Direkt zum Inhalt springen

Fehlerhafte Pflegegrad-Einstufungen

Pflegebegutachtung sollte immer persönlich erfolgen

Auf dem Bild sieht man eine Nahaufnahme von zwei Händen, die sich halten. Eine Hand gehört zu einer älteren Person, die in einem Rollstuhl sitzt und ein gestreiftes Hemd trägt. Die andere Hand gehört zu einer jüngeren Person, die Pflege leistet. Im Hintergrund ist das Gesicht der älteren Person leicht unscharf zu erkennen, sie scheint zu lächeln.

Die Einstufung des Pflegeaufwands durch den Medizinischen Dienst (MD) entspricht immer öfter nicht den wahren Bedarfen der Menschen, ist sich Klaus Wicher, Vorsitzender Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg, sicher: „Aus unserer Sozialrechtsberatung wissen wir: die Grauzone derer, die sich nicht wehren können oder wollen, ist noch deutlich größer!“

Fachkräftemangel und eine steigende Zahl an Pflegebedürftigen haben dazu geführt, dass die Einstufung des Pflegegrads oftmals nicht persönlich vom MD vorgenommen werden kann: „Es gibt viel zu wenig Gutachter:innen. Die Alternative, nämlich die Beurteilung nach Telefoninterview bzw. Aktenlage, führt leider häufiger dazu, dass die Pflegesituation nicht richtig eingeschätzt werden kann. Wir merken immer wieder, dass die Vor-Ort-Termine existenziell wichtig sind“, berichtet er. 

In vielen Fällen wenden sich Betroffene und Angehörige dann an den Hamburger SoVD, der gegen die Beurteilung schriftlich Widerspruch einlegt. Das waren 2022 fast zehn Prozent: „Die Folgen sind auf jeden Fall lange, zermürbende Wartezeiten, teils sind es Monate, wenn nicht Jahre. Unabhängig davon, ob es um die Einstufung in einen Pflegegrad oder um Pflegesach- oder Kombinationsleistungen geht – wer widerspricht, muss einen langen Atem haben.“ 

Sorgen bereitet Wicher, dass sich zu wenige Senior:innen gegen die Einstufung des MD wehren, obwohl sie gute Grund dazu haben: „Wer täglich Hilfe und Unterstützung braucht, hat selten noch die Kraft, gegen solche Bewertungen, die ohne persönliche Inaugenscheinnahme stattfinden, vorzugehen. Wenn das nicht die Angehörigen – oder auch der SoVD – übernehmen, werden alte Menschen, die Pflege brauchen, sich selbst überlassen. Am Ende könnte dies dazu führen, dass sie keine Unterstützung beantragen. Das wäre äußerst fatal!“

Aus Sicht des Hamburger SoVD-Vorsitzenden müssten gesundheitliche Gutachten immer persönlich erfolgen: „Wir fordern, dass die Untersuchung Pflegebedürftiger in häuslicher Umgebung und aufsuchende Beratungsbesuche wieder zur Regel werden!“ 

 

Der SoVD Hamburg (Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg e.V.) ist ein gemeinnütziger Verein, in dem rund 28.000 Mitglieder organisiert sind. Damit ist der SoVD die größte sozialpolitische Interessenvertretung in der Hansestadt. Seine Mitglieder berät der SoVD sozialrechtlich zu Fragen rund um die Themen Rente, Kranken- und Pflegeversicherung, Schwerbehindertenrecht, Grundsicherung und Arbeitslosenversicherung. In Widerspruchs- und Klageverfahren übernimmt er ihre sozialrechtliche Vertretung.

Presse-Material

 

Kontakt
Susanne Rahlf
Pressesprecherin SoVD Hamburg
Telefon: 0151 44545693
E-Mail: presse@sovd-hh.de

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
Top bewertet bei Google
4,0 von 5 ★★★★★
300 Bewertungen