Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Schließung katholischer Schulen

„Kinder und Jugendliche sollen nun das Versagen der Kirchenleitung ausbaden“, moniert Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) in Hamburg, den Plan der katholischen Kirche, acht Schulen in der Hansestadt aufzugeben.

Die bevorstehende Schließung von acht katholischen Schulen sieht der Hamburger SoVD-Landesverband mit großer Sorge: „Die Hamburger Einrichtungen der katholischen Kirche haben einen hervorragenden Ruf und sind gerade in Problemstadtteilen ein Mittler zwischen Nationen und Kulturen“, sagt der Hamburger SoVD-Chef Klaus Wicher.

Auch er fordert Klarheit seitens der Kirche, wie es zu einer derart großen finanziellen Schieflage des Hamburger Erzbistums kommen konnte: „Ich verstehe nicht, wie man ein Minus von aktuell 79 Millionen anhäufen konnte, ohne frühzeitig Wege aus den Schulden zu suchen. Zum anderen frage ich mich, warum jetzt Kinder und Jugendliche unter der offenkundigen Misswirtschaft leiden müssen.“ Problematisch sei, dass die Kirche plant, Einrichtungen in problembelasteten Statteilen wie Hamm oder Harburg zu schließen: „Hier leistet die Kirche einen wichtigen Beitrag zur Integration.“

Einen Erhalt der acht katholischen Schulen um jeden Preis kann auch Wicher aber nicht gutheißen: „Die Stadt finanziert diese Einrichtungen schon zu 85 Prozent. Wer es nicht schafft, die verbliebenen Gelder aufzubringen, wirtschaftet aus meiner Sicht nicht klug, das hat für jedes Unternehmen in der freien Wirtschaft Konsequenzen.“ Die Hamburger Schulbehörde sieht Wicher nicht in der Pflicht: „Hier wurde seitens der Kirche offenbar zu spät und nicht offen mit dem Schulsenator kommuniziert. Seine Behörde kann doch jetzt nicht die hausgemachten Defizite heilen.“ Auch der Schulförderungsfonds der Bundesregierung, in dem 61 Millionen für alle Hamburger Schulen zur Verfügung stehen, kann aus Wichers Sicht die Schließung der acht Schulen nicht verhindern: „Dieser Fonds steht allen Hamburger Schulen zu. Dieses Geld muss gerecht auf alle verteilt werden, es wird auf keinen Fall dafür reichen, die katholischen Einrichtungen zu retten.“

Wicher sieht dagegen die reichen katholischen Erzbistümer in Deutschland in der Pflicht, den „armen“ Glaubensbrüdern und -schwestern im Norden zu helfen: „So wie es auch den Länderfinanzausgleich zwischen armen und reichen Bundesländern gibt, so müsste es auch bei der katholischen Kirche funktionieren.“ Deren bislang nur sehr verhaltene Hilfszusagen empfindet Wicher als unerträglich: „Ich habe den Eindruck, den Kirchenoberen geht es nur ums Geld und nicht um christliche Nächstenliebe, gute Bildung für Kinder und ihre Erziehung zu empathischen, eigenständig denkenden jungen Menschen.“