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Working Poor: Tarifverträge für die Pflege müssen her!

Rund eine halbe Million Menschen müssen trotz Erwerbstätigkeit mit Hartz IV aufstocken. Das betrifft auch viele systemrelevante Berufe, beispielsweise in der Pflege: „Wir brauchen für diese Menschen einheitliche Arbeitsverträge, die sich an ausgehandelten Tarifen orientieren. Es kann nicht sein, dass die Mitarbeitenden in der Pflege auf der einen Seite als systemrelevant eingestuft werden, die Arbeit aber nicht mit der angemessenen Wertschätzung entlohnt wird. Hier muss die Stadt eingreifen“, mahnt Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Vor allem die Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, sind aus Wichers Sicht zu schlecht bezahlt: „Zum Beispiel in der Pflege, aber auch im Verkauf oder bei der Post sind die Gehälter so niedrig, dass Beschäftigte nicht einmal so viel verdienen, dass es zum Leben reicht. Diese Menschen arbeiten und müssen dennoch aufstocken, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Das motiviert niemanden, sich in diesem Bereich ausbilden zu lassen oder dort zu arbeiten.“. Er stellt klar: „71 Prozent der Pflegekräfte in Hamburg sind nicht tarifgebunden. Nur bei PFLEGEN & WOHNEN gibt es für rund 2.000 Mitarbeitende einen Tarifvertrag mit auskömmlichen Bezügen. Ohne einen flächendeckenden Tarifvertrag für alle Pflegekräfte wird diese Ungerechtigkeit weiter Bestand haben und letztendlich dazu führen, dass der Personalmangel zunimmt.“

Der Hamburger SoVD-Landeschef fordert die Stadt auf, die Ärmel hochzukrempeln: „Selbstverständlich kann der Senat nicht in die Tarifautonomie eingreifen, unbenommen ist ihm jedoch, das Gespräch zu suchen mit dem landeseigenen UKE und den zu 25,1 Prozent landeseigenen Asklepios-Kliniken.“ Der Entlastungs-Tarifvertrag, der an der Berliner Charité abgeschlossen wurde, könnte hier Vorbild sein. Wicher ist sich sicher: „Würden sich die Arbeitgeber beziehungsweise die Tarifparteien zu besseren Arbeitsbedingungen verpflichten, würden mehr im Job bleiben und Aussteiger wieder zurückkommen. Auch für den Nachwuchs wäre der Beruf attraktiver.“

71 Prozent der Pflegekräfte in Hamburg sind nicht tarifgebunden. Nur bei PFLEGEN & WOHNEN gibt es für rund 2.000 Mitarbeitende einen Tarifvertrag – mit auskömmlichen Bezügen. Pflegefachkräfte kommen damit auf ein Einstiegsgehalt von 3.044 Euro, in der Endstufe auf 3.674 Euro. Die Ausbildungsvergütung liegt zwischen 1.160 Euro im ersten und 1.350 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Hinzu kommen höhere Zulagen in Demenzbereichen sowie eine Jahressonderzahlung von 100 Prozent eines Monatseinkommens für alle.