Drei Fragen und Antworten mit Cornelia Springer-Fouad. Sie ist Geschäftsführerin der Bergedorf-Bille-Stiftung, bei der die Geschäftsstelle des Bündnisses gegen Einsamkeit Hamburg (BgEH) angesiedelt ist. Sie versteht Einsamkeit als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Welche Personengruppen erleben Einsamkeit besonders häufig?
Einsamkeit kann jeden Menschen treffen. Sie hängt nicht allein vom Alter ab und auch nicht davon, wie viele Menschen jemand kennt. Einsamkeit ist kein persönliches Versagen. Entscheidend ist vielmehr, ob wir unsere sozialen Beziehungen als erfüllend erleben und uns zugehörig fühlen. Einsamkeit entsteht oft dort, wo sich Lebensumstände verändern und vertraute soziale Beziehungen wegfallen. Besonders hoch ist das Risiko im Alter nach dem Verlust von Partner oder Partnerin, nach einer Trennung, Umzug oder Arbeitslosigkeit. Auch junge Menschen, Alleinerziehende, pflegende Angehörige oder Menschen, die mit Krankheit oder Behinderung leben, können besonders gefährdet sein.
Was muss sich verändern, damit in Hamburg weniger Menschen einsam sind?
Wir müssen Einsamkeit stärker als gesellschaftliche Aufgabe verstehen. Es reicht nicht, darauf zu warten, dass Menschen selbst aktiv werden. Wer schon länger einsam ist, hat oft nicht die Kraft oder den Mut, den ersten Schritt zu machen. Deshalb brauchen wir mehr Orte und Gelegenheiten, an denen Begegnung ganz selbstverständlich ist – im Stadtteil, im Wohnumfeld, in Kultur, Sport, Bildung oder im freiwilligen Engagement. Orte, an denen man einfach dazukommen kann, ohne sich erklären oder erst eine bestimmte Voraussetzung erfüllen zu müssen. Wir sollten früh darauf achten, dass aus vorübergehendem Alleinsein keine anhaltende Einsamkeit wird. Unser Ziel sollte eine Stadtgesellschaft sein, in der wir aufmerksam sind und aufeinander zugehen.
Wie können interessierte Bürger:innen erfahren, wann und wo in Hamburg Veranstaltungen gegen Einsamkeit stattfinden?
Im Moment ist das leider noch nicht ganz einfach, denn bisher gibt es keinen Ort, an dem alle Angebote zu finden sind. Deshalb arbeiten wir an einer zentralen digitalen Plattform, auf der Veranstaltungen und Informationen gesammelt werden sollen. Denn wir haben in Hamburg schon sehr viele Angebote, die gegen Einsamkeit helfen.
