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News & Service

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Sozial bauen? Ja, aber mit einem guten Plan!

Erfolgreich sozial Bauen: Eckdaten des SoVD Hamburg

Hamburg hat definitiv zu wenig Sozialwohnungen. Es gelingt nicht, bezahlbaren Wohnraum in guten Lagen in ausreichendem Maße zu bauen. Der Hamburger SoVD fordert seit langem den Neubau von mindestens 5.000 Sozialwohnungen pro Jahr. 

SoVD-Landeschef Klaus Wicher fragt: „Was ist aus dem Vorhaben der Grünen geworden, in gut situierten Stadtteilen, wie etwa in Blankenese und Volksdorf, bezahlbaren Wohnraum zu erstellen. Platz ist dort genug, es passiert bisher aber wenig bis gar nichts.“ Die Stadt muss zulegen: „In Hamburg sind in den letzten zehn Jahren im Schnitt 2.000 neue Sozialwohnungen gebaut worden. Das reicht bei weitem nicht, um den Bestand dauerhaft zu erhöhen“, sagt Wicher. Vor zehn Jahren gab es in der Hansestadt etwa 250.000 Sozialwohnungen, derzeit sind es nur noch rund 77.000.

Wicher warnt davor, alte Wege weiterzugehen: „In den Metropolen entwickelt sich das ökologische und klimaneutrale Bauen. Das ist auch gut so. Heute will kein Mensch mehr in Wohnburgen in Stadtteilen leben, die nur dafür entstanden sind, möglichst viele Menschen mit kleinem Einkommen unterzubringen. Bestes Beispiel dafür sind Steilshoop oder auch Jenfeld. In der Folge, auch weil die richtige Infrastruktur nicht vorhanden war, entstanden soziale Brennpunkte. Dies müssen wir bei den Planungen für die Zukunft besser machen.“

Nach Ankündigungen der Stadt soll in den kommenden Jahren neuer sozialer Wohnraum verstärkt an den großen Einfallstraßen der Stadt entstehen. Wicher warnt: „An vielen Stellen werden schon jetzt Häuserschluchten hochgezogen. Das sind Bausünden, die später nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Es muss so gebaut werden, dass an diesen Stellen Aufenthaltsqualität entsteht. Dazu gehört eine aufgelockerte Bauweise, besserer Lärmschutz und viel mehr Grün in Hinterhöfen, Parks, vor der Haustür und an den Fassaden. Dazu gehört auch eine gute Infrastruktur mit Cafés, Banken und Sparkassen, Einkaufsmöglichkeiten, ÖPNV-Anschlüssen etc.“

Insgesamt muss die Stadt nicht nur mehr sozial bauen, sondern auch den sozialen Zusammenhalt stärken: „Wir fordern Quartierzentren, in denen alle aus der Nachbarschaft zusammenkommen können und die Informationen und Hilfsangebote vor Ort bieten. Davon hätten vor allem die Älteren etwas, wenn es darum geht, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben und der Einsamkeit und Armut zu entgehen“

Erfolgreich sozial Bauen: Die Eckdaten

Armut entgehen – Chancengleichheit ermöglichen

In Hamburg geht die soziale Schere weiter auseinander. Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, dass beengte Wohnverhältnisse das Ansteckungsrisiko befördern.

Es geht somit nicht nur um den Neubau bezahlbaren Wohnraums sondern ebenso um ausreichend großen Wohnraum, der auch für ärmere Familien erschwinglich ist. Dies ist besonders für Kinder aus benachteiligten Familien notwendig, denn sie müssen sich entfalten und ihre Persönlichkeit ausbilden können. Das Hamburger Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) kann nur als kleine Ergänzung eingefügt werden. Tatsächlich trägt es kaum zur sozialen Entspannung bei.

In schwierigen Wohnlagen bedarf es grundlegender Hilfen, die in Stadtteilzentren bereitgehalten werden müssen. Ähnlich wie in München sind größere Zentren mit einem Komplettangebot für das kleine Portemonnaie in die Planung mit einzufügen. Lesen Sie dazu unsere SoVD-Broschüre QuartierAngebote für eine integrierte Altenhilfe

Milieu erhalten – Umweltverträglichkeit sichern

Gewachsene Strukturen müssen erhalten und gefördert werden. Sie dürfen nicht durch sehr hohe Bauten und schluchtenartiges Zubetonieren von Magistralen zerstört werden.

