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Grundsicherung in Hamburg: Wenig Chance auf Teilhabe

Mit Blick auf die steigende Zahl älterer Menschen, die staatliche Hilfe benötigen, weil die eigene Rente nicht zum Leben reicht, fordert SoVD-Landeschef Klaus Wicher eine Anpassung der Regelsätze, die sich am wirklichen Bedarf orientiert.

Die Zahl der Bezieher von Grundsicherung im Alter ist in Hamburg um vier Prozent gestiegen. Ende des vergangenen Jahres registrierte das Statistikamt Nord knapp 27.600 Männer und Frauen, die diese Leistung bezogen haben und damit ihre Altersrente aufstocken mussten. 75 Prozent erhielten die Hilfe ergänzend zur Altersrente. Für Klaus Wicher, Hamburger Vorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD), ein Alarmsignal, das nicht ungehört verhallen darf: „Auf uns rollt eine immer größer werdende Welle an Älteren zu, die trotz eines jahrzehntelangen Berufslebens nicht mehr von ihrer Rente leben können.“

Für sie sei es besonders hart, nach einem langen Arbeitsleben auf die Grundsicherung angewiesen zu sein: „Man arbeitet Jahrzehntelang und kann sich am Ende des Tages nichts mehr leisten, das ist bitter“, so Wicher. Er kritisiert die Neuberechnung der Regelsätze scharf: „Hier wird aus meiner Sicht eine Gruppe von Menschen von der Teilhabe ferngehalten. Wer Grundsicherung bekommt, muss jeden Cent dreimal umdrehen und kann an vielem nicht teilnehmen. Besonders schlimm ist, dass die Betroffenen keine Chance auf digitale Teilnahme haben. Und die wird für die Älteren immer bedeutsamer.“

Die langanhaltende Corona-Pandemie werde vor allem auch die Situation für Berufstätige in den unteren Einkommensgruppen verschärfen: „Kurzarbeit oder gleich der Jobverlust stürzt Menschen, die wenig verdienen, direkt in finanzielle Nöte. Alleinerziehende waren durch Homeschooling beruflich sehr stark herausgefordert, nicht jeder Arbeitgeber hatte Verständnis dafür. Solo-Selbstständige hatten keinerlei Einkünfte, das bedeutet für viele, dass sie ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlen konnten und Rücklagen aufbrauchen mussten. Ältere Arbeitnehmende waren oft die ersten, die gekündigt wurden. Für all diese Menschen hat sich gerade mal kurz die Perspektive auf das Leben im Alter verschoben. Ich befürchte, dass viele von ihnen ebenfalls so wenig Rente haben werden, dass die Grundsicherung für sie zur Option wird. Langfristig müssen wir das Thema Arbeit, aber auch die Absicherung für ein gutes Leben im Alter, neu definieren und aufstellen.

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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