Das Plus von über 60 Prozent mehr Genehmigungen im Wohnungsbau im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 ist für Klaus Wicher kein Grund zum Jubeln: „Wir sprechen von 2624 Neubauwohnungen, davon sollen 1200 im Hamburg Standard entstehen. In den ersten sechs Monaten 2025 wurde also gerade mal ein Viertel davon auf den Weg gebracht. Ich denke nicht, dass der Senat sein Klassenziel von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreichen wird!“
Die seit Jahren stockende Bautätigkeit habe sich inzwischen deutlich sichtbar auf den Bestand an Sozialwohnungen in der Stadt ausgewirkt: „Noch vor zehn Jahren gab es in Hamburg 81.767 Sozialwohnungen. Ich hoffe, dass der neue Hamburg Standard und die neue Bauordnung den Wohnungsbau in diesem Segment ankurbelt. Zu einem Bauboom wird dies aber wohl nicht führen. Das müssen wohl die Genossenschaften und die Städtische SAGA übernehmen“, meint Wicher.
Die neuen Zahlen zu den Baugenehmigungen sagten außerdem nichts dazu aus, ob die neuen Wohnungen tatsächlich im Drittelmix gebaut und im niedrigen Preissegment angeboten werden. Wicher plädiert für Verbindlichkeit: „Bauherren, die von den verschlankten Bauvorschriften und dem niedrigeren Baustandard profitieren, sollten etwas zurückgeben und neue Wohnungen, zumindest für eine gewisse Zeit, zum günstigen Preis vermieten.“
Der SoVD-Landeschef erinnert an die sich verändernden Bedarfe beim Wohnen in der Stadt: „Voraussichtlich werden in den nächsten zehn Jahren zu den derzeit rund 347.000 Senior:innen mehr als 75.000 über 65-Jährige hinzukommen. Wenigstens die Hälfte davon bezieht lediglich eine Rente bis 1.000 Euro. Diese Menschen brauchen günstigen und barrierefreien Wohnraum und davon gibt es nicht genug in der Stadt!“ Ohne Engagement seitens der Stadt, mehr noch des Bundes, werde das Angebot an Wohnungen weiter klein und teuer bleiben: „Bezahlbare Wohnungen zu bauen, ist gerade ohne deutliche öffentliche Förderung gar nicht mehr möglich“.
