Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Quartiernetzwerke für ein seniorengerechtes Hamburg

Klaus Wicher, 1.Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg, und der Sozialwisenschaftler Professor Dr. Timm Kunstreich haben heute ihr Konzept „QuartierAngebote“ zur Bekämpfung von Altersarmut in der Hansestadt vorgestellt. Sie setzen auf lokale Quartiernetzwerke, die Nachbarschaften näher zusammen bringen und von allen Bewohnerinnen und Bewohnern im Stadtteil genutzt werden können.

Rund 435.000 Menschen leben derzeit in Hamburg, die 60 Jahre und älter sind. Sie bilden etwa 23 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Hansestadt. Damit sind die „Älteren“ eine sehr bedeutende Gruppe in der Freien und Hansestadt – zumal in den kommenden Jahren ihr Anteil an der Bevölkerung weiter zunehmen wird. Dies bedeutet auch, dass die soziale Spaltung unserer Gesellschaft mit dem demografischen Wandel tiefer werden wird, denn die Zahl der Menschen, die im Alter arm sind, steigt kontinuierlich. Armut bedeutet für sie, nur wenig zum Leben zu haben. Weiter sind sie besonders betroffen von gesundheitlichen Einschränkungen und sozialen Verlusten. Kommen diese Faktoren zusammen, schränkt dies die Teilhabe an der Gesellschaft ein oder verhindert sie schlimmstenfalls ganz.

Das Konzept „QuartierAngebote“ untersucht anhand von Kategorien die Ursachen von fehlender Teilhabe bei Seniorinnen und Senioren – und zeigt Handlungswege auf, die älteren Menschen in der Zukunft bessere Lebensmöglichkeiten in einer Stadt wie Hamburg ermöglichen könnten. Analysiert wurden verschiedene Handlungsspielräume, in denen niedrigschwellige Hilfen und Unterstützungsleistungen angesiedelt werden könnten: der Einkommens- und Versorgungsspielraum, der Kontakt- und Kooperationsspielraum, der Lern- und Erfahrungsspielraum sowie der Muße- und Regenerationsspielraum.

Mit dem Konzept präsentiert der SoVD dem Hamburger Senat ein konstruktives Angebot, das eine flächendeckende Unterstützung und Förderung von älteren Menschen ermöglicht und dabei ihre individuellen Wünsche und Vorstellungen in ihrem direkten Lebensumfeld einbezieht. Die Besonderheit: QuartierAngebote sollen nicht nur von Seniorinnen und Senioren genutzt werden, sondern von allen Bewohnerinnen und Bewohnern im Stadtteil, die einen Bedarf haben: QuartierAngebote könnten zu einer neuen Basis der Hilfe und Kontaktaufnahme werden – und sich zu einem zentralen Grundpfeiler kommunaler sozialer Infrastruktur entwickeln.

Wer sich heute mit der Planung für eine seniorengerechte Stadt der Zukunft beschäftigt, muss jetzt entscheidende Weichen bei der Bekämpfung und Vermeidung von Altersarmut stellen und Teilhabe für Alle schaffen.

Immer mehr Menschen wünschen sich für das Alter, möglichst lange selbständig und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können. So bleiben sie in der vertrauten Wohnumgebung und können aktiv am sozialen Leben teilhaben. Allerdings ist die Gruppe der Seniorinnen und Senioren keineswegs homogen. Ihre Bedürfnisse und Interessen unterscheiden sich stark, bedingt durch Gesundheitszustand, Bildungsgrad, Herkunft, Familie oder Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Auf der einen Seite gibt es ältere Menschen, die durch finanzielle, gesundheitliche und soziale Faktoren eingeschränkt sind, auf der anderen Seite steht eine große Gruppe von Seniorinnen und Senioren gegenüber, die sich mit ihren individuellen Kompetenzen, Ressourcen und Fähigkeiten einbringen können oder möchten.

Vor diesem Hintergrund muss ein modernes Seniorenkonzept die große Bandbreite von persönlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen und Interessen berücksichtigen und verbinden. Auch in Hamburg existiert bereits ein großes Angebot für ältere Menschen. Dazu zählen Seniorentreffs und -gruppen, Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäuser, soziale und haushaltsnahe Dienstleistungen, bezirkliche Seniorenberatungen und Pflegestützpunkte, der Hamburger Hausbesuch sowie die rechtliche und gesundheitliche Beratung durch Vereine und Verbände. Allerdings sind diese Angebote oft nicht miteinander verknüpft, sondern agieren nebeneinander. Es gibt viele, kaum miteinander vernetzte Angebote vor Ort, von denen viele Seniorinnen und Senioren nichts wissen.

Diesem Problem wollen wir mit unserem Vorschlag zur Bildung vernetzter „QuartierAngebote“ Rechnung tragen. Darunter verstehen wir die Verzahnung von einzelnen Angeboten und den Aufbau von lokalen Netzwerken, die sich am Bedarf und an den Interessen der älteren Menschen orientieren. Geleistet werden muss dies von hauptamtlichen, nicht prekär beschäftigten, Mitarbeitern. Der Aufbau dieser Netzwerke soll individuell abgestimmt sein auf die Lebensverhältnisse in den Quartieren. Sie bündeln die Angebote, ermöglichen Teilhabe und fördern das Selbstwertgefühl und die Eigeninitiative von älteren Menschen.


Hintergrundinformationen: Gut vernetzt – Altenhilfe in München

Zum Download: SoVD-Konzept »QuartierAngebote« für eine integrierte Altenhilfe