Neujahrsempfang von DGB und SoVD in Hamburg

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und Sozialverband Deutschland (SoVD) aus Hamburg haben die Politik dazu aufgefordert, energischer gegen Altersarmut vorzugehen.

Auf dem gemeinsamen Neujahrsempfang des SoVD und der DGB-Senioren, bei dem mehr als 300 Gäste anwesend waren, erklärte Klaus Wicher, 1. SoVD-Landesvorsitzender: „Wir können Menschen nachhaltig aus der Armut befreien, wenn wir die Rente nach Mindestentgeltpunkten wiedereinführen. Außerdem brauchen wir Freigrenzen in der Grundsicherung auch für Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wenn wir diese Forderungen durchsetzen könnten, wären wir einen großen Schritt weiter!“

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger ging explizit auf die Ursachen von Altersarmut ein: „Wer die immer weiter zunehmende Altersarmut stoppen will, muss das Problem grundsätzlich angehen und für mehr gute Arbeit sorgen. Schuld an Mini-Renten sind auch mangelnde Tarifbindung der Unternehmen und damit schlechte Löhne, Teilzeit-Jobs, Befristungen und unbezahlte Familienarbeit. Nur, wenn wir den Arbeitsmarkt in Ordnung bringen, haben wir auch eine Chance, die Niedrigrenten einzudämmen.

Gastrednerin Annelie Buntenbach, DGB-Bundesvorstand und Mitglied der Rentenkommission, sagte in ihrer Rede: „Viele Menschen haben das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Parteien und Regierung verloren. Deswegen muss das soziale Sicherungsversprechen erneuert werden. Und zwar so glaubwürdig, dass sie sicher sein können, dass ihre Lebenswirklichkeit, ihre unterschiedlichen Nöte und Bedürfnisse, gesehen werden – und im Zentrum des politischen Handelns stehen.“

Cornelia Prüfer-Storcks, Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, kündigte in ihrem Grußwort an, dass die aufsuchenden Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren, die 80 Jahre alt sind, auf ganz Hamburg ausgeweitet werden soll: „So wie es aussieht, bewährt sich diese Maßnahme und ich habe schon die Bewilligung von Geldern, um das Angebot auf alle Hamburger Bezirke auszuweiten.“
Was das Wohnen im Alter angeht, das nicht immer auf einen Platz im Pflegeheim hinauslaufen muss, gab Prüfer-Storcks Nachholbedarf zu: „Wir müssen mehr alternative Wohnformen entwickeln!“ Wie sie das bei dem schon jetzt knappen Wohnraum schaffen will, ließ sie allerdings offen. Um ältere Menschen besser und nach Bedarf betreuen zu können, will die Senatorin die Quartiersarbeit ausbauen: „Wir werden sogenannte „Kümmerer“ ausbilden und einsetzen, die ganz nah an dem Menschen im Stadtteil sind.“

Klaus Wicher machte deutlich, dass er das Ganze für Flickwerk hält. Vielmehr sollten die bezirkliche Seniorenberatung und die Wohlfahrtsverbände bei der Gründung von Zentren in den Quartieren einbezogen werden, um die schon vorhandenen Angebote zu bündeln: „Hier ist Unterstützung aus einer Hand gefordert“, so Wicher.

Nicht nur die Rednerinnen und Redner auf dem Podium, auch die Gäste nutzen die Gelegenheit zur Meinungsäußerung. Die anwesenden SoVD-Mitglieder appellierten mit einer kleinen Plakataktion an die Politik, die Lebensarbeit von Frauen umfassend zu würdigen und forderten eine gleiche Mütterrente für alle. Von Gewerkschaftern wurde Annelie Buntenbach zudem eine Petition für eine lebenssichernde Rente überreicht.

Statement von Klaus Wicher: „Altersarmut bekämpfen – Rente nach Mindestentgeltpunkten wieder einführen!“