In Steilshoop ist die medizinische Grundversorgung faktisch zusammengebrochen. Denn in einem der bevölkerungsreichsten Stadtteile Hamburgs ist für rund 20.000 Menschen aktuell nur noch eine einzige Hausarztpraxis erreichbar – und diese ist nicht barrierefrei. Der SoVD in Hamburg fordert ein entschiedenes Umsteuern in der Bedarfsplanung.
Die medizinische Unterversorgung in Steilshoop ist längst Realität – trotz einer von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) festgestellten statistischen Überversorgung mit Hausärzt:innen in Hamburg insgesamt sowie im Umkreis von drei Kilometern. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität. Für sie stellen weite Wege in andere Stadtteile oft eine kaum zu überwindende Hürde dar. „Gerade in sozial benachteiligten Quartieren wie Steilshoop ist eine wohnortnahe medizinische Versorgung unverzichtbar“, betont der Hamburger SoVD-Landesvorsitzende Klaus Wicher. „Gesundheit ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht vom Wohnort abhängig sein.“
Problematisch ist aus Sicht des SoVD vor allem die derzeitige Versorgungsplanung. Die statistisch festgestellte Überversorgung basiert auf Durchschnittswerten, welche die Lebensrealität in einzelnen Stadtteilen ausblenden. „Wenn Menschen vor Ort keinen Arzt finden, hilft ihnen keine Statistik“, stellt Wicher klar. „Eine rein rechnerische Betrachtung wird der tatsächlichen Bedarfslage nicht gerecht.“
Der SoVD Hamburg fordert deshalb eine grundlegende Neuausrichtung der Gesundheitsplanung. Hamburg muss künftig wie Berlin in mehrere Versorgungsbezirke unterteilt werden, um soziale Unterschiede, Altersstrukturen und konkrete Bedarfe besser zu berücksichtigen. Zudem braucht es Gesundheitszentren in benachteiligten Stadtteilen. Die Idee eines lokalen Gesundheitszentrums (LGZ) für Steilshoop gibt es bereits seit 2019. Doch die Umsetzung kommt nicht voran. Wicher verweist auf den aktuellen Hamburger Doppelhaushalt, der für das Jahr 2026 ein Gesamtvolumen von 22,4 Milliarden Euro vorsieht – davon rund 5,5 Milliarden Euro für den Bereich Gesundheit und Soziales. „Am Geld liegt es nicht in einer so reichen Stadt wie Hamburg“, so Wicher. „Wir brauchen eine Kassenärztliche Vereinigung, die ihren Sicherstellungsauftrag erfüllt, eine Versorgung, die sich am Menschen orientiert, und eine Politik, die Verantwortung übernimmt.“
