Wenn der Advent Einzug hält in der Hansestadt, leuchtet es in den Straßen und Fenstern, Weihnachtsmärkte und Einkaufsläden sind überfüllt – doch für viele Menschen bleibt die Weihnachtszeit ein stilles, sorgenvolles Kapitel. Für ältere Menschen, Alleinerziehende, Kinder und Jugendliche sowie Langzeitarbeitslose wird Weihnachten oft zum Symbol dafür, was ihnen fehlt: finanzielle Sicherheit, soziale Kontakte, Teilhabe.
Gerade die Winter- und Weihnachtszeit geht die Schere weiter auseinander zwischen jenen, die mit verlässlicher Gemeinschaft rechnen können, und denen, die sich allein gelassen fühlen – sei es, weil Angehörige fehlen, Mobilität eingeschränkt ist oder schlicht: das Geld zu knapp. Die soziale Isolation wird durch niedriges Einkommen verstärkt.
Wer wenig Geld hat, kann Geschenke, Weihnachtsmärkte, Besuche oder Ausflüge nicht finanzieren. Für armutsgefährdete Kinder und Jugendliche und ihre Eltern ist dies eine starke Belastung. Betroffen ist in Hamburg fast jedes vierte Kind. Alleinerziehende sind zudem eine der Gruppen mit der höchsten Armutsgefährdung – in Hamburg liegt der Anteil bei etwa 43 Prozent. „Bei der Bekämpfung von Armut hat die Stadt ihre Hausaufgaben bis heute nicht anständig gemacht“, meint Wicher. „Wir plädieren seit langem für ein Familiengeld. Eltern mit kleinem Einkommen hätten damit die Chance, ihren Kindern Geschenke unter dem Tannenbaum, den Besuch eines Weihnachtsmärchens, Bildung und bessere Lebens- und Teilhabeperspektiven zu ermöglichen.“
Doch auch viele ältere Menschen haben Sorgen in der Weihnachtszeit. Wer sozial isoliert ist, spürt besonders an den Feiertagen Traurigkeit und Leere statt Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund betont Wicher die wichtige Rolle von Seniorenzentren in den Quartieren – als Treffpunkt für Beratung, Begegnung, gemeinsames Essen, Hausbesuche und niedrigschwellige Angebote: „Weihnachten sollte für niemanden die Zeit besonders stark empfundener Ausgrenzung sein“, so Wicher. „Es braucht mehr kostengünstige Strukturen, die Menschen zusammenbringen. Ein Seniorenzentrum im Stadtteil kann in der Adventszeit Treffpunkt sein – mit Kaffee und Kuchen zu kleinem Preis oder kostenfrei und einem gemeinsamen Weihnachtsprogramm.“ Essenziell sei in dem Zusammenhang auch die Einführung des kostengünstigen Seniorentickets für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). „Das muss angesichts der unverhältnismäßigen Preiserhöhung des HVV jetzt schnell umgesetzt werden“, meint Wicher. „Die Erhöhung um 5,4 Prozent trifft vor allem diejenigen, die ihr Ticket nicht digital bezahlen beziehungsweise kein Monats Abo haben. Das sind vor allem Menschen mit kleinen Einkommen und Ältere, die sich mit dem Ticketkauf per App nicht auskennen.“ Der SoVD Hamburg fordert vom Senat darüber hinaus die Einführung eines „Ortszuschlags“ zur Grundsicherung im Alter, damit Lebenshaltung, Wohnen und Mobilität in der Großstadt auch bei geringer Rente gewährleistet sind. „Wir haben auf dem Hamburger Armutsgipfel am 15. Oktober viele Problemlagen und Lösungsansätze diskutiert, doch am Ende braucht es den politischen Willen, Armut effektiv bekämpfen zu wollen“, sagt Wicher. „Als SoVD Hamburg stehen wir bereit, um mit Senat und Bürgerschaft Ausstiegsszenarien zu entwickeln und Wege aus der Armut zu ebnen.“
Doch aus Wichers Sicht braucht es besonders in der Weihnachtszeit auch eine gute Nachbarschaft: „Wir können Einsamkeit nur gesamtgesellschaftlich bekämpfen. Jede:r kann aktiv unterstützen, indem er oder sie Menschen in der Nachbarschaft anspricht, die wenig Kontakte haben. Freiwillige Unterstützung kann helfen, dass aus einem ,einsamen Heiligabend ein gemeinsamer wird.“
