Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitglieder,
der Internationale Frauentag am 8. März erinnert alljährlich daran, wie weit Anspruch und Wirklichkeit noch auseinanderliegen. Auch in Hamburg ist Armut weiblich. Frauen sind deutlich häufiger armutsgefährdet als Männer – insbesondere Alleinerziehende und ältere Frauen. Rund jede fünfte Frau in unserer Stadt gilt als armutsgefährdet, bei Alleinerziehenden sind es sogar weit über 40 Prozent. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller Benachteiligung: niedrigere Löhne, Teilzeit und Minijobs, unbezahlte Sorgearbeit sowie unterbrochene Erwerbsbiografien führen direkt in finanzielle Unsicherheit – oft bis ins Alter. Frauenarmut ist politisch gemacht und kann politisch bekämpft werden. Doch dafür braucht es mehr als wohlmeinende Bekenntnisse. Wir brauchen existenzsichernde, transparente Löhne, eine armutsfeste Rente, eine bessere Absicherung von Care-Arbeit und eine soziale Infrastruktur, die ihren Namen verdient.
Wie dramatisch die Lage in sozial benachteiligten Quartieren ist, zeigt sich aktuell auch in Steilshoop. Die Schließung der vorletzten, verbliebenen Arztpraxis und die daraus resultierende unzureichende Gesundheitsversorgung treffen den Stadtteil besonders hart. Wer wenig Geld hat, kann Versorgungslücken nicht einfach kompensieren. Gesundheit darf kein Luxus sein – sie ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und muss für alle erreichbar bleiben. Gerade in Stadtteilen mit niedrigem sozialem Status fehlt es an allgemein- und fachärztlicher Versorgung, was gesundheitliche Ungleichheiten verstärkt. Menschen mit geringem Einkommen sind häufiger krank, früher pflegebedürftig und versterben früher. Politik und ärztliche Selbstverwaltung müssen diesen strukturellen Missstand anerkennen und endlich dafür sorgen, dass sozial benachteiligte Quartiere – nicht nur auf dem Papier – mit Gesundheitszentren und Arztsitzen ausgestattet werden, wie wir es bereits seit langem eindringlich fordern.
Soziale Gerechtigkeit ist keine Randfrage, sondern Grundvoraussetzung für eine solidarische Gemeinschaft. Als SoVD werden wir weiter Druck machen – laut, klar und unbeirrt.
Ihr Klaus Wicher
Landesvorsitzender
