Drei Fragen an Marit Hofmann, Leitung des DRK-Zentrums Osdorfer Born, zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit und den geplanten Kürzungen im Hamburger Haushalt. Der Spielhafen im DRK-Zentrum Osdorfer Born bietet unterschiedlichste Aktivitäten für Kinder und Jugendliche.
Frau Hofmann, wie geht es den Kindern und Jugendlichen am Osdorfer Born, die nach der Schule zu Ihnen in den Spielhafen kommen?
Viele Kinder fragen sofort bei ihrer Ankunft nach Essen. Wir stellen fest, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unterversorgt sind. Sie sind oft gestresst und wollen zur Ruhe kommen, sich mit Freund:innen treffen, aber auch kreativ werden, sich bewegen und Spaß haben – einfach Kind sein. Einige haben Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht. Dass viele Familien aus unterschiedlichsten Herkunftsländern durch Armut und gestiegene psychische Belastungen unter Druck stehen, merkt man auch den Kindern an.
Was bedeuten die geplanten Kürzungen des Senats im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit aus Ihrer Sicht für die Kinder und für unsere Gesellschaft?
Die Kürzungen gefährden das Kindeswohl und die Zukunft junger Menschen. Sie widersprechen den von Fachkräften, Trägern und Verbänden gemeldeten Bedarfen, den Kinderrechten und den Empfehlungen der Behörde. Seit Jahren ist die Kinder- und Jugendarbeit unterfinanziert. Werden niedrigschwellige Angebote weiter abgebaut, dann verlieren Kinder wichtige Schutz-, Bildungs- und Beteiligungsräume, die sozialen Probleme verschärfen sich, die Folgekosten steigen. Wer bei Kindern und Jugendlichen spart, gefährdet gesellschaftlichen Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit.
Was bräuchten Kinder und Jugendliche im Sinne von Chancengerechtigkeit und Teilhabe in Hamburg?
Chancengerechtigkeit beginnt damit, die Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu sichern. Wer hungrig ist, kann nicht gut lernen oder seine Freizeit aktiv gestalten. Zudem braucht es niedrigschwellige Treffpunkte mit kompetenten Vertrauenspersonen sowie sichere Orte ohne Leistungsdruck, an denen Kinder mitbestimmen und ihre Stärken entdecken können. Ebenso wichtig sind Ausflüge und Reisen, die neue Erfahrungen ermöglichen und Zukunftsperspektiven eröffnen. Für all das steht die Offene Kinder- und Jugendarbeit, die dringend gefördert werden muss.
