Der Hamburger Wohnungsmarkt schafft derzeit viel zu wenige Wohnungen im niedrigsten Preissegment. Dr. Sally Peters, Vorstandssprecherin des SoVD Hamburg, fordert deshalb feste Wohnungskontingente für Frauen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus, junge Erwachsene, die mit Erreichen der Volljährigkeit Betreuungseinrichtungen verlassen müssen, sowie für obdachlose Menschen, die durch Housing First die Chance auf einen Neuanfang hätten: „Das sollte auch bei der Umsetzung von Projekten wie dem Holsten Areal berücksichtigt werden.“
Der Hamburger Wohnungsmarkt bietet Menschen mit sehr geringem Einkommen kaum noch Perspektiven, sagt Dr. Sally Peters: „Ohne unterstützende Organisationen und Einrichtungen sähe die Lage noch schlechter für sie aus. Die Diakonie, die Caritas oder auch die Lawaetz-Stiftung leisten an dieser Stelle unverzichtbare Arbeit. Sie helfen Betroffenen dabei, eine Wohnung zu finden und Stabilität in ihr Leben zu bringen. Wohnen ist für sie der erste Schritt in ein neues Leben.“
Vor allem für besonders hilfebedürftige Gruppen sei die Wohnungssuche in Hamburg so gut wie aussichtslos: „Es ist inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, dass Frauen nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus monatelang dort verweilen müssen, weil sie keine Wohnung finden.“ Ähnlich sei die Situation für junge Erwachsene, die bis zur Volljährigkeit in einer Wohneinrichtung gelebt haben: „Mit dem Ende der Betreuung entfällt oft auch die Wohnperspektive. Aus eigener Kraft finden sie kaum bezahlbaren Wohnraum. Das gilt ebenso für Menschen, die auf der Straße leben und durch Housing First aber eine Chance auf Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe hätten.“
Für Peters ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: „Die Stadt könnte über die städtische SAGA den unterstützenden Trägern größere Wohnungskontingente zur Verfügung stellen. Das wäre eine Investition, die sich langfristig auch für Hamburg auszahlen könnte, weil sie hohe Folgekosten verhindert. Wer aus der Obdachlosigkeit in eine eigene Wohnung kommt, hat deutlich bessere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Gleiches gilt für Frauen, die mit ihren Kindern das Frauenhaus verlassen möchten, oder für junge Erwachsene, die für den Start in die Selbstständigkeit ein sicheres Zuhause brauchen.“
Die Stadt habe die Möglichkeit gegenzusteuern und günstigen Wohnraum gezielt für diese Gruppen zu reservieren. Peters sieht vor allem Potenzial durch die Umsetzung größerer Bauprojekte: „Aktuell wäre das beispielsweise bei der Entwicklung des Holsten Areals umsetzbar.“