Menschen müssen sich in ihrem Stadtteil wohlfühlen und sich dort gern aufhalten. Ein positives Beispiel ist die Planung an der Dockenhudener Straße in Blankenese auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle. Dort wird nach historischen Vorbildern des früheren Stadtteils geplant. Warum geht das hier und z. B. nicht in Lurup? Grundsätzlich bedeutet sozialverträglichen Bauen immer auch umweltverträglich zu bauen.

Erholungsräume und Barrierefreiheit

Barrierefreiheit muss mühsam durch die Behindertenverbände, die sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben, erobert werden. Teilhabe an der Gesellschaft ist nur erreichbar, wenn bei der Planung von Wohnungen und Mobilität die Bedürfnisse der verschiedenen Menschen mit Behinderungen einbezogen werden.

In den Wohngebieten und entlang von Straßen sind Bäume und Grünflächen zu planen, die Erholungsraum und Freizeitmöglichkeiten bieten. Wer nur ein geringes Einkommen hat, braucht diese Flächen vor der Tür, weil Urlaubsreisen oft nicht ermöglicht werden können.

Ökologisch gilt zudem: Vielfalt führt zu Vielfalt. Alle Haus- und Kleingärten in Deutschland entsprechen etwa der Fläche aller nationalen Naturschutzgebiete – inmitten der Städte. Sie sind inzwischen ökologische Biotope und bieten Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Nicht zuletzt, weil in der heute üblichen Agrarbewirtschaftung vielfach Lebensräume verloren gehen, suchen sie sich Nischen in Parks und öffentlichen Grünflächen, mehr und mehr aber auch in privaten Gärten. Untersuchungen zeigen, dass die Artenvielfalt in Städten heute schon höher ist als auf dem Land. An den Stadträndern von München beispielsweise fand man mehr unterschiedliche Vogel- und Schmetterlingsarten als auf der offenen Feldflur. In Berlin leben Schätzungen zufolge sogar mehr Pflanzenarten als in der freien Natur in Deutschland. 

Für gute Luft sind zudem Querbelüftungen im Straßenverlauf zwingend erforderlich.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen – Sozialwohnungen in gutsituierten Stadtteilen bauen

In gutsituierten Stadtteilen stehen mehr freie Flächen zur Verfügung, als in schon jetzt dicht bebauten Vierteln. Sie gehören meist privaten Eigentümern. Wie steht es mit dem Wahlversprechen der Grünen, gerade in diesen Stadtteilen mehr bezahlbaren Wohnraum zu bauen? Davon ist nichts zu sehen. So wird das Instrument „Sanierungsgebiet“ in benachteiligten Stadtteilen angewandt, um ein Vorkaufsrecht für Häuser und Grundstücke für die Stadt zu erhalten. Warum wird das nicht in gutsituierten Stadtteilen erprobt, um die Grundstücke dort für den Geschosswohnungsbau zu erschließen?

Soziale Notwendigkeiten einplanen

Um lebendige Stadtteile zu entwickeln, muss der Straßenraum als Erlebnisraum, mit Kleingewerbe, Läden, Gastronomie für jeden Geldbeutel, Musik und Theater gestaltet werden.

Soziale Einrichtungen wie Spielplätze, Beratungsstellen für unterschiedliche soziale Anlässe gehören vor Ort mitgeplant.

Das gilt natürlich auch für Kindergärten und Schulen. Das würde auch unnötige Fahrten verhindern können.

Bürgerbeteiligung umfänglich und rechtzeitig

In Zeiten der Corona-Pandemie ist deutlich geworden: die Beteiligung der Bürger*innen bei der Entwicklung von Strategien und Projekten ist wichtig. Dies gilt ganz besonders für die Anhörung in Bauangelegenheiten, denn sie müssen ja mit den Ergebnissen daraus leben und wohnen. Dazu ist es wichtig, den Anhörungszeitraum großzügig zu gestalten, damit die Bevölkerung ausreichend eingebunden ist.

Bürgerbeteiligung darf nicht mit dem Umsetzen der B-Pläne enden. Vielmehr ist darauf zu achten, dass sich Beteiligung z. B. in Beiräten verstätigt, so dass sich die Bewohner*innen weiterhin für ihren Stadtteil engagieren. Die entsprechenden Mittel sind bereitzustellen.

Suche nach neuen Flächen

Kasernengelände, die in naher Zukunft aufgegeben werden, bieten Flächen, die für den Wohnungsbau genutzt werden können. Ungenutzte Flächen und Leerstände in den Stadtteilen sollten aufgelistet werden und sind einer Bebauung zuzuführen.