Der Internationale Frauentag am 8. März erinnert jedes Jahr daran, dass Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit ist. Auch 2026 zeigt sich: Frauen sind in vielen Lebensbereichen noch immer strukturell benachteiligt – in Hamburg ebenso wie bundesweit. Besonders deutlich wird dies bei Einkommen, Sorgearbeit, Gesundheit und sozialer Absicherung.
Ein zentrales Problem bleibt die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. In Hamburg verdienten Arbeitnehmerinnen im vergangenen Jahr durchschnittlich 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit liegt die Lohnlücke in der Hansestadt sogar über dem bundesweiten Durchschnitt von 16 Prozent. „Schlimm ist, dass sich seit Jahren viel zu wenig tut, um diese Ungleichheit wirksam zu verringern“, kritisiert der SoVD-Landesvorsitzende Klaus Wicher. „Gleiche Bezahlung ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Frage von Gerechtigkeit und Gleichstellung.“
Die Folgen dieser Ungleichheit sind gravierend. Niedrigere Löhne führen zu geringeren Rentenansprüchen und erhöhen das Risiko finanzieller Unsicherheit im Alter. „Wer heute weniger verdient, trägt ein deutlich höheres Risiko für Altersarmut“, warnt Wicher. In Hamburg, wo die Lebenshaltungskosten besonders hoch sind, verschärft sich dieses Problem zusätzlich. Altersarmut ist auch hier überwiegend weiblich.
Hinzu kommt die weiterhin ungleiche Verteilung der Sorgearbeit. „In Hamburg übernehmen Frauen nach wie vor den größten Anteil der unbezahlten Care-Arbeit – von der Kinderbetreuung bis zur Pflege von Angehörigen“, weiß Susanne Langhagel, Vorsitzende des Landesfrauenausschusses und Landesfrauensprecherin des SoVD Hamburg. „Sorgearbeit ist jedoch eine gemeinsame Verantwortung von Frauen und Männern.“ In der Praxis führt die ungleiche Verteilung dazu, dass vor allem Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Alleinerziehende – überwiegend Frauen –haben durch diesen Spagat ein erhöhtes Armutsrisiko.
Vor diesem Hintergrund rückt die neue Grundsicherung in den Fokus. Sie setzt stärker auf schnelle Arbeitsaufnahme und verschärfte Mitwirkungspflichten. „Für viele Frauen und Männer in Hamburg mit familiären Sorgeverpflichtungen, insbesondere für Alleinerziehende, bedeutet dies zusätzlichen Druck“, sagt Langhagel. „Eine existenzsichernde Beschäftigung setzt eine verlässliche und bedarfsgerechte Kinderbetreuung voraus, die auch atypische Arbeitszeiten wie Schicht- oder Nachtarbeit abdeckt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass insbesondere Frauen zwar schneller in Arbeit gedrängt werden, aber weiterhin im Niedriglohnbereich verbleiben und auf staatliche Leistungen angewiesen sind.“
Gleichstellung endet zudem nicht beim Einkommen. Frauengesundheit, der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und bezahlbarer Wohnraum sind entscheidende Faktoren für ein selbstbestimmtes Leben. Frauen müssen sich aus Gewaltbeziehungen lösen können, ohne an fehlendem Wohnraum oder finanzieller Unsicherheit zu scheitern. Der Bundesrat hat Ende Januar einem Gesetzesantrag aus Hamburg zugestimmt, der künftig Opfern von häuslicher Gewalt helfen soll, einen gemeinsam mit dem Täter geschlossenen Mietvertrag einfacher auflösen zu können. Wicher sieht darin einen wichtigen Schritt, dem nun Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt folgen müssen. Er mahnt: „Echte Gleichberechtigung braucht politische Entscheidungen, die Frauen schützen, stärken und absichern – nicht nur am 8. März, sondern an jedem Tag des Jahres.“
