Presse SoVD-Landesverband Hamburg

Gesundheitszentren in Hamburg: Wie wär‘s mit einem ganzheitlichen Konzept, Frau Senatorin?

„Die meisten Ärzte je Einwohner arbeiten in Stadtstaaten, doch die Realität sieht anders aus: Vor allem in den armen Stadtteilen müssen die Menschen lange auf einen Arzttermin warten“, stellt SoVD-Chef Klaus Wicher klar. Er kennt eine Lösung: Lokale Quartierzentren mit einem ganzheitlichen, gut vernetzten Angebot für alle.

Die ungerechte Verteilung der Hausärzte über das gesamte Hamburger Stadtgebiet ist nicht neu: „Das Problem liegt bei der zuständigen Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz schon lange auf dem Tisch. Ich habe den Eindruck, dass Frau Prüfer-Storcks diese ungleiche Versorgung lange ausgesessen hat und nun sehr halbherzig etwas aus dem Hut zaubert.“, so Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender Sozialverband Deutschland (SoVD) in Hamburg.

Wicher bezieht sich auf die neuste Nachricht aus der Gesundheitsbehörde, die angekündigt hat, ab Ende kommenden Jahres sieben lokale Gesundheitszentren in Stadtteilen mit „besonders schlechter sozialer Lage“ aufzubauen: „Ich freue mich, dass die Senatorin offensichtlich unser SoVD-Konzept zur Quartiersarbeit gelesen hat. So, wie wir es schon lange fordern, will sie vor Ort Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil installieren. Dabei ist es erforderlich, die Akteure, Vereine und Verbände, die heute schon wichtige Arbeit und Unterstützung vor Ort leisten, einzubinden.

Wicher fordert Kooperationsbereitschaft seitens der politischen Ressorts und mehr vorausschauendes Denken von der Senatorin: „Fakt ist: Wer arm ist, hat eine geringere Lebenserwartung. Eine bessere Gesundheitsversorgung in den Quartieren dient letztendlich dazu, Armut in der Bevölkerung zu mildern. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Bekämpfung von Armut, aber natürlich nicht der einzige. Für mich zählt auch eine bessere Bildung dazu, mehr Unterstützung bei familiären Problemen, eine gute Sozialberatung und Hilfsangebote, die den Alltag der Menschen erleichtern. Ein Gesundheitszentrum wird das Problem nicht lösen – hier brauchen wir eine Politik, die den Mut hat, weiterzudenken als nur bis zur nächsten Bürgerschaftswahl!

Die soziale Spaltung der Hansestadt zeigt sich ganz besonders bei der Versorgung mit Kinderärzten. 36 der ärmsten Stadtteile, in denen mindestens 20 Prozent der Kinder von Sozialhilfe leben, haben einen kinderärztlichen Versorgungsgrad, der teils unter 50 Prozent liegt. In den drei reichsten Stadtteilen (Groß Flottbek, Wellingsbüttel, Blankenese), in denen nur maximal drei Prozent der Kinder von Sozialhilfe leben, ist die kinderärztliche Versorgung dagegen bestens aufgestellt (mit einem Versorgungsgrad von 183 bis 242 Prozent).