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Der SoVD hakt nach: Geben zahlt sich bis heute nicht aus

Drei Fragen und Ant­worten mit Susanne Lang­hagel, SoVD Hamburg.

Drei Fragen und Antworten mit Susanne Langhagel, Vorsitzende des Landesfrauenausschusses und Landesfrauensprecherin SoVD Hamburg, zum Internationalen Frauentag 2026.

Der internationale Frauentag 2026 steht unter dem Motto „Give to gain – Geben, um zu gewinnen“. Frauen leisten jeden Tag enorme Sorgearbeit. Warum zahlt sich dieses Geben für viele Frauen bis heute nicht aus?

Dass eine Frau in Deutschland den Großteil unbezahlter Sorgearbeit übernimmt, ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Eine Frau leistet täglich 1 Stunde und 16 Minuten mehr als der Partner, bei Partnerschaften mit Kindern ist der Anteil 57 Prozent, ohne Kinder 37 Prozent. 43 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten deshalb in Teilzeit. Dadurch entstehen erhebliche Lücken in der Erwerbsbiographie. Eine rentenrechtliche Anerkennung von Sorgearbeit gibt es noch nicht. Die Folge: Altersarmut.

Was sind Stellschrauben im System?

Wenn man Gleichstellung und eigenständige Existenzsicherung für Frauen möchte, muss man gesetzliche, tarifliche und betriebliche Rahmenbedingungen verändern. Maßnahmen wie die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V sowie des Ehegattensplittings zu Gunsten der Individualbesteuerung wären ein wichtiges Signal und können eine fairere Verteilung von Sorgearbeit bringen. Und vor allem müssen Männer darin unterstützt werden, mehr Sorgearbeit zu übernehmen.

Der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt ist seit vielen Jahren ein Dauerthema – auch in Hamburg. Was bringt das neue Gewalthilfegesetz?

Fast jeden Tag begeht in Deutschland ein Mann einen Femizid, d.h., er tötet eine Frau aufgrund ihres Geschlechts. In Hamburg ist die Gewalt gegenüber Frauen mit über 3.300 Fällen von häuslicher Gewalt weiter gestiegen. Die 251 Plätze in den 7 Hamburger Frauenhäuser reichen bei weitem nicht aus. Das neue Frauenhaus Kumi nimmt Frauen mit psychischen Erkrankungen auf, doch leider keine Kinder. Gemäß der Berechnung nach der Istanbul-Konvention müsste Hamburg 477 Plätze anbieten. Aufgrund von Platzmangel sind viele Frauen gezwungen, gegen ihren Willen in andere Städte zu gehen. Die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes dauert für viele Frauen zu lange. Erst ab 2027 soll der weitere Ausbau des Hilfesystems seitens der Behörden erfolgen. Das muss schneller gehen.

SoVD Sozialverband Deutschland e.V., Landesverband Hamburg
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