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Energiekrise: Wärmegeld statt Wärmehallen

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert für fast jeden vierten deutschen Haushalt eine drohende „Energiearmut“ durch die steigenden Preise. „In Hamburg waren davon im vergangenen Jahr schon rund 250.000 Haushalte und 450.000 Menschen betroffen“, warnt Klaus Wicher, Hamburger SoVD-Landesvorsitzender. Hamburg sollte aber nicht die Pläne anderer Städte, im Winter Wärmehallen für Arme und Bedürftige vorzuhalten, aufnehmen. Stattdessen bräuchten die Betroffenen eine monatliche Unterstützung in Form eines Wärmegeldes.

Wer mehr als zehn Prozent des Nettoeinkommens für Energie, für Heizen, Warmwasser, Kochen und Strom bezahlen muss, gilt als energiearm. „Hohe Energiepreise treffen besonders Geringverdienende, Rentner:innen, Auszubildende, Studierende, Alleinerziehende und Haushalte mit Schulden. Für sie werden Heiz- und Stromkosten zu einer hohen Belastung im Winter“, warnt Wicher. Es sei keine Lösung, für die Betroffenen Wärmehallen vorzuhalten: „Wärmehallen stigmatisieren Menschen als arm und wären in der nächsten Pandemiewelle ein Hotspot für Ansteckungen. Das ist absurd.“

Hier sei der Staat und die Stadt Hamburg gefragt: „Wir brauchen zusätzliche Hilfspakete, um durch Energiepreispauschale und Heizkostenzuschüsse vor allem Haushalte mit kleinen Einkommen zu entlasten“. Wicher kritisiert, dass die Bonuszahlung an Minijobber:innen, Auszubildende ohne Vergütung, Studierende aber auch Rentner:innen bisher vorbeigegangen sind. Er prophezeit: „Die Energiearmut wird auch die Mittelschicht erreichen – und zwar schneller und schmerzhafter als gedacht!“ Vor allem in Haushalten, die zwischen 60 und 80 Prozent des Medianeinkommens erreichen, steigt laut IW Studie die Gefahr von Energiearmut. Ihr Anteil in dieser Einkommensklasse verdoppelte sich von 2021 bis Mai 2022. Wicher fordert: „Wir brauchen auch hier – wie für Unternehmen – eine stabile Lösung, die den Menschen Versorgungssicherheit für die Zukunft gibt.“

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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