönlicher Entwicklung. „Kinderarmut darf nicht zum normalen Begleiter des Aufwachsens in unserer Stadt werden“, warnt Wicher. „Wir brauchen mehr als schöne Indexwerte und die Selbstbeweihräucherung des Senats: Wir brauchen echte Verbesserungen im Alltag junger Menschen.“

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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