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Armut im Alter: Viele jobben aus purer Not

Über eine Million Senior:innen in Deutschland setzen sich nicht zur Ruhe, sondern arbeiten weiter.

„Es gibt verschiedene Punkte, die wir alle angehen müssen, damit sich dieser Trend nicht verfestigt. Als erstes brauchen wir die dringend fällige Anhebung des Mindestlohns auf mindestens 12 Euro und eine sofortige Anhebung der Grundsicherung im Alter“, fordert Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Hier bei uns in Deutschland arbeiten 208.000 Senior:innen in einem sozialversicherungspflichtigen Job. Knapp 850.000 sind geringfügig beschäftigt oder haben einen Minijob. Zusätzlich stocken rund 19.000 Rentner:innen ihr Einkommen durch einen Nebenjob auf.

Gefragt sind die Ü-65-Jährigen vor allem im Büro, sie gehen putzen oder jobben als Fahrer:in – nicht unbedingt Jobs, die viel einbringen. Trotzdem machen viele Ältere nicht Schluss mit dem Arbeitsleben, schlicht und einfach, weil sie es müssen: Etwa 15 Millionen Senior:innen haben Altersbezüge von gerade mal 803 Euro im Monat. Wer dann nicht anders vorgesorgt hat, dem blüht ein Leben in Armut. „Damit liegen die Betroffenen definitiv unter der Armutsgrenze von 1.074 Euro monatlich. Wer noch kann, bessert also sein Einkommen natürlich mit einem Job auf. Das ist hart und oftmals auch beschwerlich.“, stellt Wicher klar.

Das soziale Netz sei so löchrig, dass viele einfach nur noch durchfallen: „Es kann doch nicht sein, dass es in unserer wirtschaftlich überaus potenten Republik möglich ist, dass Rentner:innen jahrzehntelang in die Sicherungssysteme einzahlen, dann aber im Alter nicht genug haben, um anständig davon leben zu können.“

Die Ursache für die Altersarmut trotz eines langen Arbeitslebens sieht der Hamburger SoVD-Landeschef vor allem im zu niedrigen Lohnniveau und den vielen Minijobs, die den guten Aufbau einer Alterssicherung verhindern: „Wir sehen immer deutlicher: Alle Jobs müssen vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig sein und der Mindestlohn muss dringend angehoben werden. Auch die Grundsicherung ist zu niedrig und nicht auskömmlich.“

Wicher mahnt: „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird Altersarmut zu einem immer größer werdenden Problem. Aus meiner Sicht hat sich unser vor über 100 Jahren entwickeltes Rentensystem überholt. Wir müssen jetzt die Weichen für eine neue Struktur stellen, die sich anders finanziert und in die alle eingebunden werden – auch Beamte, Selbstständige und Bundestagsabgeordnete!“