Pflege wird in Hamburg immer mehr zum Thema: „Neue Zahlen des Statistikamtes Nord belegen eine deutliche Entwicklung zu mehr Betreuten, denn die Boomer-Generation wird alt und braucht in Zukunft deutlich mehr pflegerische Unterstützung. Die Stadt muss darum für bessere Bedingungen für Mitarbeitende und damit auch für Pflegebedürftige sorgen – sowohl im ambulanten, als auch im stationären Bereich. Ansonsten befürchte ich einen wachsenden Pflegenotstand und einen steigenden Fachkräftemangel, der sich verfestigen wird“, warnt Dr. Sally Peters, Vorständin Sozialverband SoVD Hamburg.
Mehr als 330.000 Einwohner, rund 18 Prozent, sind in Hamburg 65 Jahre und älter. In den kommenden Jahren werden immer mehr von ihnen auf unterstützende Pflege angewiesen sein. Dies zeigen auch neuste Angaben des Statistikamts Nord, wonach die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, die zuhause von ambulanten Pflegediensten betreut werden, im Dezember 2025 um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist: „Noch sind die Zahlen moderat, aber sie werden in der Zukunft aller Voraussicht nach deutlich steigen. Darauf muss Hamburg schon heute reagieren“, mahnt Peters. Sie bezieht sich auf die Prognose des Statistikamts Nord, dass Mitte der 2030er-Jahre etwa 421.000 Personen in der Stadt leben werden, die 65 Jahre und älter sind.
Aktuell sind fast 30.000 Menschen in der Hansestadt auf die Pflege vor Ort angewiesen: „Schaut man genauer hin, zeigt sich aber, dass bei den ambulanten Pflegediensten vor allem die Pflegegrade (PG) 2 und vor allem der pflegeintensivere PG 3 im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen sind. Zum Jahresende 2025 wurden 12.834 Menschen mit Pflegegrad 2 betreut. Den höchsten Anstieg verzeichnete die Gruppe der in PG 3 Eingestuften, zu der in Hamburg 9.207 Menschen betroffen sind. Hier gab es den höchsten Anstieg, mit 14 Prozent mehr Betreuten“, erläutert Peters.
Die pflegerische Betreuung eines Menschen mit PG 3 sei für die Mitarbeitenden der ambulanten Pflegedienste durchaus anspruchsvoll: „Körperpflege, Anziehen, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, medizinische Betreuung, Hilfe bei der Mobilität, Unterstützung bei der Alltagsgestaltung – das sind anspruchsvolle Aufgaben, die immer mehr Menschen in den kommenden Jahren in Anspruch nehmen müssen“, stellt Peters klar.
Die Hamburger SoVD-Vorständin fordert von der Stadt, Pflegedienste stärker bei der Gewinnung von Fachkräften zu unterstützen: „In vielen Branchen können Unternehmen potenzielle Mitarbeitende nicht nach Hamburg locken, weil der Wohnungsmarkt angespannt und bezahlbarer Wohnraum knapp ist. Es ist eindeutig klar – Hamburg muss mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wo bleibt an dieser Stelle der Hamburg-Standard beim Wohnungsbau?“
Zudem müssten ausländische Abschlüsse angemessen einbezogen werden, wenn es um die fachliche Qualifikation gehe: „Dazu gehört unbedingt, Abläufe zu vereinfachen. Die Digitalisierung muss auch an dieser Stelle so ausgebaut werden, dass Pflegekräfte nicht wertvolle Stunden mit der Dokumentation geleisteter Arbeit verbringen, sondern mehr Zeit haben für das Wesentliche – die Betreuung der Menschen.“
