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Inklusion – Gesellschaft – Arbeitsmarkt

Brummende Konjunktur und sinkende Arbeitslosenzahlen – doch behinderte Menschen bleiben von dem Trend abgekoppelt. Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband SoVD Hamburg ist besorgt und begrüßt, dass der SoVD den Vorsitz im Deutschen Behindertenrat übernimmt.

„Wir werden die Themen, die Menschen mit Behinderungen bewegen, auf die Agenda setzen!“, erklärte der SoVD-Präsident Adolf Bauer zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am vergangenen Sonntag in Berlin. Bauer übernahm an diesem Tag den Vorsitz im Sprecherrat des Deutschen Behindertenrats (DBR) für das Jahr 2018. Der DBR ist ein Aktionsbündnis aus über 140 Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen und repräsentiert mehr als 2,5 Millionen Betroffene in Deutschland. 

Der Hamburger SoVD-Landesvorsitzende Klaus Wicher hofft, dass Bauer in dieser Zeit viel bewegen kann. „Vor allem auf dem Arbeitsmarkt muss viel mehr getan werden, um Behinderten eine Chance zu geben, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen“, so Wicher. Zwar sei in Deutschland die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen seit 2007 kontinuierlich von 15,8 Prozent auf zuletzt 12,4 Prozent gesunken (Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktbericht November 2017), dennoch gelänge es den 171.000 arbeitslosen schwerbehinderten Menschen deutlich schlechter als Nichtbehinderten, einen Job im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Zudem würden die meisten Arbeitsplätze nach wie vor von staatlichen Institutionen vergeben; in der freien Wirtschaft hätten behinderte Menschen nur wenig Perspektiven. Insbesondere in den jüngeren und mittleren Altersgruppen ist der Anteil Langzeitarbeitsloser bei den schwerbehinderten Menschen höher als bei den nicht-schwerbehinderten Menschen. 

Genau diese Problematik ist es, die auch Bauer umtreibt: „Die Arbeitslosigkeit der Menschen mit Behinderungen bleibt besorgniserregend.“ Um hier nachhaltig Veränderungen anzustoßen, will Bauer die Forderungen und Interessen dieser Menschen stärker in der Bundespolitik thematisieren. So müsse die Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die trotz Gesetzesvorgabe keine behinderten Menschen einstellen, erhöht werden. Zugleich brauche es Initiativen für Langzeitarbeitslose. „Die müssen gezielt auch behinderte Menschen einschließen“, fordert Bauer. 

Klaus Wicher fehlt es zudem an Offenheit und Bereitschaft der Gesellschaft, Menschen mit Handicap besser zu integrieren. Es gebe immer noch zu viele Vorurteile: „Hier sehe ich noch große Defizite, die verhindern, dass die Potenziale, die diese Menschen haben, richtig gesehen werden.“

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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