Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Jede*r Fünfte lebt in Hamburg von Grundsicherung und Hartz IV

SoVD-Landeschef Klaus Wicher appelliert an den Senat: „Eine gute Sozialpolitik ist unabdingbar für den Zusammenhalt in unserer Stadt!“

Einsamkeit und Isolation sind für den SoVD die Worte des Jahres 2020: Sie haben durch die Corona-Krise noch mal eine ganz neue Qualität bekommen. Denn die Pandemie hat wie ein Brennglas grundlegende Fehlentwicklungen und langjährige Versäumnisse aufgezeigt. Für viele Menschen in Hamburg ist Ausgrenzung von der Gesellschaft seit Jahren bittere Realität, Armut und Einsamkeit bedingen sich ganz oft.

In Hamburg lebt jede*r Fünfte von Grundsicherung und Hartz IV. „Damit diese Menschen besser über die Runden kommen, muss ihnen die Stadt gerade in der Pandemie mehr helfen“, fordert Klaus Wicher, Hamburger Vorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD). Er sagt: „Soziale Ausgrenzung spaltet die Gesellschaft. Weil Armut ausgrenzt, macht sie auch einsam.“

Betroffen sind vor allem alte Menschen. „In Hamburg leben etwa 330.00 Senior*innen, die 65 Jahre oder älter sind. Davon bekommen mehr als 27.000 Grundsicherung – eine große Zahl von Einzelschicksalen, die wir nicht unterschätzen dürfen und für die wir als Staat und Gesellschaft verantwortlich sind. Denn diese Menschen können an ihrer Lage nur noch wenig ändern“, so Wicher.

Er sorgt sich, dass nicht nur die Gruppe der Älteren in der Politik eine Nebenrolle spielen könnte: „Alle Menschen, die in irgendeiner Form bedürftig sind, müssen Berücksichtigung finden, auch wenn gerade andere Probleme scheinbar akuter auf den Nägeln brennen. Trotz Corona, trotz Klimawandel: Eine gute Sozialpolitik ist existenziell wichtig für den Zusammenhalt und das Zusammenleben in der Stadt, gerade auch nach der Corona-Pandemie. Das sollte niemand unterschätzen.Die politischen Fraktionen in Hamburg sollten sich bei den laufenden Haushaltsgesprächen davor hüten, diesen Bereich zu übergehen, sondern den sozialen Aspekt in alle Entscheidungen einbeziehen!

Wicher sieht den Hamburger Senat in der Pflicht: „Eine Ursache dafür, dass in unserer Stadt so viel Altersarmut existiert, sind die Lebenshaltungskosten, die deutlich höher sind als anderswo, die niedrigen Renten und die viel zu geringen Grundsicherungssätze. Hamburg als Hafenmetropole und Weltstadt hat eine hohe Anziehungskraft auf die Menschen. Leben, Wohnen, Freizeit – all das ist in unserer schönen Hansestadt begehrt und leider sehr teuer. Schon deshalb sollte der Senat endlich einen Zuschuss zur Grundsicherung gewähren. Und zwar nicht nur für die Senior*innen, sondern für alle Grundsicherungsempfänger*innen!“

Ausgrenzung entstehe auch durch fehlende Orte der Begegnung. Die vom SoVD schon lange geforderten zentralen Angebote in den Quartieren stellen einen Ausweg mit vielen Zukunftsperspektiven dar, der aber konzeptionell und finanziell unterfüttert werden muss.

Es bestehe akuter Handlungsbedarf auf allen Ebenen, denn für die Zukunft prophezeit Wicher deutlich mehr Ältere, deren Rente – trotz Grundrente – nicht reichen wird: „Gerade in den Zeiten der Pandemie können wir davon ausgehen, dass sich der Arbeitsmarkt verschlechtert. Langzeitarbeitslose Menschen kommen in der Regel nicht automatisch in Arbeit. Sie brauchen mehr gezielte Angebote und eine längere Förderung. Die Aufstockung von Maßnahmen in Beschäftigungsgesellschaften und deren langfristige Absicherung sind an dieser Stelle wichtige Unterstützungen, die der Senat leisten muss.“