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Hohe Mieten verschärfen soziale Spaltung

Die Wohnungsfrage wird immer mehr zum sozialen Problem. Vor allem für Geringverdiener, Rentner, Alleinerziehende sowie Menschen mit Behinderungen wird die Jagd nach bezahlbarem Wohnraum zum Konkurrenzkampf. In einem neuen Gutachten legt der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) jetzt eine Bestandsaufnahme der Situation in Deutschland vor – auch in Hamburg wird die Lage immer brisanter.

Die Mietpreisentwicklung vertieft die soziale Spaltung in Deutschland. Eine neue, vom SoVD in Auftrag gegebene Untersuchung, hat festgestellt, dass die ärmsten zehn Prozent aller Haushalte wenig bis gar nicht von der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland profitieren. Für sie wird Wohnen immer mehr zum existenziellen Problem: „Armutsgefährdete und einkommensschwache Haushalte werden stark durch Mieten belastet“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer in Berlin. Die Folgen sind für die Betroffenen bedrückend: „Über eine Million Haushalte fallen durch die Miete unter Hartz-IV-Niveau“, so Bauer. Er fordert von der Politik ein umfassendes Investitionsprogramm für die öffentliche Wohnungsbauförderung.

Für den Hamburger SoVD-Landesvorsitzenden Klaus Wicher geht diese Forderung nicht weit genug. Er macht sich große Sorgen um die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt: „Hamburg ist als Großstadt sehr attraktiv, hier ist bezahlbarer Wohnraum besonders knapp.“ Wicher wendet sich deshalb jetzt an den Hamburger Senat: „Grundsätzlich muss auch unsere Hansestadt das Ruder in die Hand nehmen. Wir brauchen hier jedes Jahr 5.000 neue Sozialwohnungen, um ausreichend bezahlbaren Wohnraum für die Zukunft breit stellen zu können.“

Die Zahl der Sozialwohnungen in Hamburg ist zwischen 2011 und 2016 von 10,8 auf 8,4 Prozent gesunken und hat sich damit von knapp 98.500 auf rund 79.000 Einheiten reduziert. Diese Entwicklung kommt für Wicher nicht überraschend. Deshalb plädiert der Hamburger SoVD-Chef auch für eine Verdoppelung der Bindungsfrist für Sozialwohnungen auf 30 Jahre und schlägt vor, neue Wege bei der Erschließung von Grundstücken für den sozialen Wohnungsbau zu gehen: „Genossenschaften, die SAGA GWG und andere soziale Wohnungsunternehmen brauchen zunächst günstige Grundstücke in Hamburg, die bebaut werden können. Hier könnte die Stadt eigene Flächen in Erbpacht vergeben und würde damit gleich wieder städtisches Eigentum verscherbeln.“

Wie dramatisch die Situation in der Hansestadt ist, zeigen auch die neusten Zahlen einer Obdachlosenstudie der Sozialbehörde. Sie bestätigen die Befürchtungen des SoVD-Landesverbandes, dass mehr als 2.000 Menschen in Hamburg auf der Straße leben. Hinzu kommen .4926 Wohnungslose (Stand: September 2018), die in städtischen Unterkünften leben müssen, weil sie keine Wohnung finden.

SoVD-Gutachten „Wohnverhältnisse in Deutschland. Mietbelastung, soziale Ungleichheit und Armut“

Weitere Informationen rund um das Thema „Gutes Wohnen. Überall! Für alle!“ finden Sie online unter:
www.sovd.de/guteswohnen

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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