Klaus Wicher, Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland, SoVD-Landesverband Hamburg e.V., ist entsetzt darüber, dass Kinder und Jugendliche in Hamburg nicht satt werden: „Vor allem Eltern mit kleinen Einkommen spüren seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs, dass sie weniger ausgeben können. Da spürt man sogar eine kleine Erhöhung des Essensgeldes in der weiterführenden Schule sehr deutlich. Die Stadt muss diese Umstände ernst nehmen – das Schulmittagessen sollte für alle kostenlos sein. Außerdem sollte die zuständige Senatorin Ksenija Bekeris anerkennen, dass immer mehr hungrige Kinder nachmittags in die Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt kommen!“
Direkt vor Beginn der Sommerferien erreichte die Eltern der weiterführenden Schulen die Nachricht, dass das Mittagessen für sie um 30 Cent teuer wird: „Das mag sich wenig anhören, kommt aber auf die 4,70 Euro drauf, die die Eltern nicht bedürftiger Kinder pro Tag zahlen müssen. Diejenigen, die nur kurz über der Bemessungsgrenze liegen, das sind oft Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern, geben schon jetzt für das Schulessen knapp 100 Euro pro Person pro Monat aus“, so Wicher.
Die Erhöhung des Essengeldes sei nur ein kleiner Baustein im insgesamt teurer werdenden Leben der Betroffenen: „Die anhaltend hohen Preise sorgen dafür, dass immer mehr Eltern mit kleinen Einkommen nicht mehr so viele gute und gesunde Lebensmittel kaufen können – vor allem Obst und Gemüse sind teuer“, sagt der Hamburger SoVD-Chef.
Wie groß der Hunger bei Hamburgs jüngsten Einwohner:innen ist, berichten ihm die Verantwortlichen aus den Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt: „Allein aus den Reihen des Vereins Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V. (KJHH) hören wir, dass es in den 20 eigenen Einrichtungen – aber auch aus den Kinder- und Jugendhäusern und der Ombudsstelle – eine massive Zunahme an Kindern gibt, die hungrig dort ankommen. Diese Einrichtungen übernehmen eine überaus wichtige Aufgabe in der Versorgung und Unterstützung von jungen Menschen – sie brauchen darum zwingend eine bessere finanzielle Ausstattung!“ Dazu zählt für Wicher auch ausreichend Fachpersonal: „Allein bei der OKJA fehlt bei jedem zweiten Angebot die zweite Stelle! Das behindert die pädagogische Arbeit und untergräbt mühsam aufgebaute Kontakte zu den jungen Menschen. Für viele sind diese Angebote ein zweites Zuhause!“
Wicher empfiehlt der Stadt, sich bei der Förderung junger Menschen deutlich sichtbarer zu engagieren: „Diese junge Generation ist unsere Zukunft! Junge Menschen, die benachteiligt sind, brauchen die Chance auf Teilhabe und Angebote, die sich flexibel anpassen, wenn die Umstände sich ändern. In Hamburg wächst jedes vierte Kind in Armut auf. Hamburg kann es sich leisten, allen gerechte Chancen auf Bildung und Teilhabe zur Verfügung zu stellen. Alle jungen Menschen in der Stadt müssen eine gute Zukunft haben können!“
