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Gleichberechtigung – nicht gleich, sondern sofort!

Rund 100 Gäste gratulierten im Bürgersaal Wandsbek zum 100-jährigen Jubiläum der Frauen im SoVD – und diskutierten zum Thema Gleichberechtigung. Die Zweite Bürgermeisterin Hamburgs Katharina Fegebank forderte ihre Geschlechtsgenossinnen zu mehr Wertschätzung der eigenen Person auf und bekannte sich zur Frauenquote im Arbeitsleben.

Susanne Langhagel, Landesfrauensprecherin Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg, blickte zunächst zurück auf das Gründungsjahr 1919 und die erste Wahl, an der Frauen teilnehmen durften: „Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Leider blieb dies für eine lange Zeit der einzige große Erfolg, noch bis in die 70er-Jahre hatten Frauen keine Rechte und eigentlich nichts zu sagen.“ Dass die Gleichberechtigung nicht weiter ist, zeigt sich für sie vor allem im Arbeitsleben: „Frauen verdienen bei gleicher Arbeit weniger und sind viel zu oft in schlecht bezahlten Teilzeit- und Minijobs beschäftigt. Immer noch ist es normal, dass Frauen Angehörige pflegen und dafür den eigenen Job vernachlässigen. Immer noch gibt es Frauen, die keine Mütterrente bekommen und immer noch sind zu viele von ihnen Opfer häuslicher Gewalt.“ 

Klaus Wicher, Hamburger SoVD-Landeschef, unterstützte die Landesfrauensprecherin: „Bei uns müssen sich Frauen ihren Platz immer noch mit viel Einsatz erstreiten. In nur 16,7 Prozent der größten Börsenunternehmen sitzen mindestens zwei Frauen im Vorstand. Das ist eine Verschwendung von Fähigkeiten und Talenten, von Potenzialen und Kompetenzen. Das sollten und dürfen wir uns nicht länger leisten!“ Wicher fordert auch aus diesem Grund: „Erwerbs-, Erziehungs- und Hausarbeit muss gleichberechtigt und gerecht zwischen Frauen und Männern aufgeteilt sein. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts in eine bestimmte Rolle oder Aufgabenverteilung gedrängt werden.“

Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, erinnerte an die vier Mütter des Grundgesetzes, die 1948, gegen anfangs heftigen Widerstand aus eigenen Reihen, die Aufnahme von Artikel 3 Abs. 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das bundesdeutsche Grundgesetz durchsetzten. Trotzdem sei der Kampf für mehr Gleichberechtigung auch heute noch ein Thema: „Wir sind immer noch weit davon entfernt, dass Frauen die Hälfte der Macht haben. Wir diskutieren deshalb gerade die Idee eines Parité-Gesetzes.“ Eine ganz große Herausforderung ist für die Zweite Bürgermeisterin dabei die Digitalisierung unserer Lebens- und Arbeitsbereiche: „Wir haben Diskriminierung von Frauen in der realen, analogen Welt. Ich sehe die große Gefahr, dass sich das eins zu eins in die digitale Welt überträgt. Im Bereich soziale Medien, Programmierung, Tech- und IT-Berufe existiert eine absolut männerdominierte Welt. Dort müssen verstärkt Frauen rein, um das zu durchbrechen!“

Mehr Selbstbewusstsein und mehr Selbstwertgefühl – das sollten sich Frauen auf jeden Fall zulegen, war der Tenor der Podiumsdiskussion, die anschließend stattfand. Moderiert von der Journalistin Sabine Rheinhold sprachen Frauen in Führungspositionen über die Gleichberechtigung. Im Austausch mit der Hamburger DGB-Vorsitzenden Katja Karger, der Landesverbandsvorsitzenden für Hamburg/Schleswig-Holstein des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU) Birgitt Ohlerich, der Vorsitzenden des Präsidiums der AWO Hamburg Jutta Blankau, der Leiterin des Kirchlichen Diensts in der Arbeitswelt (KDA) der Nordkirche Gudrun Nolte und der SoVD-Bundesfrauensprecherin Edda Schliepack wurde deutlich, dass die ungleiche Behandlung von Frauen fast schon Gewohnheit ist. Hier wünschten sich alle mehr Gegenwehr: „Man kann sich nicht nur beschweren, jede einzelne Frau kann aktiv etwas gegen Ungleichbehandlung tun.“ Dabei sei die Digitalisierung nicht nur eine Gefahr, verkrustete Denkweisen zu verfestigen, sondern biete andererseits auch neue Chancen für Frauen, in klassisch dominierte Männerberufe zu kommen.

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„Gleichstellung von Mann und Frau: Aktuelle Herausforderungen“, Statement von Katharina Fegebank

„Geschlechtergerechtigkeit: Eine Frage der Demokratie“, Statement von Klaus Wicher

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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